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Karriere
Zwei Ex-Banker wollen Inspirationsquelle sein

Youtube: Video erobert die Welt, spielt bei der Jobsuche aber (noch) keine Rolle.  Keystone

Eine neue Schweizer Internetplattform will Suchende mit ihrem Traumjob zusammenbringen. Sie richtet sich an junge Menschen an der Schwelle zum Berufseinstieg oder hilft bei einer Neuorientierung.

Von Alice Baumann und Alexander Weiss
am 03.12.2014

Was verbindet nationale «Promis» wie Polo ­Hofer, (Mundartrock-Urgestein), Gregory Knie (Zirkusproduzent), Beki Probst (Kinoexpertin) Dominique Rinderknecht (Miss Schweiz 2013) und Pierin Vincenz (Raiffeisen-Chef) miteinander? Auf den ersten Blick nichts. Doch diese exemplarisch ausgewählten fünf Persönlichkeiten teilen ihre lange ­Berufs- und Karriereerfahrung mit den Besuchern der neuen Internetplattform CareerInsights.ch. In kurzen Video­sequenzen erzählen sie von der Faszination ihrer Jobs, die aber eher Berufungen zu sein scheinen. Denn wie Gregory Knie nach über zehn Jahren Zirkustätigkeit im Film sagt: «Es macht immer noch Spass.»

Das Anfang Jahr gegründete Start-up CareerInsights hat sich spezialisiert auf die Recherche und die Realisation emo­tionaler Videoporträts und Jobvideos. Letzten Juni wurde das Angebot live geschaltet. Es richtet sich einerseits an junge Menschen am Beginn ihrer beruflichen Karriere. Anderseits versuchen die zwei ehemaligen Banker Mark Heiler und ­Patrick Cettier, mit ihrem Unternehmenskonzept auch Berufserfahrene im Prozess der Stellensuche zu erreichen.

Firmen exponieren sich

Firmen, Verbände und Bildungsinstitute als Arbeitgeber gehören ebenso zu den Zielgruppen der zehn Personen, die sich in Vollzeit und Teilzeit für das Start-up CareerInsights engagieren. Neue Beiträge werden wöchentlich, manchmal sogar täglich hochgeladen. «In ­unserem ersten Jahr werden wir rund 300 Interviews geführt haben. Wir rechnen damit, dass es in Zukunft eher 500 bis 1000 Interviews pro Jahr sein werden», erklärt Co-Gründer ­Patrick Cettier.

Die noch junge Plattform verzeichnet ihm zufolge «mehrere Tausend Besucher pro Monat». Diese Rate soll noch kräftig ansteigen. «Wir wünschen uns eine stetig grössere Community», sagt Cettier. Wie soll das geschehen? «Mit immer mehr spannenden Inhalten, Auftritten von beeindruckenden Persönlichkeiten, Firmen, die uns unterstützen, und Partnern, die mit uns arbeiten wollen.»

Als Beispiel wichtiger neuer Koopera­tionspartner nennen die Betreiber die ­Zusammenarbeit mit students.ch, dem grössten OnlinePortal für Studierende in der Schweiz. «Mit dieser Allianz können unsere Inhalte zwei Drittel aller Studierenden in der Schweiz erreichen.»

«Inspirationsquelle und Orientierungshilfe»

Die Partnerschaft könnte eine Strategieänderung bedeuten. Doch dies stellt Co-Gründer Mark Heiler in Abrede: «Die Grundidee ist seit unserem Anfang dieselbe. Wir wollen mit unseren Videointerviews Inspirationsquelle und Orientierungshilfe sein für junge Menschen und Quereinsteiger bei der Wahl ihrer Ausbildung und ihres beruf­lichen Werdegangs. Gleichzeitig bieten wir Unternehmen anhand von Videos ein interessantes Format: Auf unserer Plattform können sie mit potenziellen Bewerbern und anderen Interessenten kommunizieren und somit ihren Erfolg in der Personalrekrutierung und im Employer Branding erhöhen.»

