Frau Scarpaleggia, Sie als Frau kämpfen für Frauen. Klassisch.
Klassisch ist das Missverständnis, dem Sie gerade aufsitzen: Mir geht es nicht einfach um Frauen, und was ich fordere, ist auch kein Diversity-Aspekt. Mir geht es insbesondere ums Geschäft. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Unternehmen mit einem wesentlichen Frauenanteil in allen Funktionen besser performen. Und auf das Bruttosozialprodukt einer Volkswirtschaft wirkt sich das ebenfalls positiv aus.

Erkenntnisse, die einschlagen müssten wie eine Bombe. Tun sie aber nicht. Warum?
Wissen Sie, sowohl Unternehmen wie auch Regierungen sagen gern: «Ja, das stimmt», «ja, das ist wichtig», «ja, Sie haben recht». Damit hat es sich dann aber meist. Es sind Lippenbekenntnisse ohne Verbindlichkeit.

Voilà, Ihre neue Mission.
Sie sagen es. Etwas zu sagen, ist einfach. Etwas zu sagen und auch zu meinen, bedeutet, dass man sich mit dem Thema ernsthaft auseinandergesetzt und Bewusstsein entwickelt hat. An dem Punkt unternimmt man dann auch etwas, und zwar etwas, dessen Effekt man auch kennen, sprich messen will. Daher mein Credo: Mean it, do it, measure it.

So machten Sie es als Chefin von Ikea Schweiz. Apropos: Hat Ihnen der neue Job in der Ikea-Zentrale in Leiden in den Niederlanden nicht gefallen, dass Sie nach nur wenigen Monaten gekündigt haben?
Dass ich weg bin, hat nichts mit dem Job zu tun, den ich hatte, sondern mit dem, den man mir angeboten hat: CEO von Edge zu werden. Ich wusste sehr schnell, dass mich damit das Richtige zum richtigen Zeitpunkt erreicht: Dieser neue Posten ist der logische Abschluss für meine Karriere. Hier findet alles zusammen, einerseits meine Führungsfähigkeiten, andererseits meine Anliegen, für die ich mich seit Jahrzehnten starkmache. Ich bin für diesen Job wie geschaffen, und er ist wie geschaffen für mich.

Jahrzehntelanges Engagement

Gender Equality ist quasi der zweite Vorname von Simona Scarpaleggia: Die Italienerin engagiert sich seit Jahrzehnten gegen Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen und die Männerdominanz in Unternehmen. Zuletzt arbeitete die studierte Ökonomin während zwanzig Jahren bei Ikea, zehn davon als CEO Ikea Schweiz. Letzten Herbst wechselte sie in die Konzernzentrale nach Leiden (NL) – als Global Head von «Future of our work». Seit September ist sie nun CEO von Edge. Scarpaleggia ist Verwaltungsrätin bei Autogrill und Hornbach.