In zwei Wochen entscheiden die Aktionäre über den neuen Comet-Präsidenten. Wie ist es, als umstrittener Kandidat in eine Wahl zu gehen?
Ich fühle mich gut und bin zuversichtlich, dass ich die Wahl gewinnen kann.

Nun wird es eng, nachdem sich der Stimmrechtsberater ISS – anders als Ethos – auf die Seite Ihres Konkurrenten Heinz Kundert schlug und diesen unterstützt.
Ich bin gelassen. Wenn ich die Wahl gewinne, freue ich mich sehr und werde mich entsprechend engagieren. Wenn die Aktionäre anders entscheiden, kann ich damit leben.

Wieso sollten die Aktionäre auf Sie setzen?
Ich habe ausgewiesene Erfahrung im Bereich Halbleiter. Nicht nur in der Anlagenwelt, sondern auch in jener der Halb­leiter-Hersteller. Ich habe Prozesse entwickelt, dank denen zehn Milliarden Chips pro­duziert wurden. Auch Plattformen für ­Mobiltelefone gestaltete ich. Ich kenne den Endmarkt sehr gut.

Sie arbeiten beim Fraunhofer-Institut, Kundert war Chef des Halbleiterunter­nehmens VAT: Das ist eine Wahl zwischen Professor und Macher.
Wenn Sie nur auf den Titel schauen, mag das stimmen. Aber sonst widerspreche ich. Ich war meine ganze Karriere lang Macher in unzähligen Projekten.

Geben Sie ein Beispiel.
Als Entwicklungsleiter für Kommunika­tionsbausteine war ich bei Infineon für 2500 Ingenieure verantwortlich. Da mussten wir 2006, als unser Hauptkunde BenQ pleiteging, massiv restrukturieren und gleichzeitig neue Kunden gewinnen. Das war eine eigentliche Nahtoderfahrung. Auch heute als Institutsleiter bei Fraun­hofer bin ich ein Macher.

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Haben Sie überhaupt die Zeit für einen Fall wie Comet?
Ich kann die Frage ganz klar mit Ja be­antworten. Ich werde mich so für Comet ­einsetzen, wie es notwendig ist.

Was heisst das konkret?
Eine Prozentzahl kann ich Ihnen nicht nennen. Ich wäre ja als Präsident auch nicht die Exekutive, die die tägliche Arbeit tun soll. Als Präsident verstehe ich mich als Coach des CEO.

Einige Investoren glauben, Comet brauche jetzt rasch viel Aufmerksamkeit, auch vom neuen Präsidenten.
Das habe ich mir im Detail angesehen. Ich nehme mir die Zeit, lerne rasch alle Standorte kennen, wenn ich gewählt werde.

Der Entwickler

Name: Christoph Kutter

Funktion: Direktor Frauenhofer-Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologien, VR First Sensor.

Ausbildung: Physikstudium in München, Weiterbildung in Ökonomie

Karriere: Ingenieur Siemens, Leiter R&D Infineon

Comet – Am 25. April wählt die GV von Comet nach dem Rücktritt von Hans Hess einen neuen Präsidenten. Das Aktionariat ist tief gespalten. Zur Auswahl stehen der Kandidat der Gesellschaft, Christoph Kutter, und Heinz Kundert, der von verschiedenen Aktionären unterstützt wird. Comet durchlebt schwere Zeiten, seit der Halbleitermarkt einbrach und sich Investitionen ins E-beam-Geschäft nicht auszahlten.

Würden Sie beim Fraunhofer-Institut ­kürzertreten?
Natürlich würde ich mir die nötige Zeit für Comet rausschneiden. Es wird ohne Zweifel Mehrarbeit sein, zusätzlich zu meiner regulären Zeit bei Fraunhofer.

Wo setzten Sie bei Comet an?
Der neue Verwaltungsrat muss sich die Strategieentwicklung im Detail anschauen, Bewertungen vornehmen und dann den richtigen Umsetzungsplan wählen.

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Kunderts Etikett ist «Halbleiter-Geschäft stärken». Was ist Ihr Etikett?
Ich stehe für profitables Wachstum und das Schaffen von langfristigem Firmenwert. Was der richtige Weg ist, wird sich zeigen. Ich halte nichts von einem Schnellschuss, nichts davon, auf die Schnelle und ohne ordentliche Analyse Geschäfte zu schliessen oder zu verkaufen. Wenn wir die richtigen Massnahmen definiert ­haben – falls ich gewählt werde –, dann werden wir sie sehr schnell umsetzen.

Ihr oberstes Führungsprinzip?
Mein wichtigstes Prinzip ist es, den Leuten zu vertrauen und sie in die Verantwortung zu setzen. Kein Mikromanagement. Alleine kann man nie so viel machen wie im Team.

Die oppositionellen Aktionäre werden nach der GV nicht verschwinden.
Dem sehe ich gelassen entgegen. Wenn ich gewinne, werde ich keinen Groll gegen irgendeinen Aktionär haben. Wir werden sehr professionell miteinander umgehen und das Gespräch suchen.

Gefragt sind nun soziale Fähigkeiten.
Ich hab es immer verstanden, gute und umsetzungsstarke Teams zu schmieden.

Alles scheint top. Haben Sie überhaupt Schwächen?
Ich bin sicher ein bisschen zu ungeduldig.

Würden Sie eine Wahl in den VR an­nehmen, wenn Kundert Präsident würde?
Die Wahl in den VR nähme ich auch an, wenn Heinz Kundert Präsident würde.