Jeder dritte europäische CEO verzichtet auf oder spendet derzeit einen Teil der Vergütung. Doch nicht nur deswegen sinken die Spitzenlöhne in diesem Jahr – gerade die variablen, oftmals aktienbasierten Vergütungen sinken. Das zeigt eine Auswertung der Unternehmensberatung HKP Group. Die coronabedingten Einbussen werden die Chefs in der Konsumgüterindustrie am ehesten spüren, prognostizieren die Vergütungsexperten.

Noch vor einem Jahr konnten sich die Topmanager über satte Gehälter freuen: 6 Millionen Euro verdienten die CEOs der im Stoxx-Index kotierten Unternehmen durchschnittlich. Den Spitzenlohn erzielte mit 16,5 Millionen Euro Linde-Chef Stephen Angel. Mit Severin Schwan (13 Millionen) und Sergio Ermotti (11 Millionen) folgen zwei Schweizer CEOs auf Platz zwei und drei. 

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Nach Ländern liegt die Schweiz allerdings weiter an der Spitze, vor allem bei den Verwaltungsräten. In keinem anderen europäischen Land verdient ein VR-Chef so viel wie UBS-Präsident Axel Weber mit 4,4 Millionen Euro. Gleich dahinter folgen die Präsidenten von Roche, Novartis und Nestlé.

Was die Branchen betrifft, zahlt die Pharmaindustrie ihren Top-Leuten die höchsten Löhne. Während die Spitzengehälter im Finanzsektor etwas tiefer ausfallen, sind sie sichererer: Die Branche zahlt den höchsten Anteil an fixer Vergütung

Gemessen an den Löhnen der US-Spitzenmanager sind die hiesigen Vergütungen allerdings geradezu bescheiden: In den USA verdient ein CEO durchschnittlich das Dreifache seiner europäischen Amtskollegen. 

Schweizer Manager kommen unter Druck

In der Schweiz haben wegen der Corona-Krise erst wenige Manager auf Einkommen verzichtet. Doch Vergütungsexperte Michael Kramarsch glaubt, dass sie auch hierzulande unter Druck geraten werden. «Je grösser der wirtschaftliche Schaden durch Corona wird, desto weniger Erfolgsentschädigungen wird es geben und desto mehr Firmen werden der Führung den Lohn kürzen, oder die Führung wird diesen Verzicht selbst anbieten,» sagt er in einem Interview mit der NZZ am Sonntag

Der Gehaltsverzicht des Top-Managements in der Corona-Krise hat laut Kramarsch vor allem symbolischen Charakter, vor allem gegenüber den Mitarbeitern, ökonomisch sei es «ein Tropfen auf den heissen Stein». Und dennoch rechnet er damit, dass die Diskussion auch in der Schweiz aufkommen wird. 

(mlo)