Die Pandemie hat den Uhren- und Schmuckhändler Bucherer bekanntlich hart getroffen, besonders in Luzern, wo die asiatischen Touristen vom einen auf den anderen Tag wegblieben. Dafür jedoch läuft das Geschäft mit den lokalen Kunden überraschend gut, wie zu vernehmen ist. Auch in den USA haben die Verkäufe bereits stark angezogen. Der Wegfall der Touristen in Zürich, Interlaken und Luzern lässt sich damit aber nicht kompensieren.

Doch abwarten und auf bessere Zeiten hoffen gehört nicht zu den Eigenschaften des umtriebigen CEO Guido Zumbühl. In Zürich erweiterte er diesen Sommer den Flagshipstore und führte ein Galerienkonzept ein: Lounge-Atmosphäre auf 160 Quadratmetern mit edler Bar statt schnöder Verkaufstresen. In New York eröffnete Bucherer im September mitten in Manhattan einen 1700 Quadratmeter grossen Laden, der ebenfalls mit nobler Lounge und Wohnzimmeratmosphäre aufwartet. Zumbühl aber will auch die digitale Präsenz verstärken. Und so hat sich Bucherer nun erstmals an einem Start-up beteiligt. «Wir wollen so neue Kundengruppen erreichen und auch bestehende überraschen», sagt Zumbühl.
Die Kernkompetenz von Bucherer sind die Läden. In der digitalen Welt setzt man daher gerne auf Partner. Und dieser heisst nun Artdeal, wurde im Mai 2020 in Zürich gegründet und will nichts Geringeres als die Art und Weise, wie Kunst, Uhren, Schmuck und andere Luxusgüter online gekauft werden, revolutionieren.

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An den Start gehen wird Artdeal mit ihrer App Ende Jahr. «Wir schaffen ein interaktives Kauferlebnis, das in seiner Funktionsweise an Instagram und TikTok erinnert», sagt CEO und Gründerin Sarah Schlagenhauf. Ein virtueller Tummelplatz, auf dem Käufer, Künstler und Händler ein Profil erstellen können und sich in Chats, Videos und Livestreams austauschen. Schlagenhauf hat dafür eigens den Begriff «Vivent» schützen lassen – virtuelle Events, in denen der Käufer das präsentierte Gemälde oder Luxusobjekt direkt kaufen kann.

Beginnen wird Sarah Schlagenhauf mit einer kuratierten Vorauswahl von 500 Anbietern aus aller Welt. Verkauft werden Artikel in der Preisspanne zwischen 1000 und 250 000 Franken. «Dieser Bereich ist noch am wenigsten digitalisiert», sagt Schlagenhauf und betont, sie wolle damit den Kunstmarkt demokratisieren. «Jeder soll in die Kunstwelt eintauchen können.» Mit welcher Summe sich Bucherer an Artdeal beteiligt hat, möchte Zumbühl nicht preisgeben. Er verrät aber, dass er auf der Plattform etwa Uhren aus der Bucherer-Blue-Linie anbieten wolle, für die verschiedene Uhrenbrands exklusive Uhren produzieren. Ebenso könne er sich «Vivents» zu Vintage-Uhren und -Schmuck vorstellen.

Die Ziele von Artdeal sind hoch gesteckt: «Wir wollen dereinst in die Liga der grossen Technologieplattformen aufsteigen.» Das Kernteam besteht aus acht Mitarbeitenden. Zum Advisory Board gehören Start-up-Grössen wie Tobias Reichmuth, Marc Bernegger und Claudia Bolliger-Winkler sowie Volta-Art-Fair-Direktor Kamiar Maleki.