Ein Stellenabbau und eine strategische Neuausrichtung des Fintechs Yapeal sorgt für Unruhe. «Kahlschlag bei Hipster-Bank Yapeal» titelte das nie um eine saftige Schlagzeige verlegene «Inside Paradeplatz». Und: «Alle Jung-Cracks springen ab». In der Tat zeigen Recherchen, dass das einst von UBS-Bankern gegründete Startup rund zwei Jahre nach dem Start eine grosse strategische Wende hinlegt.

Gegenüber der «Handelszeitung» bestätigt Firmenchef Thomas Hilgendorff, dass die bisherige Strategie überdacht werden musste. Nach dem Start der Digital-Bank «Yuh» und dem Handy-Konto «CSX» der Credit Suisse habe sich der Wettbewerb massiv verschärft. «Die Akquisition von Neukunden wurde teurer und schwieriger», so Hilgendorff. Die Marketingbudgets der Konkurrenten seien zu gross gewesen.

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Yapeal sei aber bei weitem nicht am Ende, so Hilgendorff. Derzeit wachse man so stark wie noch nie. «An gewissen Tagen haben wir mehr als hundert Kontoeröffnungen.» Also alles in bester Ordnung? Das dann doch auch nicht.

Fakt ist: Yapeal stellt das Eigenmarketing für Kleinkunden ein und konzentriert sich auf den Vertrieb über Partner, wie Hilgendorff erklärt. Etwa über Online-Casinos, bei denen man sich erfolgreich als Partner-Zahlungsmittel etabliert habe. Oder die EF-Sprachschulen, die das Yapeal-Konto als idealen Reisebegleiter vermitteln. Oder die Auslandschweizer-Organisationen, deren Mitglieder zunehmend Mühe bekommen, Schweizer Bankkonten zu eröffnen. «Diese Kooperationen laufen sehr gut», so Hilgendorff.

An den Konten selber ändere sich nichts. Auch die Kontoeröffnungen sollen weiterhin direkt über Yapeal laufen und nicht über die Partner. 

Abbau in der Entwicklung

Er bestätigt aber auch: Mit dem Einstieg des Buchhaltungs-Unternehmens Abacus im Aktionariat von Yapeal, lege man die Entwicklung der beiden Betriebe teilweise zusammen. Für rund ein Dutzend Angestellte auf der Yapeal-Seite bedeutet das die Kündigung. «Gleichzeitig haben sich ein paar wenige, für die die Strategie nicht mehr stimmt, entschieden, von sich aus zu gehen.»

Dem Vernehmen nach, hatte Yapeal zuletzt Mühe, an Finanzierungen zu kommen. Verschiedene Deal platzten. Letztlich dockte man bei Abacus an, welche nun massgeblich beteiligt ist. Die genaue Zahl nennt Hilgendorff nicht. Sie liege über 10 Prozent aber klar unter der Hälfte. «Die Mehrheit von Stimmrechten und Kapital liegen weiterhin bei den Gründern.» Als nächstes finde eine ausserordentliche Generalversammlung statt, an der eine Kapitalerhöhung beschlossen werden soll.

Yapeal war einst als drittes Schweizer Online-Konto gestartet - nach Zak von Bank Cler und Neon. Anderes als die beiden ersten, setzte Yapeal von Anfang an auf eine eigenständige Lösung. Eigene Technologie, eigene Lizenz. Yapeal erhielt denn auch die erste, neu geschaffene Fintech-Bewilligung der Finanzmarktaufsicht Finma. 

Früh setzte Yapeal auch auf Firmenkunden als neues Zielpublikum. So kam es auch zur Partnerschaft mit Abacus. 

Hilgendorff hat noch immer grosse Pläne für Yapeal. So will sich das Fintech zunehmend als eigenes Zahlungsmittel etablieren. Schon heute sei es möglich, Yapeal über vorhandene Schnittstellen von Zahlungsverarbeitern (PSP) aufzuschalten, sagt der Firmenchef. Dies als für Händler günstigere Alternativen zu den etablierten Zahlungsmitteln der Kreditkartenfirmen. Im Gegenzug sollen Kontoinhaber bei Partnern an – direkt ausbezahlte – Vergünstigungen kommen.

Das Team scheint noch immer an die eierlegende Wollmilchsau zu glauben. Oder wie es ein Branchen-Insider beschreibt: Gute Systeme, aber ein schlechtes Marketing.  «Wir haben es nicht geschafft, selber Endkunden zu gewinnen», konstatiert Hilgendorff. «Daher machen wir es nun über andere Wege.» 

Jetzt müsste Yapeal nur mal noch die eigenen Kunden informieren. Trotz neuer Strategie.