Nach dem Zusammenbruch der Silicon Valley Bank ist die Gefahr eines Bank-Runs in aller Munde. Alle Augen sind nun auf die Credit Suisse gerichtet. Dabei hat die Grossbank einen Bank-Run schon hinter sich. Im vierten Quartal zogen Kundinnen und Kunden über 100 Milliarden Franken ab. Und die Bank steht immer noch. 

Aktuell droht nun aber eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Die Unruhe nährt sich selbst und schlägt in Panik an den Märkten um. Wenn jetzt erneut die Kundinnen und Kunden nervös werden und weitere Milliarden von der CS abziehen, droht es wirklich eng zu werden. 

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Die Absicherungskosten für den Ausfall von CS-Anleihen klettern von Rekord zu Rekord. Das zieht wie Blei am Aktienkurs. Geradezu fatal und unverantwortlich handelt nun der neue Grossaktionär, die Saudi National Bank. In Riad hat man offenbar nicht begriffen, wie ernst die Lage ist. 

Kein Grund für eine Staatsrettung

Anders ist es nicht zu erklären, dass der Präsident der Bank, Ammar Al Khudairy, auf einer Finanzkonferenz herausposaunt, er würde kein neues Geld mehr in die CS stecken. Das hat eine Verkaufswelle an den Märkten ausgelöst und die Panik alimentiert. Dass sich der Mann auch positiv zur CS geäussert hat und der Grossbank Solidität attestiert, geht im allgemeinen Geschrei unter.

Ausser den missglückten Äusserungen gab es am Mittwoch zum Stand der CS nichts Neues. Doch das reichte aus, um die Aktie um 24 Prozent einbrechen zu lassen. Angesichts dieser Panik ist es gerechtfertigt, dass die Schweizerische Nationalbank und die Finma verbal eingreifen. Die Liquiditätshilfe der SNB sind streng genommen noch keine Extra-Staatshilfe für die CS, denn das Liquiditätsprogramm steht im Krisenfall allen Banken zu.

Wichtiger als solche Details ist das Signal: Die Schweiz lässt die CS nicht im Stich. Bleibt zu hoffen, dass diese Intervention ausreicht, um die Gemüter zu beruhigen. Sollte eine Staatsbeteiligung am Ende nötig werden, um die CS vor dem Zusammenbruch zu bewahren, würde das am Ende heissen, dass über zehn Jahre verschärfte Bankenregulierung für die Katz waren. Denn deren Ziel ist ja, dass der Staat auch bei einer Schieflage nicht mehr einspringen muss. 

Fusion mit UBS ist keine Lösung

Als Ausweg aus der Malaise wird immer wieder eine Fusion mit der UBS kolportiert. Doch diese würde die Probleme nicht lösen, sondern nur vergrössern. Solch eine Elefantenhochzeit würde die UBS auf Jahre hinaus lahmlegen, daher hat die UBS-Führung so gar keine Lust auf ein solches Manöver. Zudem droht der Vertrauensverlust, unter dem die CS leidet, auf die UBS überzuspringen. 

Wenn alle etwas mehr Besonnenheit zeigen, kann die CS die Wende schaffen. Die Strategie der Bank hat einige Mängel, wie offene Fragen zur Abspaltung der CS First Boston. Sie sind aber sicher kein Grund, einen Kollaps herbeizuschreiben. Der Fall der CS ist mit dem der kollabierten US-Bank nicht vergleichbar. Das grösste Manko der CS ist derzeit das mangelnde Vertrauen. Um das wiederherzustellen, muss der negative Nachrichtenstrom endlich abreissen.