Demnächst flattern die Steuerformulare wieder ins Haus. Für viele ein blosses Ärgernis, doch wer die Aufgabe mit einer Portion Gelassenheit, Disziplin und Sorgfalt angeht, kann wesentlich Steuern sparen. Entscheidend ist, dass kein legaler Abzug vergessen geht und mit den entsprechenden Quittungen belegt wird. Denn ohne Beleg werden viele Abzüge schlicht gestrichen. Das bedeutet, dass man seine grosse Schuhschachtel räumt und all seine Kaufquittungen, Rechnungs- und Bankbelege fein säuberlich ordnet. Listen und Beilagen zum Hauptformular helfen dabei und sollten als Erstes ausgefüllt werden. Erst am Schluss folgt der Übertrag ins Hauptformular. Die nachfolgenden Tipps helfen, dass Sie dem Staat letztlich auch wirklich nur das abliefern, was ihm zusteht.

24 TIPPS FÜR ALLE

Steuerfreie Einkünfte

▶ 1 Nicht jedes Einkommen muss deklariert werden: Steuerfrei sind Ergänzungsleistungen zu AHV und IV, private Kapitalgewinne auf Wertpapiere und Sammelobjekte, Abfindungen und Genugtuungsleistungen, der Sold für Militär- und Zivildienst sowie die Milizfeuerwehr bis 5000 Franken pro Jahr. Steuerfrei sind weiter Subventionen in der Landwirtschaft (nicht aber Direktzahlungen), Unterstützungs- und Unterhaltsleistungen durch Familienangehörige.

Persönliche Abzüge

▶ 2 Alimente für die Kinder und an den ehemaligen Ehepartner darf man in Abzug bringen. Dafür muss sie der Empfänger versteuern. Sind die Kinder erwachsen, bleiben die Alimente bei den Kindern steuerfrei. Der zahlende Elternteil darf sie aber nicht mehr in Abzug bringen.

3 Auch Pflegekosten darf man abziehen, soweit nicht die Versicherung dafür aufkommt. Liegt der Pflegeaufwand bei über 60 Minuten pro Tag, gilt man als behindert. In diesem Fall darf man die Behindertenkosten, beispielsweise im Alters- und Pflegeheim, abziehen, nicht aber die Lebenshaltungskosten (Hotellerie) und unentgeltlich erbrachte Pflegeleistungen.

Vorsorge

4 Der freiwillige Einkauf in die Pensionskasse ist voll abzugsfähig. Es gilt das Einkaufsjahr – dies auch dann, wenn die Bestätigung der Vorsorgestiftung erst zu Beginn des Folgejahrs eintrifft. Der Beleg muss zwingend beigelegt werden.

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5 Beiträge an die gebundene Altersvorsorge der Säule 3a darf man vom Einkommen abziehen. Für Vorsorgesparer mit Pensionskasse beträgt der Maximalabzug 6826 Franken (Angestellte; 2019/2020), ohne Pensionskasse (meist Selbstständige) sind es 20 Prozent des Nettoeinkommens, höchstens aber 34'128 Franken. Der Beleg muss zwingend beigelegt werden.

Beruf

6 Berufsnotwendige Auslagen darf man abziehen. Dazu gehören beispielsweise Werkzeuge, Computer, Handy, Fachliteratur, Berufskleider und in vielen Kantonen auch Beiträge an Berufsverbände und Gewerkschaften. Alternativ kann man eine Pauschale beanspruchen, meist 3 Prozent des Nettoeinkommens. Die kantonalen Unterschiede sind aber gross (siehe rechts).

7 Die Mehrkosten für auswärtige Verpflegung darf man abziehen, wenn man nicht zu Hause essen kann, etwa weil die Mittagszeit zu kurz ist oder der Weg zu lang (mehr als 15 Kilometer). Der Abzug beträgt 15 Franken pro Arbeitstag, die Hälfte bei Kantinenverpflegung.

