Kennen Sie Sandeep Malhotra? Wohl kaum. Dabei ist der gebürtige Inder der König der Schweizer Markeneinträge. 1344 Einträge im Markenregister gehen auf sein Konto. Zwar gibt es Firmen mit mehr Marken, doch in den letzten fünf Jahren hat keiner so viele Anträge eingereicht wie Malhotra. Das zeigt eine Auswertung der «Handelszeitung» aufgrund der auf der Website markenregister.ch publizierten Meldungen. Auch vergangenes Jahr lag Malhotra mit 286 Marken an der Spitze – vor Novartis und der Migros-Gruppe.

In der Markenwelt ist Malhotra ein Exot, kaum einer kennt ihn. Doch seine Einmannfirma mit Sitz in Baar ist vielen ein Begriff. Denn im Tagesrhythmus taucht sie in den Publikationen auf. Mit dem Eintrag «Born again on a Mountain» startete die S. Malhotra & Co. ins vergangene Jahr, mit «Dulhan Shringar» beendete sie es. Ein konkreter Produktbezug ist bei den wenigsten Einträgen auszumachen, und das hat einen einfachen Grund: Malhotra produziert nichts. Noch nicht.

Die letzten vier Jahre habe er damit verbracht, markenrechtbasierte Businesspläne zu entwickeln, sagt Malhotra. Er entwickelte Ideen, liess Marken schützen und will sich jetzt an die Umsetzung machen. Primäres Ziel ist Indien. Dort gebe es viel Potenzial im Markt für Hochzeitsluxusgüter «made in Switzerland».

«Indien ist das sechstgrösste Land der Welt mit einer stark wachsenden Mittel- und Oberschicht, die viel Geld für ihre Hochzeitsfeiern ausgibt.» Die Schweizer Luxusgüterindustrie habe bisher in In­dien keinen Erfolg verbucht. «Das wollen wir ändern.» Er suche nun nach einem Partner in der Uhrenindustrie. Kennengelernt hat er diese einst als Banker: Bis 2011 war er Chief Investment Officer der da­maligen CS-Tochter Clariden Leu.

Mit Zusatzmarken Kopien verhindern

Dass er so viele Bezeichnungen schützen lasse, habe damit zu tun, dass er auch das Umfeld seiner Marken abdecken wolle, um Imitationen zu verhindern, sagt Malhotra. Den «Bridal Market» habe er nun breit abgedeckt. «An mir kommt keiner mehr vorbei.» Nach In­dien wolle er dasselbe auch mit China machen. Bereits habe er zahlreiche Marken für den chinesischen Markt eintragen lassen, sagt Malhotra. «2020 wird ein spannendes Jahr.»

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Mit dem internationalen Fokus ist Malhotra nicht allein. Unter den Schweizer Markenkönigen befinden sich fast nur Firmen mit ­einem internationalen Fokus oder solche aus dem Ausland, die ihre Rechte auch in der Schweiz absichern. Nur gerade zehn der hundert topplatzierten Firmen haben ­einen Inlandfokus.

Ganz vorne liegt auch Novartis – seit fünf Jahren auf Rang zwei. Zwischen den Einträgen «Visisure» und «Captelligence» hat sie 2019 nicht weniger als 249 Anträge publiziert. Die Zahlen seien mit Vorsicht zu geniessen, sagt Myrtha Hurtado Rivas, die bei Novartis weltweit für Marken verantwortlich ist. Man könne ein Pharmaunternehmen nicht gut mit Konsumgüterproduzenten vergleichen.

Sie verweist auf eine Eigenart ihrer Branche: Für ein einzelnes Produkt würden oft bis zu zehn Marken angemeldet. Ein Grund dafür sei, dass viele Bezeichnungen im Zulassungsprozess abgelehnt würden. «Die amerikanische FDA oder die EU-Behörde EMA unterziehen die Bezeichnungen sehr strengen Überprüfungen», erklärt sie. «Mindestens die Hälfte der eingetragenen Marken werden von ihnen zurückgewiesen.»

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Sandeep_Malhotra_Markenregister

Der König der Markeneinträge: Sandeep Malhotra.

Quelle: ZVG

Gleichzeitig gebe es Länder, in denen man mit eigenen Marken auftrete. Etwa Schwellenländer, bei denen «eine differenzierte Preispolitik auch differenzierte Marken» erforderlich mache. «Nicht zuletzt braucht unsere Generikasparte ­eigene Bezeichnungen. Oft auch verschiedene Marken für das gleiche Produkt.»

Novartis verwendet Fantasiebegriffe

Auch wenn Begriffe wie Braxmada und Expimrix (beide 2019 eingetragen) zufällig anmuten: Marken würden immer nur gezielt für ein bestehendes Produkt angemeldet, sagt Hurtado Rivas. Meistens verwende man jedoch Fantasiebegriffe ohne einen Produktbezug. Ärzte und Wissenschafter könnten teilweise noch Rückschlüsse ziehen, weil Hinweise auf Moleküle oder Therapien in die Begriffe eingebaut würden, fügt sie an. «Aber das kommt heute deutlich seltener vor als noch vor zehn Jahren.»

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Auf Rang drei der Markenkönige 2019 landet mit der Detailhändlerin Migros das erste Unternehmen mit Inlandfokus. Ein Grossteil der Eintragungen machen Marken der Migros-Industrie aus; von der «Gelateria Helvetia» im Januar über «Yog and You» im Sommer bis zum letzten Eintrag des Jahres: «Pinolumin», ein Arvenextrakt der Kosmetik-Tochter Mibelle. Auf Anfrage wollte sich die Migros nicht zu ihrer Markenpolitik äussern. Was aber auffällt: Verglichen mit Konkurrent Coop setzt die Migros weiterhin deutlich stärker auf Eigenmarken. Coop kommt – auch unter Berücksichtigung von Tochterfirmen – bloss auf einen Bruchteil der Einträge der Migros.

Auch Sandeep Malhotra möchte ein Produkt für die Schweiz kreieren: Im Fokus hat er das Wasser. Die Marke Acqua Svizzera hat er 2019 angemeldet – und auch eine gleichnamige Firma besitzt er bereits. Noch sei es aber zu früh für konkrete Pläne. Mit Indien und China hat er bis auf weiteres genug zu tun.

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