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Digital Switzerland
«Das WEF für die Generation X und jünger»

Fabian Hediger: Der frühere Profi-Triathlet ist Gründer und CEO des Worldwebforums. ZVG

Das Worldwebforum in Zürich will zum Davos der Digitalwelt werden. Gründer Fabian Hediger über seine Ziele, die Aufbruchstimmung in der Branche und die Herausforderungen der Schweiz.

Kommentar  
Von Mathias Ohanian
am 22.01.2017

Das Worldwebforum wächst auch 2017 kräftig. Womit rechnen Sie?
Fabian Hediger*: Wir erwarten rund 2000 Gäste, doppelt so viel wie noch im vergangenen Jahr. Auch den Umsatz werden wir verdoppeln. Für uns ist diese Entwicklung herausragend, wir sind in den vergangenen zehn Jahren stetig gewachsen. 2007 starteten wir mit einem kleinen Treffen und 15 Gästen.

Ihre Vision?
Wir gelten ja als Punkrock-Version des WEF in Davos – so zumindest hat uns ein früherer Speaker einmal beschrieben. Das gefällt mir gut, da wollen wir hin: Wir wollen das WEF für die Generation X und jünger werden.

Worauf kommt es da an?
Klaus Schwab hatte mit Davos eine Vision, eine internationale Konferenz für Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik auf die Beine zu stellen. Wir sind eine Business-Konferenz und sind mit dem Internet aufgewachsen. Entscheidend ist die Message, dass es in der heutigen Welt nicht um eine digitale Strategie für Unternehmen geht, sondern eine Geschäftsstrategie in einer digitalisierten Welt.

Sie sind selbst Unternehmer. Wie haben Sie angefangen?
Wir gehören zur ersten Internet-Generation der Schweiz und haben vor 17 Jahren angefangen Software-Lösungen zu entwickeln. Am Anfang wussten wir nichts über Investoren und verdienten damals erst jeden Franken, bevor wir ihn ausgaben. Wir setzten mit Java auch auf eine Technologie, die gratis ist. Inzwischen arbeiten wir stark mit Banken zusammen, die heute faktisch ja IT-Unternehmen sind.

Mit Ihrem lockeren Outfit und bunten Sneakern fallen Sie auf. Müssen Sie sich für Termine am Paradeplatz extra umziehen?
Nein. Wir reden normalerweise ja nicht mit CEOs in Brioni-Anzügen, sondern Projekt- oder technisch orientierten Abteilungsleitern. Da kommt es auf das Outfit nicht so an. Ich definiere mich auch nicht über die Kleidung. Ich trage gerne mal Krawatte und Sakko und richte mich da gerne nach meinem Gegenüber.

Interneterfinder, Festivalgründerin, Navy-Seal – die Speaker am Worldwebforum kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Auf wen freuen Sie sich besonders? 
Es sind so viele beeindruckende Persönlichkeiten mit völlig unterschiedlichen Lebensläufen. Da ist es schwer, jemanden herauszuheben. Aber ich kann sagen, wir starten direkt mit viel Feuer: Die Kubanerin Herminia Ibarra wird auftreten, sie ist Professorin für Leadership an der renommierten Wirtschaftsuni Insead. Dann kommt Marian Goodell, ein Hippie und Gründerin des inzwischen legendären Burning-Man-Festivals. Das ist der totale Gegensatz. Und doch geht es um das gleiche entscheidende Thema: Selbsttransformation.

Alle sprechen heute von Digitalisierung – und doch scheint es vielerorts nur ein Schlagwort zu sein. Ändert sich das jetzt?
Wir bewegen uns jetzt seit fast zwei Jahrzehnten in dieser Branche – und es hat noch nie so gebrodelt wie heute. Jetzt geht was. Aber es stimmt, das zeigen auch viele Statistiken: Digitalisierung ist für viele Firmen noch ein Schlagwort und oft klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander.

Mahnende Stimmen sagen, die bevorstehenden Veränderungen sind viel weitreichender als frühere Transformationsprozesse.
Immer wenn es zu Veränderungen kommt, gibt es auch Ängste. Das ist normal. Ebenso normal ist es, dass Menschen sich dann selbst verändern und umschulen. Das ist Teil der Evolution.

Sie arbeiten viel mit Banken zusammen. Ihr Eindruck?
Die Regulierung ist sehr strikt, die Eintrittshürden für Jungfirmen hoch. Es ist wichtig, dass wir in der Schweiz agil bleiben und unsere gute Ausgangslage im Bereich Banken und Versicherungen nicht verbauen durch zu hohe administrative Hürden. Schlecht wäre es, wenn uns zum Beispiel im Bereich Fintech am Ende die Chinesen zeigen, wie es geht. 

In welchen Bereichen kann die Schweiz ihre Stärken noch ausspielen?
Wir haben ein unternehmerfreundliches Klima, ein gutes Bildungssystem, Top-Hochschulen. Das gilt auch für die Infrastruktur und die politische Sicherheit. Die Schweiz ist in so vielen Belangen ein Vorbild für viele andere Länder. Aber wir müssen uns auch immer wieder neu beweisen und erfinden – und darum geht es uns mit dem Worldwebforum.

* Der ehemalige Profi-Triathlet Fabian Hediger ist Gründer und CEO der Webagentur Beecom und des Worldwebforum. An der jährlichen Konferenz sollen Schweizer Unternehmer lernen, mit dem digitalen Wandel Schritt zu halten – und als Zückerchen gibt es Auftritte von Persönlichkeiten wie dem HTML-Erfinder Sir Tim Berners-Lee oder Burning-Man-Gründerin Marian Goodell. Das zweitägige Worldwebforum startet am Dienstag um 7.30 Uhr im Stage One in Zürich Oerlikon.

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