«How’s work?», fragt Ester Perel am Anfang ihres Podcasts unschuldig. Und daraufhin schütten die Gesprächspartner ihr das Herz aus: Wie sie sich hintergangen fühlen von einem ­Kollegen, der kündigt, oder ausgenutzt von einem Chef, der sie nicht respektiert.

Perel nutzt diese ­Offenbarungen, um tief in den Seelen ihrer Gäste nach Antworten zu suchen.

Ratschläge für den Berufsalltag

Die Psychologin aus New York ist berühmt für ihre Bücher und Podcasts zur Paartherapie sowie ihre Ted Talks. Jetzt nutzt sie ihr Verständnis der menschlichen Belange auch für Ratschläge für den Berufsalltag: «Es sind die gleichen Konfliktpotenziale wie in romantischen Beziehungen, die uns im Berufsleben zu schaffen machen – Macht und Kontrolle, Nähe und Sorge, Respekt und Anerkennung.»

Podcasts zum Berufsleben werden beliebter – und insbesondere solche, die persönliche Ratschläge für die Karriere den Zuhörern mit auf den Weg geben. Manche Wirtschaft-Podcasts geben Einblick in eine sonst verschlossene Welt.

Der Linkedin-Gründer oder ein kultiger Professor

Man kann dem Linkedin-Gründer und Risikokapitalgeber Reid Hoffman zuhören, wie er Grössen des Silicon Valley wie etwa Netflix-CEO Reed Hastings zu ihren Erfolgsgeheimnissen befragt.

Der kultige Wharton-Professor Adam Grant klopft zum Mithören die menschliche Seite der Ökonomie ab. Aber auch deutschsprachige Angebote zum Thema Berufs­eben lohnen sich – das Angebot wird immer grösser.

«How’s work?» — Ester Perel

«Wir haben immer höhere Erwartungen an das, was unsere Arbeit uns geben soll», sagt ­Ester Perel. Sie begründet das mit der zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft und damit, dass traditionelle Institutionen wie Kirche und Familie nicht mehr den gleichen Stellenwert erfahren und uns deshalb der Halt fehlt.

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Ihre fünfzigminütigen Gespräche mit Klienten anzuhören, tut fast so gut, wie sich selbst auf die Couch zu legen. Perels Kunden packen aus über Unsicherheiten am Arbeitsplatz, Fehden zwischen Kollegen und die Angst, zurückgewiesen zu werden.

Und Perel scheut sich nicht, brutale Wahrheiten auszusprechen, die in ihrem leicht belgisch akzentuierten Englisch irgendwie doch einfühlsam daherkommen. Während Perels Podcast «Where should we ­begin» vor allem Frauen ansprach, hören bei «How’s work» eher Männer zu.

«Dear HBR» — «Harvard Business Review»

Wer nicht in der Tiefe seiner Seele nach Antworten auf seine Bürokonflikte suchen möchte, ist beim sehr pragmatischen Kummerkasten der «Harvard Business Review» goldrichtig aufgehoben. Hier geht es darum, konkrete Konflikte aus dem Büro so elegant wie möglich zu lösen.

Der halbstündige ­Podcast mit Moderatorin Alison Beard und Moderator Dan McGinn dreht sich um ­Briefe, die Zuhörer einsenden. Die Probleme der Einsender werden mit zugeschalteten ­Experten diskutiert und gelöst. Zum Beispiel schrieb ein Zuhörer von einem Jobinterview, bei dem ihn eine Frage ins Stottern gebracht hatte.

Die Empfehlung: Ruhig eine E-Mail mit einer Entschuldigung an den Recruiter schicken und schriftlich eine ausgefeiltere Antwort auf die Frage nachliefern.

«Worklife» — Adam Grant

Als Adam Grants Podcast «Worklife» vor zwei Jahren auf den Markt kam, rangierte er zwei Wochen lang auf Platz eins aller bei Apple heruntergeladenen Podcasts. Ein grosser Erfolg für den Ökonomie-Professor Grant – dem jüngsten Professor alles Zeiten an der Eliteuni Wharton.

Der Mann hat Magnetkraft – seit sieben Jahren in Folge wird er zum beliebtesten Professor gewählt, seine Bücher verkaufen sich wie warme Semmeln. In seinem Podcast besticht er mit überraschenden Gästen – sei es, er schaltet eine Crew von Astronauten aus der Raumsta­tion zu oder den exzentrischen Virgin-Gründer Richard Branson.

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Mit allen bespricht er in seiner freundlichen Art tiefe Lebenseinsichten: «Wir verbringen einen Viertel unseres Lebens bei der Arbeit – da sollten wir sicher gehen, dass diese ganze Zeit sich lohnt», sagt Grant.

«Masters of Scale» — Reid Hoffman

Nicht alle Tage kann man live hören, wie zwei Milliardäre aus dem Silicon Valley fach­simpeln über die Kniffe der Unternehmensgründung. Weil Hoffman als Mitgründer von Linkedin und als Risikokapitalinvestor selbst eine Legende ist, kommen Grössen wie ­Facebook-Gründer Mark Zuckerberg oder Airbnb-Gründer Brian Chesky gern zum Gedankenaustausch vorbei.

Jede Folge beginnt mit einer Anekdote, die den Weg bereitet zu einer Theorie, die Hoffman über das Skalieren von Geschäftsideen hegt. Wie in einem Krimi steigt die Spannung, während er seine These mit seinen Stargästen durchleuchtet.

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Der Podcast stammt von June Cohen und Deron Triff, die früher die Podcast für die Ted Talks produzierten. Sie nennen ihre Produktionsfirma Waitwhat – nach der Reaktion, wenn jemandem ein Licht aufgeht.

Und das sind die drei Podcasts der «Handelszeitung»:

«HZ Upbeat»: Alles über Gründer

Die interessantesten Gründerinnen und Gründer des Landes stellt Stefan Mair in seinem Podcast vor. Die Jungunternehmer berichten über ihre Geschäftsideen, Marktchancen, Finanzierung und Produktinnovationen. Dabei geht es stets auch um eine komplette Einsicht in die Gründungsgeschichten und die Arbeits- sowie die Geschäftsmodelle der Startups.

Ein Blick in die Welt von morgen: Neue Technologien verändern die Wirtschaft und die Arbeitswelt rasant. In unserem Podcast spricht Melanie Loos mit Experten aus Wissenschaft und Praxis über neue Arbeitsformen, den digitalen Wandel und worauf es in der künftigen Arbeitswelt ankommt. Etwa mit dem Novartis-Chef über den Kulturwandel des Pharmakonzerns.

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Jede Woche liefert Tim Höfinghoff Hintergrund und Analyse zu einem relevanten Thema: Mit seinen Gästen klärt er im Podcast etwa, warum Bankenschreck Revolut so erfolgreich ist und was die Schattenseiten der Neobanken für die Konsumenten sind. Oder: Wie Apple die Schweizer Uhrenhersteller im Smartwatch-Wettstreit immer stärker an die Wand drückt.

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