Die Expat-Kultur ist weltweit im Wandel. Während früher die Entsendung in ein fernes Land zu den Karriereboostern schlechthin gehörte, bekommt der Auslandaufenthalt durch Corona und Flugscham ein immer schlechteres Image. Pendeln per Flugzeug ist sozial immer weniger akzeptiert, Einreisesperren und Lockdown-Regimes machen den Auslandaufenthalt zum Risiko-­Lebensstil.

Ganz verzichten auf die Auslandkarriere lässt sich aber doch nicht – und so versuchen viele, die ins Ausland wollen oder müssen, den Aufenthalt zumindest möglichst nachhaltig und wenig umweltschädlich zu gestalten. Das behauptet zumindest das Expat-Netzwerk Internations, das nun in einer Umfrage unter seinen Mitgliedern jene Länder ermittelt hat, in denen ein nachhaltiges Leben im Ausland am ehesten möglich ist. Besonders für die Klimajugend, die langsam in die Firmen einsteigen dürfte, könnte dieser Überblick interessant sein.

Mainstream oder Einzelgänger

Die Ergebnisse, die auf Daten aus der Studie «Expat Insider 2020» beruhen, zeigen, dass Finnland, Schweden, Norwegen, Österreich und die Schweiz in Bezug auf Nachhaltigkeit weltweit führend sind. Am unteren Ende der Rangliste erzielen Indien, Kuwait, Ägypten, Indonesien und Vietnam die schlechtesten Bewertungen für ein nachhaltiges Leben im Ausland. Die Schweiz liegt auf Platz fünf von sechzig.

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Und was begünstigt einen nachhal­tigen Lebensstil als Arbeitnehmerin oder -nehmer im Ausland ganz konkret? Um die weltweit besten und schlechtesten Länder für ein nachhaltiges Leben im Ausland zu ermitteln, wurden die Teilnehmenden der «Expat Insider 2020»-Umfrage gebeten, ihre persön­liche Zufriedenheit mit folgenden Faktoren auf einer Skala von eins bis sieben zu bewerten: Luftqualität, Natur und Umwelt, Wasser und Abwasseraufbereitung, Verfügbarkeit von grünen Waren und Dienstleistungen, Energieversorgung sowie lokale Infrastruktur für Abfallwirtschaft und Recycling.

Die Bewertungsfaktoren beinhalten auch die Einschätzung der Studienteilnehmenden dazu, wie sehr sich die Regierung des Gastlandes für eine umweltfreundliche Politik einsetzt und wie sehr sich die einheimische Bevölkerung für umweltpolitische Belange interessiert. Also ob man mit seinem Wunsch nach Nachhaltigkeit in einem Land alleine oder Mainstream ist.

Um in das Environment & Sustainability Ranking aufgenommen zu werden, musste ein Land eine Stichprobe mit einer Mindestanzahl von 75 Teilnehmenden aufweisen. 2020 erfüllten sechzig Länder und Territorien diese Anforderung. Insgesamt nahmen mehr als 15'000 Expats an der Umfrage teil; sie leben in 181 Ländern und Territo­rien weltweit und repräsentieren insgesamt 173 Nationalitäten.

Schweiz besonders grün

Wenn «grüne» Faktoren für die Auslandkarriere in den nächsten Jahren wichtiger werden, hat die Schweiz jedenfalls ausgezeichnete Karten: Wie auch das Nachbarland Österreich (vierter Platz) schafft es die Schweiz bei allen Bewertungsfaktoren des Rankings in die Top Ten weltweit.

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Beim Faktor Natur und Umwelt liegt sie sogar auf dem ersten Platz und erhält fast ausschliesslich positive Bewertungen (98 Prozent vs. 82 Prozent weltweit): Ganze 82 Prozent der Befragten geben an, dass sie mit diesem Faktor rundum zufrieden sind.

Podcast: Diese Firma kümmert sich um die Expats

Nest Temporary sorgt dafür, dass sich Expats in der Schweiz schnell zuhause fühlen - und nimmt damit Konzernen Arbeit ab.

Hier gehts zu allen Podcasts der Serie «upbeat».

Die überwiegende Mehrheit der Expats in der Schweiz ist mit den Faktoren Wasser und Abwasseraufbereitung (95 Prozent vs. 72 Prozent weltweit) und Luftqualität (91 Prozent vs. 62 Prozent weltweit) ebenfalls zufrieden. Daraus ergibt sich in der Unterkategorie Umweltqualität für die Schweiz der dritte Platz von sechzig, gleich nach Finnland (Platz eins) und Norwegen (Platz zwei).

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Schöne Natur und saubere Luft

Ein Expat aus den USA, der zurzeit in Zug lebt, lobt vor allem die «wunderschöne Natur, die man so leicht erreichen kann». Eine Umfrageteilnehmerin aus Malaysia in Genf beschreibt die «Parks, Seen und saubere Luft» als Vorteile des Expat-Lebens in der Schweiz.

Auch in der Unterkategorie Produkte und Dienstleistungen schneidet die Schweiz gut ab (Rang sechs): Fast neun von zehn Expats (88 Prozent) bewerten die Energieversorgung positiv (vs. 62 Prozent weltweit) und 83 Prozent sind mit der Verfügbarkeit von grünen Waren und Dienstleistungen zufrieden (vs. 83 Prozent weltweit).

In der Unterkategorie ­Politik und Öffentlichkeit erzielt die Schweiz ihr im Vergleich schlechtestes Ergebnis – was bedeutet, dass sie immer noch einen guten siebten Platz belegt. Genau fünf von sechs ­Expats (83 Prozent) sind etwa der Meinung, dass sich die Schweizer Regierung für umweltpolitische Belange einsetzt – deutlich mehr als der weltweite Durchschnitt von 55 Prozent. Eine Perspektive hat die Studie leider nicht analysiert, nämlich inwiefern die Firmen vor Ort den grünen Lebensstil befördern, zum Beispiel durch Fahrräder oder gesunde Mensaküche.

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Weshalb Expats oft unnötiger Luxus sind

Das Mercer-Ranking der teuersten Städte für entsandte Arbeitnehmende verrät vor allem eines – die abgehobene Lebensweise der Konzern-Nomaden. Den Kommentar lesen Sie hier.