Seit gut einem Jahr werden Alcon an der Börse gehandelt. Doch für Glanz haben die Aktien nicht gerade gesorgt. Die enttäuschende Performance ist nicht dem Management unter CEO David Endicott (54) sowie VR-Präsident Michael Ball (64) anzulasten. Vielmehr lassen sich zehn Jahre Missmanagement durch die einstige Mutter Novartis nicht so schnell aus der Welt schaffen. Zudem hat der Pharmakonzern seine Augenheilsparte mit einer schwer belasteten Bilanz, herrührend von der einst viel zu teuren Akquisition durch Nestlé, sowie milliardenschweren Schulden in die Freiheit entlassen.

In den ersten beiden Monaten dieses Jahres ist Alcon kräftig gewachsen. Dann brach mitten im Turnaround die Corona-Krise über die Genfer Medizinaltechnikfirma herein. Die in vielen Ländern erlassenen Einschränkungen lassen kaum noch Augenbehandlungen zu, vor allem der wichtige US-Markt belastet den Cashflow. Da kann es nicht verwundern, dass das Management die Prognosen für dieses Jahr gekippt hat. Die Einbrüche vor allem beim Ertrag dürften heftig ausfallen. Spürbar anziehen wird das Geschäft erst wieder von 2021 an.

Alcon ist, ungeachtet der aktuellen Probleme, eine rosige Zukunft zu bescheinigen. Im Bereich Geräte für die Augenchirurgie ist das Genfer Unternehmen unbestrittener Weltmarktführer, im Sektor Kontaktlinsen und Augenpflegemittel die Nummer zwei. Die stetig wachsenden Gesundheitsausgaben, speziell im Bereich der Augenheilkunde, werden das Geschäft von Alcon beflügeln. Die UBS-Analysten prognostizieren über die nächsten Jahre einen Umsatzzuwachs von gut fünf Prozent, dabei dürften Ebit und Gewinn stark überproportional zulegen.
Auf kurze Sicht sind die Aktien nicht interessant. Für dieses Jahr stellt sich das – höchst grob geschätzte – Kurs-Gewinn-Verhältnis auf über 40. Doch auch für 2021 sind die Titel mit 27 satt bewertet. Wer sich in Alcon engagiert, sollte dies auf mindestens drei Jahre hinaus tun.

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Mittelfristig sieht es bei Georg Fischer gut aus

Mit einem Kurseinbruch von 50 Prozent gehören die Aktien von Georg Fischer zu den grössten Verlierern in den Hoch-Zeiten der Corona-Pandemie. Inzwischen haben die Valoren der Industriegruppe wieder deutlich an Wert zugelegt. Die Erholung vermochte auch der vom Lockdown arg gezeichnete Ausweis für das erste Semester nicht zu stoppen; der organische Umsatz schmolz um 14 Prozent, das Ebit sank um 59 Prozent, der Gewinn brach um mehr als zwei Drittel ein. Miese Ertragszahlen – die dennoch besser als erwartet ausgefallen sind.

2020 ist gelaufen. Zwar sieht Konzernchef Andreas Müller (49) Anzeichen, dass sich die Märkte erholen: Das Chinageschäft liege bereits wieder auf Vorjahresniveau. Dessen ungeachtet sind auch für das Gesamtjahr heftige Ertragseinbussen zu erwarten. Mittelfristig sieht es dafür gut aus. Die Substanz des Unternehmens wird in der Krise nur wenig geschmälert, die Liquidität ist hoch, die Bilanz solide. Die Divisionen Piping Systems (Rohrleitungssysteme), Casting Solutions (Gussteile aus Leichtmetall) und Machining Solutions (präzise Funkenerosions- und Hochgeschwindigkeits-Fräsmaschinen) sind bestens positioniert. Zwar dürften die Resultate des nächsten Jahres ebenfalls noch Corona-Spuren aufweisen, bereits 2022 jedoch sollten die Erträge von 2019 übertroffen sein. Georg Fischer sind attraktiv für die Langläufer unter den Investoren.

