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Alumni-Netzwerk: Kontakt mit Folgen

Januar 2010: Bundesrätin Leuthard präsentiert den Weiterbildungsbericht in der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur.

Absolventen treffen sich nur sekundär zum geselligen Zusammensein. Im Fokus steht für jeden einzelnen Ehemaligen der direkte Nutzen, um beruflich weiterzukommen.

Von Claudio Moro
am 29.08.2012

Es war ein Morgen wie andere auch. Peter Meier las seine eingegangenen E-Mails, sichtete anstehende Auf­gaben und trank gleichzeitig den zweiten Espresso. Nur, dieser Morgen war doch anders. Der junge Informatiker einer Schweizer Fachhochschule (FH) hatte ­gerade zwei Alumni-Kollegen um Rat für seine nächste Weiterbildung angefragt.

Beide hatte er bei einem Ehemaligen-­Treffen kennengelernt. Beide über zehn Jahre älter als er selbst. Beide mit mehr Praxis, mehr Erfahrung, mehr Überblick und viel Sachverständnis. Jetzt war Meier gespannt, was sie ihm raten würden.

Fachübergreifende Kontaktbörse

Alumni-Netzwerke dienen der Pflege von Kontakten – und zwar von Kontakten, die im beruflichen Alltag wichtig sein ­können. «Doch nicht nur», wendet Toni Schmid umgehend ein. Er ist Geschäftsführer der FH Schweiz, des Dachverbands der Absolventen von Fachhochschulen mit mehr als 41 000 Mitgliedern, und kennt die Feinmechanik von Ehemaligen-Organisationen wie kaum ein Zweiter.

Eine gute Beziehung zu Studienkol­legen, Dozierenden, Hochschulmitarbeitenden oder Absolventen kann schon während der Aus- und/oder Weiterbildung wichtig sein. Das ist eine Binsenwahrheit. «Das geht dann nahtlos weiter. Nach dem Studium können Kontakte zu anderen Absolventen immer wieder Früchte tragen», sagt Schmid. Und eben auch über den beruflichen Rahmen hinaus. «Vielleicht suchen sie aus privaten Gründen eine Psychologin oder einen Übersetzer. Dank der fachübergreifenden Vernetzung im FH-Umfeld ist eine Kontaktaufnahme relativ einfach möglich.»

Überdies bleibe man über die Alumni-Netzwerke mit der eigenen Hochschule in regelmässigem Kontakt, so Schmid weiter. «Man denke nur an den Know-how-­Aus­tausch, an Fachveranstaltungen, an Kontakte zu Studierenden, Dozierenden und Forschern. Oder an Projekte, die für die Arbeit interessant sein könnten.» Der ­Austausch von Wissen, Erfahrung und Kontakten, so das Fazit, ist Kernelement jeder Ehemaligen-Organisation.

Ein zweiter wichtiger Pfeiler kreist um Dienstleistungen. «Hier sprechen wir von Vorzugsleistungen, die den Mitgliedern der Alumni-Netzwerke geboten werden», erklärt Toni Schmid von FH Schweiz. Das geht von Vergünstigungen bei Versicherungen und Karriereberatungen über ­Rabatte bei Sprachkursen bis zu exklusiven Angeboten aus dem Freizeitbereich. «Wer umsichtig auswählt, kann sein Budget um einige hundert Franken pro Jahr entlasten. Der Mitgliedsbeitrag zur Ehemaligen-Organisation ist damit rasch ­abgedeckt», sagt Schmid. Wer beispielsweise das Jahresabonnement seiner Tages­zeitung oder eines Magazins über sein Alumni-Netzwerk bestellt, kann bis zu 100 Franken sparen.

Doch auch in einem anderen Feld sind zumindest die Ehemaligen-Organisationen von Fachhochschulen (FH) rege tätig. «Ein zentraler und äusserst wichtiger Aufgabenbereich der FH Schweiz ist die Interessenvertretung in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft», erläutert Schmid. «Jeder Absolvent kann davon ausgehen, dass sich sein Alumni-Netzwerk, sofern dieses bei der FH Schweiz Mitglied ist, für das FH-Profil, den Berufsstand und die entsprechenden Titel einsetzt.»

Auch politische Interessen wahren

In diesem Feld der Ehemaligen-­Betreuung werden Risiken, Chancen und Herausforderungen von bildungspoli­tischen Entwicklungen beobachtet und ausgelotet. «Das bedingt eine professionelle Herangehensweise. Und dies können wir als Dachverband garantieren.» Als Beispiel nennt Schmid die kürzlich durchgesetzte Beibehaltung der eidgenössischen Anerkennung von Master-Studiengängen der Weiterbildung von Fachhochschulen. «Die FH Schweiz hat sich hierfür auf Bundesebene starkgemacht und gezielt eingesetzt. Und dies mit Erfolg.»

Absolventen stellen für jedes Aus- und Weiterbildungsinstitut eine äusserst wichtige Ansprechgruppe dar. «Ehemalige sind Botschafter und Imageträger der Hochschule», macht Schmid deutlich. «Sie ­stehen unter anderem für die Qualität der erfahrenen Aus- oder Weiterbildung.» Was so viel heisst wie: Eine Hochschule fundiert ihre Identität gerade auch über ihre Ehemaligen. Bewähren sich die Absolventen in der Praxis, wirft dies ein gleis­sendes Licht auf die absolvierten Kurse; krebsen sie dagegen etwas lethargisch im Mittelfeld herum, spricht das nicht wirklich für das erreichte Kompetenzprofil.

«Es ist darum nur folgerichtig, wenn die Hochschulen den Austausch mit ihren Absolventen über ein Alumni-Netzwerk suchen, fördern und pflegen», sagt Toni Schmid. Zudem schlagen Ehemalige eine starke Brücke zur Aussenwelt. «Absolventen stehen in der Praxis. Dies kann für Transferleistungen in vielen Bereichen oder für spezifische Fundraising-Aktivitäten von entscheidender Bedeutung sein», so der Geschäftsführer der FH Schweiz.

Doch zurück zu Peter Meier. Der erste Alumni-Kollege meldete sich noch am ­selben Tag. Der zweite einige Tage später. Beide raten von einer sofortigen Weiterbildung ab. Er solle, so der Ratschlag der ­Erfahrenen, vorerst einmal viel Praxis­erfahrung sammeln. Im letzten Satz derE-Mail forderte einer der beiden Meier ­sogar auf, bei ihm vorbeizuschauen. Der junge FH-Informatiker könne diese Erfahrung allenfalls gleich bei ihm machen. Er suche ständig talentierte Mitarbeiter und ein Wechsel in ein neues Umfeld sei immer förderlich für die eigene Entwicklung und Persönlichkeit. Jener Morgen war für Meier doch sehr anders.

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