Letzten August trennten sich die Firmenchefs in den USA massenhaft von den Aktien der Unternehmen, die sie leiten. Wie nie mehr seit kurz vor Ausbruch der Finanzkrise 2007 stiessen sie eigene Aktien ab. Das sorgte für Auf­sehen.

Denn was die Chefs tun, gilt als ­Indikator dafür, wie es den Unternehmen geht. Insgesamt werden sich die US-Firmenleader letztes Jahr von mehr Aktien der eigenen Firma getrennt haben als jemals zuvor seit der Jahrtausendwende.

In der Schweiz ist alles ganz anders. Das zeigt eine Auswertung der sogenannten Managementtransaktionen, welche die Börsenbetreiberin SIX zur Verfügung stellt. Der Hauptbefund: Die Chefs und Verwaltungsräte von Schweizer Firmen investierten auch letztes Jahr ungebremst weiter in die Aktien ihrer Unternehmen.

Insiderkäufe
Quelle: SIX/HZ

Und gleichzeitig hielten sie an ihren Positionen fest: Die Verkäufe von Aktien der eigenen Firmen sanken im Durchschnitt auf ein Mehrjahrestief. Dieses Verhalten lässt nur einen Schluss zu: Die Insider von Schweizer Firmen glauben nicht an den katastrophalen Einbruch der Konjunktur oder an ein unmittelbar bevorstehendes Ende der Hausse an der Börse.

Das Datenmaterial umfasst die letzten vier Jahre. So lange ist die SIX verpflichtet, alle Meldungen von diesen Insidertransaktionen zugänglich zu machen. Insgesamt gibt es 10'659 Meldungen von CEO, Finanzchefs, Kader, exekutiven, aber auch unabhängigen Verwaltungsräten und anderen Aktionären im Verwaltungsrat. Sie alle verfügen über bevorzugte Informationen aus dem Innern der Unternehmen. Ihr Wissensvorsprung ist Gold wert. Und deshalb müssen deren Transaktionen mit den eigenen Aktien innerhalb weniger Tage publik gemacht werden.

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Aktienkäufe
Quelle: SIX/HZ

Nicht nur grosse Transaktionen

Der Trend ist eindeutig: Letztes Jahr verzeichneten die bei der SIX eingegangen Meldungen Höchststände. Im Wert von 3,18 Milliarden Franken kauften die Insider eigene Aktien, mehr als in den vergangenen Jahren. Und sie verkauften Papiere im Wert von 1,02 Milliarden Franken, weniger als 2018 und 2017.

Allerdings ist bei der Interpretation der absoluten Zahlen Vorsicht geboten. So ­fallen auch massive Kapitalerhöhungen wie jene etwa von Amag-Besitzer Martin Haefner beim Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach unter die Managementtransaktionen, da er im Verwaltungsrat sitzt.

Oder etwa der Verkauf des Logistikers Ceva an die französische Reederei CMA, da ­deren Vertreter ebenfalls im VR sass und so meldepflichtig wurde. Obschon meldepflichtig, gelten solche Mammut-Trans­aktionen aber landläufig nicht als Ausdruck der persönlichen Geschäftstätigkeit der Insider. Zu viele andere Akteure haben bei solchen Deals die Hände im Spiel.

Doch auch wenn man die grössten Transaktionen herausfiltert und nur solche mit einem Wert unter 15 Millionen Franken berücksichtigt – wie in den Grafiken oben –, zeigt sich das gleiche Bild. Es ändert sich auch nicht, wenn man ausschliesslich Transaktionen mit einem Wert von unter 1 Million Franken analysiert, um noch stärker auf die Masse und weniger auf die grossen Fische zu fokussieren. Der Trend bleibt der gleiche.

Reger Handel im Frühling

Die Auswertung bringt andere Auf­fälligkeiten zum Vorschein. Demnach herrscht im Frühling Hochkonjunktur, was den Handel mit eigenen Aktien angeht. Mit Abstand am meisten Wertpapiere werden im Februar abgestossen. Im März dagegen am meisten gekauft. Das dürfte mit den Zeitfenstern zusammenhängen, in denen die Manager im Umfeld des Jahres­abschlusses handeln dürfen und allenfalls Boni in Aktien erhalten und solche ver­kaufen. Im Durchschnitt gibt es vierzig ­Insidertransaktionen pro Börsentag.

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Während die Insider bei einigen Firmen nur selten handelten, waren andere enorm aktiv. Am meisten Verkaufstrans­aktionen gab es bei der Beteiligungsfirma Nebag, am meisten Kaufmeldungen bei Edisun Power Europe.

Firmenpatron Alfred N. Schindler

Alfred Schindler: Der frühere Chef und heutige Verwaltungsrat trennte sich im Dezember von einem Paket Partizipationsscheinen beim Lifthersteller Schindler. Wert: 10,9 Millionen Franken.

Quelle: Neue Luzerner Zeitung