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Free Lunch
Löhne: Die Gewinner und Verlierer in der Finanzbranche

Die Sonne lacht über dem Finanzplatz: Passant an der Zürcher Bahnhofstrasse.Keystone

Die Bankbranche ist im Umbruch. Welche Angestellten profitieren, welche verlieren? Eine Lohnstatistik gibt Antworten.

Kommentar  
Von Simon Schmid
am 01.11.2016

Schweizer Banken befänden sich in einem anspruchsvollen Umfeld. So formulierte es kürzlich das Büro BAKBasel in einer Studie zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Finanzbranche. Trotz Tiefzinsen, Margendruck und Anpassungskosten an die Digitalisierung behaupte sich die Branche dennoch als zentrale Stütze der Schweizer Wirtschaft.

Wie betrifft das die Angestellten? Gemäss der BAKBasel-Studie war die Beschäftigung zuletzt im Grossen und Ganzen konstant. Bei den Banken wurden rund 118 000 Vollzeitarbeitsplätze angeboten: praktisch gleich viele wie vor vier Jahren. Bei den Versicherungen gab es einen leichten Aufbau auf inzwischen 53 000 Stellen. Sonstige Finanzdienstleister haben über die Jahre deutlich aufgebaut auf inzwischen 49 000 Personen.

Wer Geld hereinholt, macht auch selbst Geld

Wenn im Durchschnitt alles in geordneten Bahnen läuft, heisst das aber noch nicht, dass dies im Einzelfall auch zutrifft. Speziell bei den Löhnen im Banking gab es unterschiedliche Entwicklungen. Dies zeigt eine Statistik des Personaldienstleister PageGroup, der die Daten von mehreren Zehntausend Profilen und Kandidaten ausgewertet hat.*

Gemäss der Auswertung mussten Angestellte im Backoffice zwischen 2014 und 2016 Einbussen in Kauf nehmen. In den Abteilungen, wo Banken die Verarbeitung und das Controlling bündeln, sank die Gesamtvergütung (Fixlohn inklusive Bonus) für viele Funktionen. Ein Beispiel ist der «Financial Controller»: für dieses Profil sank das Gesamtpaket von durchschnittlich 173 000 auf 165 000 Franken. Ein Rückgang von 5 Prozent.

Nicht überall im Backoffice sanken die Löhne. Ausnahmen sind Jobs im Bereich Risk («Market Risk Officer», «Credit Risk Officer») und Compliance («Senior Compliance Officer»). Für diese Profile sind die Saläre, bestehend aus Fixlohn und Bonus, in den letzten zwei Jahren hochgegangen. Der Ansteig für diese Profile liegt im einstelligen Prozentbereich.

Eine Tendenz, die sich fast bei allen Backoffice-Positionen zeigt: Der Bonus ist zwischen 2014 und 2016 gestiegen. So kommt es, das zum Beispiel das Gesamtsalär für die Profile «Head of internal Audit» und «Finance Director» heute höher ist als vor zwei Jahren, obwohl der Fixlohn in dieser Zeit leicht zurückgegangen ist.

Noch stärker ausgeprägt ist dieser Trend im Investment Banking und im Private Banking. Die variable Vergütung lag hier zuletzt deutlich höher als vor zwei Jahren. So stieg der Bonus beispielsweise für das Profil «Fundamental Analyst» um 40 Prozent und für das Profil «Quantitative Analyst» sogar um 100 Prozent. In einigen Fällen stieg dadurch auch das Gesamtsalär.

So zum Beispiel beim «Relationship Manager (Farmer)», also dem einfachen Kundenberater im Private Banking. Der leichte Rückgang des Basislohns um 11 Prozent wurde durch einen um 92 Prozent höheren Bonus kompensiert, so dass sich am Schluss eine Steigerung von 3 Prozent ergab. Beim sophistizierten Kundenberater, dem «Relationship Manager (Hunter)», führte ein ähnliches Muster zu einer Gesamtlohnerhöhung von 6 Prozent.

Wie Stephan Surber, der Verantwortliche für die Studie bei Page Executive, sagt, haben die Boni einen grösseren Stellenwert erhalten. «Früher erhielten fast alle Kundenberater einen Bonus von 40 bis 80 Prozent des Basislohns. Heute gibt es 100 Prozent für die Top-Performer und null Prozent für die Minimal-Performer.» Trotz der grösseren Gewichtung der individuellen Leistung habe sich der Unterschied zwischen Frontoffice und Backoffice insgesamt aber verringert. Dafür verantwortlich sei unter anderem die gestiegene Nachfrage nach Fachkräften in den Bereichen Compliance und Risikomanagement.

Schlecht läuft es dagegen für Spezialisten im Geschäft mit Trusts. In den entsprechenden Jobprofilen sind die Fixlöhne gesunken, auf einer Hierarchiestufe auch der Bonus. Das Gesamtsalär liess beim «Trust Officer» um 12 Prozent und beim höher gestellten «Trust Manager» um 22 Prozent nach.

Über alle 24 Jobprofile, für die vergleichbare Daten vorliegen, verzeichneten 11 Jobprofile einen Anstieg des Gesamtlohns. In 13 Profilen sank der Gesamtlohn. Nur 5 von 27 Jobprofilen verzeichneten einen Anstieg des Fixlohns. Derweil verzeichneten 19 Profile einen Anstieg des Bonus.

Funktionen mit einem «C» sind gut bedient

Zum Schluss gibt es noch etwas Bonusmaterial. Die Headhunting-Firma Page Executive hat zusätzlich eine Tabelle über den Verdienst in der so genannten C-Suite zusammengestellt – also über den Lohh von COOs, CFOs und anderen Geschäftsleitungsmitgliedern am Schweizer Finanzplatz.

Die Zusammenstellung zeigt, dass in der obersten Etage von Banken nach wie vor gut verdient wird. Fast alle Bereichsleiter hiesiger Banken verdienen im Schnitt über 300 000 Franken pro Jahr, wenn man Fixlohn und Bonus aufaddiert. Das höchste Gehalt abgesehen vom CEO erhält meist der Investmentchef (CIO). Im Maximalfall betrug das Salär in dieser Funktion total sogar 630 000 Franken.

* IB = Investment Banking und Asset Management, PB = Private Banking, BO = Back Office

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