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Mondpreise bei Temenos

Über viele Jahre zählte Temenos zu den wachstumsstärksten Schweizer Unternehmen. Die Corona-Krise hat diese Erfolgsgeschichte unterbrochen. Für das zweite Quartal 2020 meldet der Spezialist für standardisierte Bankensoftware neun Prozent weniger Umsatz und ein um acht Prozent tieferes Ebit. Das sind fürwahr keine dramatischen Einbrüche – zumal es bereits wieder aufwärtsgeht. CEO Max Chuard (46) erwartet im zweiten Semester für die Neuverpflichtung von Lizenzen «eine allmähliche Verbesserung». Bereits im kommenden Jahr dürfte die Corona-Delle ausgebügelt sein.

Temenos wird zu starkem Wachstum zurückfinden, und dies bei erklecklichen Erträgen. Die Ziel-Ebit-Marge wird mit 36 Prozent genannt. Der Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung der Banken ist gross. Vor allem bei den Schnittstellen zu den Kunden muss die Software aufgepeppt werden. Auch die Börsianer trauen Temenos einiges zu. Das lässt sich an der massigen Bewertung ablesen; für dieses Jahr stellt sich das geschätzte KGV auf 42 und für 2021 immer noch auf 39. Zwar sind die Titel interessant, doch der Preis ist mir zu hoch. Zumal die Dividendenrendite mit 0,6 Prozent mickrig ausfällt.

FILE PHOTO: SpaceX CEO Elon Musk celebrates with his brother Kimbal Musk (in hat) after the launch of a SpaceX Falcon 9 rocket and Crew Dragon spacecraft on NASA's SpaceX Demo-2 mission to the International Space Station from NASA's Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida, U.S. May 30, 2020. REUTERS/Steve Nesius/File Photo

Angekommen: Elon Musk steuert Tesla nach harten Jahren seit vier Quartalen in der Gewinnzone.

Quelle: Reuters

Tesla mit Top-Marktposition

Zugegeben, auch mich elektrisiert Tesla. Nicht, dass ich einen Wagen dieser Marke fahre. Doch der Elektroautohersteller hat sich entgegen allen Unkenrufen eine gute Marktposition geschaffen und ist in technologischen Belangen der traditionellen Konkurrenz voraus. Auch finanziell geht es endlich bergauf: Nach jahrelangen heftigen Verlusten lieferte das Unternehmen während vier Quartalen schwarze Zahlen – auch wenn es nicht berauschend hohe Gewinne sind.

Nicht weniger fasziniert mich Konzernchef Elon Musk (49), der so wenig dem üblichen Managertypus entspricht und fast nebenbei die Raumfahrtfirma SpaceX sowie weitere Projekte führt.

Doch was da an der Börse abgeht, kann ich nicht nachvollziehen: Innert vier Monaten hat sich der Aktienkurs mehr als vervierfacht, Tesla wird nun ein Wert von über 280 Milliarden Dollar bescheinigt. Damit ist der Newcomer höher bewertet als Volkswagen, Daimler, BMW, Ferrari, Peugeot und Renault – zusammen, notabene. Auch die Börsenkapitalisierung von Toyota wird in den Schatten gestellt. Nur verkaufen die Japaner 26-mal mehr Autos als Tesla und dürften in diesem Jahr einen 20-fach höheren Gewinn einfahren, was einem KGV von 8,8 entspräche. Tesla verdient 2020 im besten Fall um die sieben Dollar pro Aktie, womit sich das KGV auf 220 stellt. Optimisten rechnen bis 2024 mit einer Versechsfachung des Gewinns, woraus sich immer noch ein hohes KGV von gegen 40 errechnen lässt. «Bei Tesla fährt viel Zukunftshoffnung mit», sagte mir ein Finanzanalyst. Für meinen Geschmack etwas gar viel Hoffnung auf eine ungewisse Zukunft.

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch

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