Es hat nicht Corona gebraucht, um die Bedeutung von Pharmaforschern zu unterstreichen. Aber wohl noch nie hat die globale Öffentlichkeit die Forschung an Medikamenten, Impfstoffen und Therapiemethoden so atemlos und beinahe live verfolgt wie in den letzten Wochen.

Minimale Fortschritte von Wissenschaftern wurden zu grossen Schlagzeilen, jede Neuigkeit bei der Anwendung eines Test- oder Therapie­verfahrens wurde breit dis­kutiert.

Weniger bekannt sind die unzähligen und zum Teil hoch bezahlten Rollen, die täglich die Forschung bei ­Corona und allen anderen Krankheiten vorantreiben. Zwar wissen viele, was Roche-Chef Severin Schwan (11,5 Millionen Franken 2019) oder Novartis-CEO Vas Narasimhan (10,6 Millionen Franken 2019) bezieht. Die Salärspannen des «Fussvolks» im Pharmabereich sind den meisten aber ­weniger geläufig.

Sales-Angestellte am schlechtesten bezahlt

Eine Auswertung von Lohndaten von Schweizer Pharmafirmen durch die Rekrutierungsfirma Page Group zeigt nun umfassend, wie viel in der Schweizer Pharmawelt verdient wird. Dafür wurden knapp neunzig Jobfunktionen in allen relevanten Schweizer Pharma­firmen ausgewertet.

Chief Medical Officer erhalten je nach Firmengrösse und Standort 350'000 bis 480'000 Franken. Der Chef eines Produktlaunchs, etwa wenn ein neues Medikament auf den Markt kommt, erhält zwischen 220 000 und 320 000 Franken.

Ein sogenannter Global Scientific Director, also jemand, der die weltweite Forschung beaufsichtigt und vorantreibt, wird mit 230'000 bis 300'000 Franken vergütet. Ein Global Clinical Leader, der klinische Studien weltweit beaufsichtigt, bewegt sich ebenfalls zwischen 230'000 und 300'000 Franken. Auch ein Medical Director oder ein Medical Affairs Director springt locker über 200'000 Franken.

Die am schlechtesten bezahlten Rollen in der Branche sind Sales-Angestellte in den ersten Berufsjahren; sie steigen mit 90'000 Franken ein und kommen maximal auf 140'000. Auch Medical Writer, die etwa Studienberichte für Aufsichtsbehörden verfassen, erhalten «nur» 80'000 bis 110'000 Franken.

Assistenten bei klinischen Studien müssen sich mit 70'000 bis 10' 000 Franken begnügen; Techniker, die beispielsweise ein Labor für Studien vorbereiten und ausstatten, gar nur mit 65'000 bis 90'000 Franken.

Nicht nur die grossen Player wie Novartis und Roche

Auffällig bei der Analyse der Lohndaten: Die unglaubliche Fülle an Jobtiteln, die für den Laien teilweise kaum verständlich sind. Etwa der Pharmacovigilance Manager, der die Nebenwirkungen von Medikamenten kontrolliert.

«Es ist typisch für die Pharmaindustrie, dass wir eine sehr grosse Vielzahl von Jobtiteln und Funktionen haben. Dies liegt an den vielfältigen Aufgaben und Funktionen, die etwa bei der Lancierung eines Medikaments anfallen, man denke zum Beispiel an alle Legal-Aspekte», erklärt Louise Duerr, Healthcare und Life Science Partner bei Page Executive, einem Teil­bereich der Page Group.

Sie ist in der Branche bestens vernetzt und kennt alle relevanten Akteure. «Aber auch neue Trends wie die Digitalisierung und Big Data haben viele neue Rollen geschaffen.»

Duerr glaubt nicht, dass die Corona-­Krise die Löhne in der Pharmaindustrie noch weiter nach oben treiben wird. Dafür seien die Unternehmen zu langfristig ­orientiert. Im Rückblick betrachtet gab es bei der Entwicklung der Lohnzuwächse im Sektor in den Jahren 2016 bis 2018 eine kleine Stagnation.

2019 konnten die Experten der Page Group wieder deutlichere Lohnsteigerungen beobachten. Aber auch einzelne Teilbereiche in der Pharma­industrie haben unterschiedliche Lohnentwicklungen. So ist etwa im Bereich ­Onkologie ein besonders starker Anstieg der Saläre in den letzten Jahren zu beobachten.

Ein erfreulicher Faktor: Es sind in der Schweiz nicht nur die grossen Player wie Novartis und Roche, die mit grossen Gehaltspaketen in der Lage sind, Talente anzuziehen. Genauso seien sehr viel kleinere Firmen und sogar Startups in der Lage, vergleichbar hohe Löhne zu bezahlen und langfristige Perspektiven zu ­bieten.

Tatsächlich spielen die Finanzierungsrunden von Startups im Pharmabereich in einer ganz eigenen Liga. Ebenfalls erfreulich: Die Schweiz steht bei der Höhe der Löhne weltweit ganz oben, analysiert Duerr. Nur die USA könnten mit den Schweizer Löhnen mithalten. «Aber auch manche Positionen in Deutschland erreichen das Level», so die Pharmaexpertin.

Innere Motivation ausschlaggebend

Als reines Schlaraffenland würde Duerr die Pharmabranche aber dennoch nicht bezeichnen: «In dieser Industrie sind hoch qualifizierte, topmotivierte Personen gefragt. Viele sind bereit, sehr viel zu arbeiten, da sie ihrer innersten Motivation folgen können.»

In entscheidenden Phasen der Produktentwicklung und -einführung ist der Druck zudem extrem hoch. Meist stecken aussergewöhnlich hohe Kosten in der Entwicklung eines Medi­kaments.

Zudem sei Geld in dieser Industrie bei weitem nicht der einzige Motivator. Die meisten in der Branche seien davon angetrieben, dass sie einen grossen Unterscheid im Leben von Menschen machen können und schlussendlich Leben retten.

Diesem besonderen Mitarbeitertypus, der zwar gut bezahlt wird, aber gleichzeitig stark idealistisch getrieben ist, gerecht zu werden, ist für alle Pharmaunternehmen eine Herausforderung.

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