▶︎ Person

Als Tochter einer Biologin hat Ulrike Pfreundt (35) schon früh die Liebe zur Natur entwickelt. Nicht direkt eine zum Meer, aufgewachsen ist sie im Pfälzerwald. Doch als sie im zweiten Semester ihres Biologiestudiums in Freiburg im Breisgau zu tauchen begann, wurde die Faszination geweckt. Abgeschlossen hat sie 2011 in Meeresbiologie und Genetik, und für den Doktortitel befasste sie sich mit Genetik und Bioinformatik, beides mit Bezug zum Meer.

Schliesslich zog es die junge Forscherin nach Zürich und an die ETH. Nun hat sich Pfreundt mit einer Künstlerin aus Lausanne, die sich ebenfalls mit Korallenökologie befasst, zusammengetan. Gemeinsam lancierten sie im Oktober den Verein Rrreefs und sammelten via Crowdfunding 70'000 Franken ein.

Dies ist ein BILANZ-Artikel

Weitere Artikel der BILANZ finden Sie auf der Übersichtsseite.

Zur BILANZ-Startseite

▶︎ Produkt

Klimawandel und Umweltverschmutzung setzen den Korallen weltweit zu. Sterben die Tiere, zerbröseln die von ihnen über Jahrtausende aufgebauten Kalksteine, die Riffe. «Wenn die Korallenriffe verschwinden, verliert ein Viertel der Tierarten im Meer seinen Lebensraum», sagt Ulrike Pfreundt.

Anzeige

Als Erstes will sie nun «Nothilfe» leisten und dank 3-D-Druckern künstliche Riffe aus Ton aufbauen. Gefragt sind dabei komplexe Oberflächenstrukturen und Hohlräume, damit sich ein möglichst diverses Leben darauf verbreitet. Dank dem Geld aus dem Crowdfunding entsteht im September in Kolumbien ein Pilotriff in der Grösse eines Kleinlasters.

mb_20210208_ulrike_pfreundt_rrreefs_001

Ulrike Pfreundt fand ihre Begeisterung für die Meeresbiologie, als sie zu tauchen begann.

Quelle: Michael Buholzer für BILANZ

In einem weiteren Schritt will Pfreundt erreichen, dass sich die Korallen an ein wärmeres Klima anpassen. Gelingen soll dies dank Larven von robusteren Korallen, die sie neu ansiedelt. «Bei toten Riffen gibt es oft einige Korallen, die zum Beispiel eine grosse Hitzewelle überlebt haben.»

▶︎ Potenzial

Das Korallen-Projekt aus Zürich ist nicht bloss eine Studie, es soll vielmehr einen globalen Effekt erzielen. «Wir wollen grosse Riffe bauen, sonst könnten wir es auch gleich sein lassen», sagt Pfreundt. Innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre möchte Rrreefs bis zu 1000 Kilometer an künstlichen Riffen anlegen.

Bereits tüftelt das Team an einem Prototyp, welcher als Riff und Wellenbrecher eingesetzt werden kann. «Bisher gibt es noch kein zufriedenstellendes Produkt auf dem Markt.» Und genau hier sieht sie Chancen. Weil der Meeresspiegel steigt, nimmt der Bedarf zu. Derzeit würden noch immer viele Wellenbrecher ohne ökologischen Nutzen gebaut.