1. Home
  2. Invest
  3. Was passiert, wenn der Libor-Zins abgeschafft wird?

Geldberatung
Was passiert, wenn der Libor-Zins abgeschafft wird?

Imported Image
Hausbau: Der Libor hilft, den Zins für Hypotheken zu berechnen. Keystone

Die Tage des Referenzzinssatzes Libor sind angezählt, nachdem er einen Grossteil seiner Glaubwürdigkeit eingebüsst hat. Banken und Behörden bringen Alternativen in Stellung, auch in der Schweiz.

HZ Redaktion
Kommentar  
Von HZ Redaktion
2017-08-10

Experten beantworten Ihre Fragen

Im Bereich Invest bekommen Sie regelmässig Informationen rund um Anlagethemen. Doch oft stellen sich konkrete Fragen aufgrund der individuellen Vermögenssituation, die im Rahmen der normalen redaktionellen Berichterstattung nicht erschöpfend beantwortet werden können. Etwa bei Immobilien- und Steuerfragen gibt es immer wieder kantonale Unterschiede, die ins Gewicht fallen.

Deshalb stellen wir unseren Abonnentinnen und Abonnenten ab sofort einen neuen Service zur Verfügung und werden Ihre Fragen rund um die Vermögensanlage inklusive Immobilien und steuerlichen Aspekten von einem Expertenteam in kurzer Frist beantworten – konkret, produkteunabhängig, diskret und kompetent.

Weitere Informationen zur Geldberatung gibt es unter www.handelszeitung.ch/geldberatung.

Eine Auswahl der Fragen inklusive der entsprechenden Antworten stellen wir Ihnen wöchentlich vor.

 

Frage: Ich habe kürzlich gelesen, dass der Referenzzinssatz Libor abgeschafft werden soll. Ist das überhaupt möglich? Welche Alternativen soll es geben - und wie bewerten Sie die Konsequenzen für einen Schweizer Libor-Hypothek-Nehmer?

Tatsächlich ist der London Interbank Offered Rate, der sogenannte Libor, angezählt. Derzeit gilt er noch als der weltweit wichtigste Index für kurzfristige Zinsen. Genau genommen ist er ein Preisindex, der auf den Geldmarkttransaktionen von 16 Banken in London basiert. Zu diesen Geldmarkttransaktionen zählen Geldaufnahmen zwischen Finanzinstituten für maximal zwölf Monate.

Entscheidend dabei ist, wie viel eine Bank bezahlt, wenn sie Geld für drei Monate aufnimmt. Dabei gilt die Faustregel: Wer mehr zahlen muss als andere, ist ein schlechterer Schuldner. Vor einigen Jahren haben einzelne Banken bei der Preisindikation geschummelt und damit den Libor in Verruf gebracht. Dabei haben diese Banken den Libor meistens geschönt. Sie haben also einen tieferen Libor angegeben, als sie tatsächlich zahlen mussten, um als bessere Schuldner dazustehen. Dadurch wurde dem Libor als Referenzindex ein Grossteil seiner Glaubwürdigkeit entzogen.

Hohe Geldbussen

Der Skandal erschütterte während der Finanzkrise die Finanzwelt und führte zu hohen Geldbussen für die betroffenen Banken und Broker sowie zu Gefängnisstrafen. Vor diesem Hintergrund ist es eigentlich nur konsequent, dass ein Wechsel zu einem Modell stattfindet, das sich nicht mehr auf Angaben von Banken abstützt, sondern auf tatsächlichen Marktzinsen beruht.

Die Zentralbanken und Aufsichtsbehörden bringen bereits alternative Referenzzinssätze in Stellung: In Grossbritannien ist dies der Zinssatz Sonia (Sterling Overnight Index Average), ein Tagesgeldsatz für unbesicherte Transaktionen am Pfundmarkt. In der Schweiz ist es der Saron (Swiss Average Rate Overnight) und in der Euro-Zone der Eonia (Euro Overnight Index Average). Diese Zinssätze beruhen alle auf effektiv bezahlten Markttransaktionen. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) setzt sich schon seit Jahren für den Saron ein. Er wird am Schweizer Geldmarkt schon Ende 2017 das sogenannte TOIS-Fixing ablösen.

Möglich, dass er auch international als Vorbild dienen und so den Libor ersetzen wird. Wir gehen davon aus, dass sich für Libor-Kunden, insbesondere die Hypothekennehmer, nichts ändern wird. Klar, die Mechanik der Preisindikation ändert sich, aber einen Interbankenmarkt wird es weiterhin geben – und ein Index als Basis für kurzfristige Zinsen ergibt nach wie vor Sinn.

 

Anzeige