Der Hotelurlaub auf Kreta, der Badeplausch in Italien, die Strandferien auf Mallorca: Die Ferienreise im Sommer ist für viele Familien der Höhepunkt des Jahres.

Doch je grösser das Ausmass der Corona-Krise wird und je länger die Massnahmen gegen Ansteckungen mit dem Virus andauern, umso drängender tauchen Fragen auf: Sind die Verhältnisse bis im Juli und August wieder so, dass Ferien möglich sind? Will man unter solchen Umständen dieses Jahr überhaupt verreisen?

Obwohl jetzt kaum jemand eine Reise bucht, haben die Reiseveranstalter alle Hände voll zu tun. Sie müssen Reisen annullieren, die wegen Einreiseverboten, ausfallenden Flügen und geschlossenen Hotels derzeit nicht stattfinden können.

Kuoni übernimmt die Kosten

«Wir haben alle Reisen bis Ende April storniert und sind daran, unseren Kunden bereits entstandene Kosten zurückzuerstatten», sagt Bianca Gähweiler, Sprecherin des Reiseanbieters Hotelplan.

Was das Reisen im Mai angehe, warte man die Beschlüsse und Empfehlungen des Bundesrats von dieser Woche ab. Von den Ferien im Hochsommer spricht bei der Migros-Tochter Hotelplan derzeit noch niemand.

Die normalen Bestimmungen

Auch bei Kuoni hat man alle Reisen bis Ende April abgesagt. «Wir bieten unseren Kunden an, die Reisen auf später zu verschieben, einen Gutschein dafür zu erhalten oder auch das Geld dafür zurückzubekommen», so Kuoni-Sprecher Markus Flick.

Es sei noch zu früh, jetzt schon an gebuchte Ferienreisen im Juli und August zu denken. «Wir raten dringend davon ab, vorsorglich Urlaube im Sommer zu annullieren.» Die Kunden würden bestimmt nicht auf den Kosten von nicht durchführbaren Reisen sitzen bleiben, die bei Kuoni gebucht worden seien, verspricht Markus Flick.

Hören Sie den Podcast zum Thema: «Ferien 2020: Reisen oder annullieren?»

 

«Bis jetzt hat noch kein Anbieter Reisen im Juli und August gestrichen», betont Franco Muff, Ombudsmann der Reisebranche. Darum würden bezüglich Annullationen seitens der Kunden die normalen vertraglichen Bestimmungen gelten.

Wer jetzt also aussteigen will, weil er oder sie aus Furcht vor dem Virus nicht mehr verreisen möchte, muss die Konsequenzen in Form von Annullierungsgebühren selber tragen.

Den Entscheid aufschieben

«Es lohnt sich, die Vertragsbedingungen zu studieren, bis wann welche Stornierungskosten anfallen», so Franco Muff. Üblicherweise seien diese bei Pauschalreisen bis einige Wochen vor dem geplanten Reiseantritt gering oder gar null.

Wer Angst habe, sich auf der Sommerreise mit Corona zu infizieren, könne mit dem Entscheid unter Umständen noch mehrere Monate warten, bevor die finanziellen Bedingungen für eine Annullation ungünstiger würden.

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Warnung vor Überreaktion

Auch Reto Ineichen, Rechtsanwalt und Dozent für Reiserecht an der Hochschule Luzern, rät davon ab, jetzt überzureagieren. «Wenn man nicht selber annulliert und die Reise am Ende nicht stattfinden kann, hat das den Vorteil, dass der Veranstalter diese absagen muss.»

In diesem Fall werde der Reiseveranstalter ersatzpflichtig. «Dieser muss den Kunden eine Ersatzreise anbieten oder ihnen auf Wunsch die vollen Kosten zurückerstatten», sagt Reto Ineichen.

Parked Swiss International Air Lines airplanes at Zurich Airport in Kloten, Switzerland, photographed from the waiting area of the airport on May 20, 2018. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Wie die Airlines versuchen auch die Reiseveranstalter, bei abgesagten Reisen die Kunden mit Umbuchungen oder Gutscheinen zu vertrösten, um Zahlungsengpässe zu vermeiden.

Quelle: Keystone

Das gilt zumindest für Pauschalreisen. Hat man dagegen eine oder mehrere Einzelbuchungen getätigt, sind die jeweilige Airline oder das jeweilige Hotel Vertragspartner.

Ein Reiseunternehmen, das die entsprechenden Buchungen vermittelt hat, steht dann bei Absage nicht in der Pflicht für eine Rückzahlung. Es gilt, die Vertragsbedingungen bei solchen Einzelbuchungen gut zu studieren, um sie allenfalls frühzeitig genug annullieren zu können.

Nur Umbuchung oder Gutschein

Obwohl gemäss dem Pauschalreisegesetz die Reiseveranstalter ersatzpflichtig werden, wenn eine Reise nicht stattfindet, bestehen erhebliche Unsicherheiten darüber, ob und wie rasch man die vollen Kosten zurückerstattet bekommt.

Derzeit offerieren etwa Airlines und ausländische Hotels wegen Geldknappheit nur Umbuchungen oder Gutscheine für abgesagte Reisen, nicht aber eine Rückerstattung der Kosten. Wie die «Sonntagszeitung» publik machte, haben die Reiseveranstalter entsprechend Mühe, genügend finanzielle Mittel aufzutreiben, um Kunden auszubezahlen.

Kunden müssen sich mit Teilrückzahlung begnügen

«Die Reiseveranstalter versuchen zwar, alles Geld für abgesagte Reisen zurückzuerstatten, umgekehrt können sie aber für Airlines und ausländische Leistungsträger nicht die Bank spielen», sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands. Die Kunden müssten sich darum derzeit mit Teilrückzahlungen begnügen.

Wie die Airlines versuchen auch die Reiseveranstalter, bei abgesagten Reisen die Kunden mit Umbuchungen oder Gutscheinen zu vertrösten, um Zahlungsengpässe zu vermeiden. So bieten die grossen Reiseveranstalter Fussballfans an, ihre gebuchten Reisen an die auf 2021 verschobene Europameisterschaft auf ein Jahr später umzuschreiben. Ein grosser Teil der Kundinnen und Kunden akzeptiere Ersatzreisen, hört man aus der Reisebranche.

Garantiefonds übernimmt Rückerstattungen

Wie die Situation im Sommer sein wird, weiss derzeit niemand. Im schlimmsten Szenario gelten die Reiseverbote dann noch immer und den Reiseanbietern und Airlines ist das Geld ausgegangen. Im Fall zahlungsunfähiger Reiseveranstalter gibt es immerhin noch den Garantiefonds des Schweizer Reise-Verbands, der für Rückerstattungen einspringen könnte.

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Wer mit der Unsicherheit späterer Rückzahlungen nicht umgehen kann oder eine besonders komplexe und kostspielige Reise gebucht hat, annulliert diese eventuell lieber früher als spät. Wer für seine Familie einfache Badeferien vorsieht, wartet hingegen am besten.