Wer seinen Arbeitgeber belügt, muss mit dem Rauswurf rechnen. Dementsprechend zurückhaltend dürften die meisten sein, wenn es darum geht, dem Chef falsche Tatsachen vorzuspielen. Vor der Anstellung, also bei der Einreichung von CV und dem Bewerbungsgespräch nehmen es einige Schweizerinnen und Schweizer mit der Wahrheit aber nicht ganz so genau.

Von 3.311 Bewerbungsdossiers, die von der Westschweizer Firma Aequivalent auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft wurden, wiesen acht Prozent handfeste Lügen auf. Bei 47 Prozent der Dossiers gibt es Auffälligkeiten, beispielsweise stark übertriebene Berufserfahrung, eine nicht abgeschlossene Ausbildung oder die Verweigerung der Kandidaten, einen Fakt aus dem Lebenslauf überprüfen zu lassen.

Bei der Ausbildung wird sehr viel erfunden

Nur bei 45 Prozent der überprüften Dossiers gab es überhaupt nichts zu beanstanden und alle Fakten, die im Lebenslauf genannt wurden, entsprechen auch nach einem Screening der Wahrheit.

Keine Hemmung kennen viele beim Thema Weiterbildung: «28 Prozent der im Lebenslauf erwähnten Ausbildungen erwiesen sich als nach wie vor andauernd, abgebrochen oder auf einem niedrigeren Level als angegeben, abgeschlossen», sagt Michael Platen, Chef der Analysefirma Aequivalent mit Sitz in Yverdon-les-Bains.

Besonders aufgebauscht wird bei vielen die Arbeitserfahrung. Da wird aus einer Mitarbeit bei einem Projekt schon mal die Projektleitung, aus einem Teamleiter wird ein Abteilungsleiter und eine Kündigung wird zur Beförderung umgedichtet.

Deutsche und Österreicher sind ehrlicher

Auffällig in der diesjährigen Analyse: Romands lügen etwas mehr bei der Bewerbung als Deutschschweizer. Dieses Verhältnis wurde 2019 erstmals analysiert. Bei den Deutschschweizern haben fünf Prozent einen Fakt im Lebenslauf komplett erfunden, bei den französischsprachigen Landsleuten waren es acht Prozent, so Aequivalent-Chef Platen.

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Die Statistik für 2019 bestätigt einmal mehr, dass Arbeitnehmer mit deutscher oder österreichischer Staatsangehörigkeit in ihren Erklärungen am ehrlichsten sind, so das Screeningunternehmen. Britische und US-amerikanische Arbeitnehmer weisen im Allgemeinen mehr Verdachtsmomente oder Unstimmigkeiten als ihre europäischen Kollegen auf.

Wenig Zurückhaltung in sozialen Netzwerken

Karriereschädlich ist bei vielen auch das Verhalten in sozialen Netzwerken. 2019 veröffentlichten 53 Prozent der überprüften Personen fragwürdige Inhalte im Internet. Darunter fallen etwa ein gefakter Lebenslauf, die Offenlegung vertraulicher Informationen, homophobe oder rassistische Äusserungen sowie wiederholte Anspielungen auf Gewalt, Nacktheit, Alkohol oder Drogen. Dies ist ein signifikanter Anstieg gegenüber 2018 (37 Prozent).

Der Grossteil der analysierten Profile kommt aus der Bankbranche, der Rest ist ein Abbild der Schweizer Wirtschaft mit den Bereichen Versicherungen, Handel, NGOs, Luxusbranche, IT, Technologie und Bildungswesen. Die Integritätsstatistik zu Schweizer Bewerbungsdossiers wird seit zwei Jahren von der Firma Aequivalent herausgegeben.