Es ist eine überraschende Rückkehr: Eigentlich galt die Bankkarriere von Axel Lehmann nach seinem Ausscheiden als UBS-Schweiz-Chef Ende Januar als beendet.

Der HSG-Absolvent schien in St. Gallen bestens beschäftigt: Der frühere «Zürich»-Top-Manager amtet dort als Präsident des Instituts für Versicherungswirtschaft und Berater der Universitätsführung, dazu hält er als Titularprofessor Blockseminare. Ein passender Karriereabschluss für einen 62-Jährigen, dem das Akademische immer am Herzen lag.

Doch dann erlag er dem Werben des neuen CS-Präsidenten António Horta-Osório, im Verwaltungsrat der Grossbank den Vorsitz des Risikokomitees zu übernehmen. Besoldet ist der Posten mit angenehmen 850'000 Franken, doch das war kaum das Hauptargument: Bei der UBS gab es zuletzt mindestens das Fünffache.

Lehmann soll es vor allem gereizt haben, einem Schweizer Player neue Solidität zu verleihen – sein Vorgänger Andreas Gottschling hatte die Bank nach den Greensill- und Archegos-Debakeln eher unehrenhaft verlassen. Ein Engagement bei einer ausländischen Bank hätte Lehmann nicht angenommen.

Für die operative Risikoüberwachung ist er ohnehin nicht verantwortlich: Dort soll jetzt Goldman-Sachs-Veteran David Wildermuth aufräumen. Für Horta-Osório ist die Verpflichtung Lehmanns ein Prestigeerfolg: Sie stärkt das Ansehen im Heimmarkt, in dem der Imageschaden besonders gross ist.

Einziger Schönheitsfehler: die kurze Cooling-off-Phase. Lehmann war bis Ende Juli UBS-Mitarbeiter und wird bereits am 1. Oktober bei dem Rivalen in den Verwaltungsrat gewählt.