Während Jahrhunderten waren die Engländer im Bordelais machtvoll präsent. So hatten sich auch Kaufleute in Bordeaux niedergelassen und pflegten von hier aus regen Handel mit der Insel.
Claret war eines ihrer begehrtesten Produkte, ein leichter, hellfarbiger Rotwein, das französische «clair», hell also, mutierte zum englischen Claret. Mitte des 14. Jahrhunderts sollen jährlich rund 700 000 Hektoliter Claret nach England verschifft worden sein.

Die Idylle trügt. Klassische Bordeaux-Weine tun sich schwer. Auf Château de Fontenille sucht man neue Wege.
Bis vor kurzem war dieser einst erfolgreiche Weintyp von der Bildfläche verschwunden, in den letzten Jahrzehnten konnte Bordeaux nicht tieffarbig und füllig genug sein. Nun scheint der Wind zu drehen: In der Gunst der Konsumenten sind seit vielen Jahren Schaum- und Weissweine, Rotes tut generell schwer, auch in der Schweiz. So waren die Rotweineinfuhren 2025 erneut rückläufig, innerhalb des Zollkontingents wurden sechs Prozent weniger eingeführt.
Reaktion auf veränderte Trinkgewohnheiten
«Wir sehen, dass sich das Verhalten gerade auch der jungen Bevölkerung ändert», sagt Stephane Defraine, Besitzer von Château Fontenille. «Man isst weniger Fleisch und mehr Street Food, da passt ein Wein wie Claret sehr gut.» Er bezeichnet ihn als «fruité, léger, à boire frais». Und dies trifft auf seine Premiere präzis zu. Le Blanc Bec 2025, gekeltert aus Merlot und Malbec und ohne Säureabbau ausgebaut, ist süffig und beerig wie versprochen und erinnert in seiner Heiterkeit an Gamay oder Vernatsch, allerdings markiert Le Blanc Bec eine höhere Säure, sie tut ihm gut.

Die Reben von Château de Fontenille liegen direkt an der Garonne.
Grosses Potenzial
Was im Anbaugebiet Bordeaux AOC an Trauben reift, kann grundsätzlich zu Claret verarbeitet werden, die Hersteller haben sich allerdings an Produktionsvorschriften zu halten und muss eine offizielle Degustation bestehen. 2025 ist der erste Jahrgang, der als Claret Bordeaux AOC in den Verkauf kommen kann.
40 Produzenten mit einem Potenzial von 16'500 Hektoliter haben im vergangenen Jahr ihr Interesse an der Herstellung eines Claret angemeldet, davon haben 16 Produkte in der Pipeline, Stephane Defraine von Château Fontenille ist er erste, der den Claret bereits in der Flasche präsentieren kann. Man sollte ihn nicht mit dem längst existierenden Bordeaux Clairet verwechseln, dieser zählt zur Kategorie Rosé.