8 Die Kosten für Ihr Fahrrad sind bei den Arbeitskosten abzugsfähig, sofern Sie Ihren Arbeitsweg mit dem Velo zurücklegen – je nach Kanton zwischen 300 und 700 Franken. Sie können die Velopauschale selbst dann abziehen, wenn Sie das Fahrrad nur unregelmässig benutzen. Und wenn sie es zeitsparend für den Weg zum Bahnhof oder zur Busstation einsetzen, dürfen Sie die ÖV-Kosten und die Velopauschale abziehen.

9 Berufsbegleitende Aus- und Weiterbildungskosten darf man beim Bund und in allen Kantonen bis zum Maximum von 12 000 Franken abziehen. Dabei spielt es im Gegensatz zu früher keine Rolle mehr, ob mit der Weiterbildung auch Aufstiegschancen wahrgenommen werden.

10 Kleine Geschenke: Ihr Arbeitgeber vergütet das Halbtax-Abonnement? Sie dürfen die Gutschrift für Flugmeilen privat nutzen? Am Arbeitsplatz steht Ihnen ein Gratisparkplatz zur Verfügung? Und Ihren Ehepartner durften Sie kostenlos auf die Geschäftsreise mitnehmen? Alles kein Problem. Steuerpflichtig sind solche Goodies nicht.

▶ 11 Treueprämien, Bargeschenke, Provisionen und Gratifikationen müssen Sie versteuern. Naturalgeschenke bis 500 Franken sind dagegen steuerfrei. Das gilt auch für Reka-Checks. Erhalten Sie die Reka-Checks nur verbilligt, ist sogar eine Vergünstigung bis 600 Franken zulässig.

▶ 12 Monatliche Pauschalspesen sind nicht steuerpflichtig. Was sie genau beinhalten, ist meist in einem Spesenreglement festgehalten. Das können die Kosten für den öffentlichen Verkehr sein, die Nutzung des Privatfahrzeuges für das Geschäft, Auslagen für Handy und Internet, Fachliteratur, Zeitungen, Repräsentationsaufwand und vieles mehr. Im Gegenzug darf man diese Kosten nicht mehr als Berufsaufwand abziehen.

▶ 13 Wer arbeitslos war, darf auch seine Bewerbungskosten, beispielsweise also die Bewerbungsmappe, Kopien und Porti, in Abzug bringen. Das Steueramt kann aber einen Nachweis verlangen.

▶ 14 Wochenaufenthalter dürfen die zusätzlichen Wegkosten sowie die Zweitunterkunft am Arbeitsort abziehen. Der Abzug ist auf die Kosten eines Zimmers oder einer Einzimmerwohnung begrenzt.

Das ist neu im Steuerjahr 2020

Investitionen in die energetische Gebäudesanierung darf man steuerlich abziehen – egal, ob werterhaltend oder wertvermehrend. Neu darf man sie ab 2020 sogar über maximal drei Steuerperioden geltend machen, wenn sie im ersten Jahr nicht vollständig berücksichtigt werden konnten. Grosse Renovationsarbeiten müssen somit nicht mehr über mehrere Jahre verteilt werden. Neu sind ab 2020 auch die Abbruchkosten abzugsfähig, wenn dafür ein Ersatzbau erstellt wird.

Selbstständige

15 Gewinnmindernde Rückstellungen kann man für konkret drohende Risiken vornehmen, so etwa für Prozesskosten oder zahlungsunfähige Schuldner.

▶ 16 Auf Maschinen und Einrichtungen dürfen Selbstständige Abschreibungen vornehmen. Sie reichen von 3 (Wohnbauten) bis zu 45 Prozent (Werkzeuge). Die Prozentangaben beziehen sich immer auf den Restwert des Vorjahres. Bei linearen Abschreibungen halbieren sich diese Werte (Tabelle rechts oben).

17 Der steuerpflichtige Gewinn lässt sich reduzieren, indem man für seine Mitarbeitenden Vorauszahlungen in die Pensionskasse leistet.