CareerInsights unterscheidet zwei Filmarten: Videoporträts stellen ein Unter­nehmen vor. Jobvideos umfassen mehrere ­Filme zu einer Firma. Dieses Konzept passt zum Megatrend Video: «YouTube ist die zweitgrösste Suchmaschine der Welt. Das zeigt, dass Video enorm an Wichtigkeit und Popularität gewonnen hat. Die junge Generation – und damit meinen wir die 14- bis 30-Jährigen – informiert sich so. Aus unserer Erfahrung verstehen junge Talente am besten, worum es in einem Job geht, wenn man Menschen und ihre Tätigkeiten filmt.» Heiler und sein Umfeld sind nicht nur Strategen, sie führen die ­Interviews möglichst selbst. «Das macht viel Spass. Denn wir lernen bei jedem ­Gespräch einen Menschen und seine Lebensgeschichte besser kennen.»

Blick hinter die Kulissen

Wer verkörpert denn eine Firma am besten? «In der Regel stellen wir Schlüsselpositionen in einem Unternehmen vor. Wir interviewen aber auch Mitarbeitende, in deren Bereich eine konkrete Position zu besetzen ist.» Die Atmosphäre der Videos sei stets freundlich und partnerschaftlich. Dementsprechend authentisch seien auch die Antworten der Interviewten. Trotzdem komme es nicht vor, dass ein Unternehmen seinen Mitarbeitenden verbiete, offen zu reden.

Also gibt es keine kritischen Fragen zu einer Firma? «Doch, wir fragen in jedem Interview nach Einschränkungen, die der Job mit sich bringt. Auf diese Frage wollen wir selbstverständlich eine ehrliche Meinung hören», sagt Cettier. Eine ­Internetplattform lebt von ihrer Akzeptanz­ im Markt. Der Jungunternehmer weiss, welche Videos besonders beliebt sind. Diese Zahlen werden aber nicht veröffentlicht, da jedes Interview gleich wichtig sein soll. Ein möglicher Nutzen für Unternehmen und Stellensuchende kann sein, dass die Bewerber dank den Videos besser vorbereitet ins Vorstellungsgespräch gehen. Eine klassische Win-win-Situation.

Mit diesem Nutzen hat auch die Motivation zur Gründung dieses Startups zu tun. Cettier erklärt: «Als wir jung waren, haben wir selbst die Erfahrung gemacht, dass es sehr schwierig ist, sich im Stellenmarkt zu orientieren. Am nützlichsten bei Entscheidungen waren für uns Vorbilder – Menschen, die Erfolg hatten.» Mit den heutigen technischen Möglichkeiten und der Offenheit der Interview­partner sei es möglich geworden, positive Erfahrungen allen Interessierten zur Verfügung zu stellen. «Wir wollen junge Talente inspirieren, ihren eigenen Weg zu gehen. Dies möchten wir mit unserem Startup erreichen.»

Die Dienstleistungen von Career­Insights werden von Grosskunden wie Raiffeisen, SV Group, DeinDeal, Brack.ch oder TAG Heuer finanziert. Für diese Unternehmen wird eine Serie von Interviews produziert. Ein anderer Teil der Interviews wird unentgeltlich erstellt.

Nicht ganz einzigartig

Über Umsatz und Ertrag geben die Betreiber nichts bekannt. Allfällige Gewinne werden in die Weiterentwicklung der Plattform investiert. Bekannt ist, dass sich die Schweizer Jungunternehmer von der österreichischen Konkurrenz whatchado inspirieren liessen. Nun stehen sie mit dieser im Wettbewerb. Diese Faszination geht so weit, dass die beiden Plattformen fast identisch aussehen.

Laut Heiler ist es entscheidend für die Abgrenzung, dass auf CareerInsights.ch die Inhalte einzigartig sind und es immer sein sollen: «Unsere Schweizer Interviewpartner und Firmen sind nur bei uns zu finden. Hinzu kommt unsere Zusammenarbeit mit students.ch, die uns anders positioniert. Zudem werden wir das Angebot auf unserer Plattform durch neue Inhalte, Videoformate und Funk­tionen erweitern.»

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