Person: Simon Evenett

Seine wissenschaftliche Vita ist beeindruckend: Ökonomiestudium in Cambridge, Promotion in Yale, und als Professor war er unter anderem in Oxford tätig. Seit 2005 amtet Simon Evenett (50) nun als Professor für internationalen Handel und ökonomische Entwicklung an der Universität St. Gallen. Der gebürtige Londoner ist aber kein Wissenschaftler, der aus dem Elfenbeinturm heraus agiert. «Ich gehe gerne in die Welt hinaus und sammle praktische Erfahrung», sagt er. So arbeitete er beispielsweise zwischen 1998 und 2001 in zwei Mandaten für die Weltbank. Sein Schwerpunkt gilt allerdings dem Welthandel. So entwickelte er vor über zehn Jahren in St. Gallen die Datenbank Global Trade Alert.

Produkt: Global Trade Alert

Der Global Trade Alert entstand, als die Finanzkrise eingeschlagen hatte und die Angst bestand, dass Regierungen die Zölle rapide hochfahren und eine protektionistische Welle die Wirtschaft überrollen würde. So weit kam es nicht, doch seit November 2008 fungiert der Alert als grösste Datenbank zu Protektionismus. Er berichtet via die gleichnamige Website aktuell über staatliche Massnahmen, die den Handel einschränken. Geführt wird er unter Evenetts Leitung von einem zehnköpfigen Team, das zur Hälfte in St. Gallen ansässig, zur anderen weltweit verstreut ist. «Wir wollen eine vertrauenswürdige und unabhängige Quelle sein für die globale Handelspolitik, für Unternehmen, Analysten, Medien, Universitäten und Regierungsvertreter.»

Potenzial: Grosse Nachfrage nach Informationen

Die Nachfrage nach Informationen zu allfälligen Handelshemmnissen sei gross, sagt Evenett. Das zeigen die Erwähnungen in Berichten etwa von Boston Consulting, Deloitte, Economiesuisse, der OECD oder der EZB. Aber auch «Wall Street Journal», «Financial Times», «Reuters» bis hin zu «China Daily» verwiesen in über 670 Artikeln darauf. Das grösste Potenzial sieht Evenett darin, dank dem Alert künftige globale Handelsgespräche zu beeinflussen. Zudem will er die Nutzung der Datenbank durch Finanzdienstleister ausbauen.

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