Die Business-Idee

Täter hinterlassen an einem Tatort immer auch Schuhabdrücke. Für die Ermittler sind es wichtige Spuren, mit deren Hilfe sich Tathergänge rekonstruieren, Täterprofile bestimmen und Fälle vergleichen lassen. Die bisher übliche Methode der Spurensicherung mittels Folien, die fotografiert und zu den Akten gelegt werden, ist jedoch umständlich. Geradezu mühsam wird es beim Informationsaustausch. «Die Spezialisten treffen sich persönlich oder schicken sich die Bilder per E-Mail zu», sagt Thomas Stadelmann, CEO von Forensity. Das Jungunternehmen ist auf bestem Weg, dieser überholten Praxis mittels Digitalisierung ein Ende zu setzen. Es hat ein System für den automatischen Vergleich der Schuhspurenbilder entwickelt, zusammen mit der Uni Basel und der Hochschule Luzern. Die  entsprechende Matching-Software identifiziert auch fragmentierte, ­verunreinigte oder mehrfach überlagerte Sohlenprofile und kann sie einem Schuhmodell zuordnen. Ermittler aus verschiedensten Regionen können nun via Web-Plattform bequem am Bildschirm nach übereinstimmenden Schuhspuren und allfälligen Serientätern suchen.

Der Markt

Das Interesse an der Matching-Software von Forensity ist gross. Das Startup konnte das Tool schon Polizeidienststellen in Deutschland und Schweden vorstellen. Es wäre in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit europaweit einzusetzen und könnte in der täglichen Polizeiarbeit bald schon Standard werden. Derzeit verhandelt Forensity mit verschiedenen kantonalen Polizeikorps. In den nächsten Monaten sollen die ersten Verträge zur Benutzung des Systems mitsamt Service abgeschlossen werden. Direkte Konkurrenten sind derzeit ­keine in Sicht, mal abgesehen von einer chinesischen Firma. Diese ist im ­Fernen Osten auf dem Markt, genügt aber nicht europäischen Ansprüchen. Zumindest die von Forensity angestrebte Marktführerschaft in Europa scheint realistisch.

Der Gründer

Thomas Stadelmann studierte zuerst in Lausanne Kriminalistik, arbeitete nachher bei der Spurensicherung der Kantonspolizei Schwyz und studierte zuletzt berufs­begleitend Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen. Seine Master-Arbeit entsprang einer Idee aus seinem beruf­lichen Alltag: Er vernetzte die Schuhspurenspezialisten von drei kantonalen Polizeikorps. Mit dem Thema erzielte er eine Resonanz weit über die Landesgrenzen hinaus. Zum Beispiel meldete sich bei ihm das Landeskriminalamt Niedersachsen. Die vielen Reaktionen zeigten, dass in der Master-Arbeit eine Geschäftsidee schlummerte. Also gründete Stadelmann im Sommer 2011 Forensity – ­zuerst als «Garagenfirma» in den eigenen vier Wänden, um dann nach einem Jahr in den ­Technopark ­Luzern in Root umzu­ziehen.

Das Kapital

Das Gründungskapital beschaffte sich Forensity im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis. Auf Vermittlung des Technoparks Luzern wurde das Startup in der ­Folge von der Albert Koechlin Stiftung und der Zimmermann-KMU-Stiftung unterstützt. Einen wesentlichen Teil der Forschung und Entwicklung wickelte das ­Jungunternehmen über zwei mit jeweils ­einer halben Million Franken dotierte KTI-Projekte mit den beiden erwähnten Hochschulen in Luzern und Basel ab. Auf eine Fremd­finanzierung konnte Forensity ­verzichten. Im Moment laufen allerdings Gespräche mit Business Angels, bei denen unter anderem auch die Beschaffung von zusätzlichem Kapital ein Thema ist. Der CEO will eine allfällige Finanzierungsrunde noch in diesem Jahr nicht ausschlies­sen.

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