Die Business-Idee
Die Sonnenbrille an sich kann wohl kaum mehr neu erfunden werden. Zudem wäre es vermessen zu behaupten, es mangle an Modellen und Anbietern. Wie also als Neuer sich auf einem bereits gesättigten Markt behaupten? Swiss Eyewear Group aus Zürich versucht es, mit einer ­fokussierten Strategie. Dabei zielt sie mit ihrer vor drei Jahren lancierten Marke Invu auf das Impulssegment. Im Visier hat sie also die Spontankäufer, die bei einer Sonnenbrille zugreifen, wenn sie das nicht zwingend geplant haben. Damit sie dies tun, muss allerdings der Preis stimmen. «Die Sonnenbrille darf nicht mehr als 80 Franken kosten», sagt Jerry Dreifuss, CEO von Swiss Eyewear Group.
Tatsächlich sind die Modelle der 2014 gegründeten Firma im Schnitt für gerade mal 60 Franken erhältlich. Invu bietet dafür modernste Glastechnologie in Ultrapolarisations-Qualität und modisches, aber nicht ausgefallenes Design. Der Anspruch lautet, im Segment der Sonnenbrillen unter 100 Franken mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis aufzuwarten. Mit diesem Konzept liegt das junge Unternehmen ­offenbar goldrichtig. In den ersten drei ­Jahren sind schon über 2,5 Millionen Sonnenbrillen verkauft worden, davon über 1,2 Millionen allein in diesem Jahr.

Die Gründer
Jerry Dreifuss war früher Marketingchef von Polaroid Eyewear. Die bekannte Firma wurde 2013 von der italienischen Sanfilo, die zu den grössten Playern in der Branche gehört, geschluckt. Die neue Firmenphilosophie, mit der Dreifuss und seine Mit­arbeiter nach der Übernahme konfrontiert wurden, war nicht wirklich nach ihrem ­Geschmack. Der Zeitpunkt war also reif, es auf eigene Faust zu versuchen.
Zusammen mit vier Weggefährten hob Dreifuss 2014 Swiss Eyewear Group aus der Taufe. Benjamin Kohler ist nun VR-Präsident des Startups, Beat Christ ­Designchef, Stéphane Hastings Verkaufsleiter und Ernesto Scotti Direktor der über eine Tochterfirma laufenden Geschäfte in Italien.

Die Finanzierung
Die Finanzierung von Swiss Eyewear Group ist für die Startup-Szene ungewöhnlich: Auf die Hilfe von Banken, Risikokapitalisten und auf Fördergelder konnte die Firma verzichten. Stattdessen steckten die fünf Gründer und einige Mitarbeiter eigenes Geld in die Firma. Darüber hinaus sind Produktions- und Distributionspartner sowie Endverkäufer als Investoren mit dabei. «Alle, die uns finanzielle Mittel zur Ver­fügung gestellt haben, sind an der durch unsere Sonnenbrillen ausgelösten Wertschöpfungskette beteiligt», sagt Dreifuss. Das Engagement trägt bereits Früchte. Drei Jahre nach der Gründung tätigt die Firma mit ihren 25 Mitarbeitern und einem ­wei­teren Dutzend im weltweiten Vertrieb ­beschäftigten Agenten einen zweistelligen Millionenumsatz und ist profitabel.

Der Markt
Weltweit existieren zwar schon Tau­sende Sonnenbrillen-Marken. Viele Labels operieren im Luxussegment, wo der Käufer für eine Sonnenbrille schnell einmal ein paar Hunderter bezahlt. In der Schweiz ist die meistverkaufte Marke nach Angaben des Online-Optikers Edel-Optics die Marke Ray-Ban. Ebenso gibt es auch viele Billigmarken, die für wenige Franken jedoch meistens nur bescheidene Qualität bieten. Einen gewissen Spielraum auf dem insgesamt gesättigten Markt erlaubt am ehesten noch jenes mittlere Segment, auf das sich nun Swiss Eyewear Group, die auch ins Finale des Export Awards 2016 einzog, fokussiert.  Weltweit gehen jedes Jahr über 300 Millionen Sonnenbrillen über die Ladentische. Dabei werden über 7 Milliarden Franken umgesetzt.

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