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Deshalb setzt Credit Suisse auf die neue Google-Cloud

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Google hat am Dienstag seine Schweizer Cloud-Region lanciert.Quelle: Lars Huebner

Google hat am Dienstag eine Schweizer Cloud-Region lanciert. Unternehmen wie Credit Suisse oder die Klinik Balgrist wollen sie nutzen.

Von Bastian Heiniger
am 12.03.2019

In der Daten-Wolke ist viel Geld zu holen. Der Markt wächst jährlich um mehr als 20 Prozent. Dass die amerikanischen Techgiganten Amazon, Microsoft und Google deshalb in der Schweiz ihre Cloud-Präsenz verstärken, hat die «Handelszeitung» in der letzten Ausgabe geschrieben. Besonders Google dreht nun auf. Und lanciert eine Cloud-Region für die Schweiz.

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Der US-Konzern betreibt nun weltweit 19 Cloud-Regionen, jene in Zürich ist der sechste Standort in Europa – nach Belgien, Grossbritannien, Deutschland, den Niederlanden und Finnland. Google will damit Unternehmen gewinnen, die ihre Daten in der Schweiz speichern wollen. «Vielen Firmen ist es wichtig, dass sie Services aus der Schweiz beziehen können und die Daten hier bleiben», sagte Googles Technik-Chef Urs Hölzle.

Ein Google-Kunde ist neben Roche, Migros, Valora und Swisscom etwa die Credit Suisse. «Wir haben uns für die Reise in die Cloud entschieden», sagte Stephan Hug, Group Chief Architect der CS, am Google-Event in Zürich. Zwar habe die Bank in der privaten Cloud gestartet, wolle nun aber mehr und mehr Daten in die Public Cloud transferieren. «Das war bisher nicht möglich, da kein grosser Cloud-Provider die Datenspeicherung in der Schweiz ermöglichte.» Dank der Public Cloud sollen zudem die Kosten sinken, wodurch mehr Raum für Innovationen entsteht.

Konkurrentin UBS etwa setzt auf Microsofts Cloud-Plattform Azure. Microsoft will dieses Jahr ebenfalls in der Schweiz eine Cloud-Infrastruktur eröffnen. Laut Bloomberg will die Bank künftig Firmendaten zunehmend in der Cloud speichern und die Zahl der 25 hauseigenen Datencenter reduzieren. Der Deal soll Hunderte Millionen Dollar schwer sein.

Krankheitsgeschichten gehen nicht in die Cloud

Interessant ist die Public Cloud (siehe Box) für Unternehmen besonders aus drei Gründen: Sie brauchen dann nicht eigene Datencenter zu betreiben, müssen nur für jene Rechenleistung bezahlen, die sie effektiv benötigen, und sie profitieren von Diensten wie etwa Machine Learning, Datenmanagement und Big-Data-Anwendungen.

Public Cloud

Tech-Konzerne wie etwa AWS, Microsoft, Google und IBM betreiben gigantische Rechenzentren. Sie bieten anderen Unternehmen und auch Privatpersonen an, diese Ressourcen übers Internet anzumieten. Da es für viele Unternehmen zu teuer ist, eigene Infrastruktur aufzubauen, setzen sie auf die Dienste der Cloud-Anbieter.

Private Cloud

Ein Unternehmen baut für seine Cloud-Lösung eigene Software- und IT-Infrastruktur auf und verwaltet sie in einem privaten Netzwerk. Zugänglich ist dieses dann für Mitarbeitende, gewisse Geschäftspartner und Kunden. Es gibt auch externe Dienstleister, die eine Private Cloud anbieten.

Hybrid Cloud

Die Hybrid Cloud ist eine Mischform. Hier werden jeweils eine oder mehrere öffentliche und private Cloud-Umgebungen miteinander kombiniert. Daten und Anwendungen können zwischen den verschiedenen Clouds geteilt werden.

Für die Banken- und Gesundheitsbranche ist es zudem wichtig, dass die Daten in der Schweiz gelagert sind. Stärker auf die Cloud setzen will dank dieser Möglichkeit nun die Zürcher Universitätsklinik Balgrist. «Wir laden nicht die Krankheitsgeschichten von Patienten in die Cloud. Für die Forschung sind wir aber auf eine grosse Anzahl anonymisierter Daten angewiesen», sagt Spitaldirektor Thomas Huggler zur «Handelszeitung».

Virtuelle Operationen für bessere Ergebnisse

Huggler hofft, dank der Datenmenge in der Cloud die Ergebnisse künftig zu quantifizieren. Der Eindruck, wie gut eine Operation gelungen und wie gut ein Bruch verheilt sei, basiere derzeit noch immer stark auf der subjektiven Einschätzung des Arztes. In Zukunft werden Ärzte also sagen können, zu welchem Prozentsatz etwa eine Hand nach einem Bruch wieder geheilt ist. 

Die Cloud soll auch Operationen verbessern. Bei komplexeren Eingriffen erstellt die Klinik vorab ein 3D-Modell des verletzten Körperteils. Der Chirurg führt dann vor der effektiven Operation am Modell einen virtuellen Testlauf durch. So kann er die OP besser planen und muss während des Eingriffs keine Entscheidungen ad hoc treffen. «Gerade in komplexen Fällen führt das zu besseren Ergebnissen», sagt Huggler. Bereits 150 solche Operationen hat das Balgrist durchgeführt, musste dafür aber auf manuelle Technologie zurückgegriffen. Dank der Cloud werde nun der gesamte Vorgang optimiert.