18 Selbstständige – nicht aber Privatpersonen – dürfen die Leasingraten für das Geschäftsauto in Abzug bringen.

Immobilien

19 Werterhaltende Unterhalts- und Renovationskosten darf man gegen Beleg abziehen. Darunter fallen unter anderem die Erneuerung von Fassade, Dach und Heizung oder der Ersatz von Küchengeräten. Ohne jeden Beleg darf man aber in allen Kantonen alternativ auch einen Pauschalabzug vornehmen. Die Bedingungen sind allerdings unterschiedlich (siehe Tabelle). Wertvermehrende Arbeiten – beispielsweise ein Anbau oder der Ausbau des Dachstocks – darf man nicht abziehen. Man kann sie aber bei einem allfälligen Verkauf zur Minderung der Grundstückgewinnsteuer anrechnen.

20 Haben Sie Ihre Kinder oder andere Nahestehende gratis wohnen lassen? Dann müssen Sie den vollen Eigenmietwert auf die betreffende Wohnung oder das Haus bezahlen. Besser, Sie verlangen mindestens 51 Prozent des Eigenmietwerts als Mietzins. Dann müssen Sie nur diese Einkünfte versteuern. Es steht Ihnen immer noch frei, Ihren Kindern eine – steuerfreie – Schenkung auszurichten.

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Sonstiges

21 Schuldzinsen, beispielsweise für die Hypothek oder einen Kredit, darf man von seinem Einkommen fast unbeschränkt abziehen, die Schuld selbst vom Vermögen. Dazu gehören auch unbezahlte Rechnungen, etwa für die Steuern, sowie allfällige Verzugszinsen.

▶ 22 Zinscoupons von Obligationen müssen ebenso wie Dividenden als Einkommen versteuert werden. Dazu gehören auch Erträge aus Anlagefonds, egal, ob sie ausgeschüttet oder reinvestiert werden. Nicht zu versteuern sind sogenannte Nennwertrückzahlungen. Ebenfalls steuerfrei sind sogenannte Agio-Rückzahlungen (Kapitaleinlageprinzip gemäss Unternehmenssteuerreform II).

23 Vergessen Sie nicht, die Verrechnungssteuer zurückzufordern. Bereits nach drei Jahren ist der Anspruch verwirkt.

▶ 24 Casinogewinne im In- und Ausland sind von der Steuer befreit. Neu sind aber auch Lotteriegewinne bis zu 1 Million Franken steuerfrei. Bei der Bundessteuer darf man zudem pauschal 5 Prozent des Gewinns als Einsatzkosten abziehen, maximal aber 5000 Franken.

24 ZUSATZTIPPS JE NACH KANTON

Persönliche Abzüge

1 Beim Bund und in den meisten Kantonen darf man selbst getragene Kosten für (Zahn-)Arzt, Apotheke und Spital abziehen, soweit sie 5 Prozent des Nettoeinkommens überschreiten. Die Kantone Glarus und Schwyz sowie St. Gallen und Wallis kennen tiefere, für die Steuerpflichtigen günstigere Tarife. In Genf liegt die Limite bei 0,5 Prozent, Baselland verzichtet auf eine Grenze.

2 Der Bund und zehn weitere Kantone (unter anderem Bern und Basel-Stadt) kennen einen Verheiratetenabzug. Er gilt auch für eingetragene Paare.

3 Der Bund und alle Kantone gewähren einen Kinderabzug. Er reicht von 750 (Baselland) bis 12'000 Franken (Zug).

4 Der Bund und alle Kantone kennen einen Abzug für externe Betreuung von Kindern unter 14 Jahren. Beim Bund liegt er bei maximal 10'100 Franken. Luzern, Zug und das Wallis gewähren Abzüge auch für eigenbetreute Kinder.

5 Unterstützungsbeiträge an Nahestehende im Rentenalter darf man beim Bund und in vielen Kantonen gegen Nachweis in Abzug bringen. Die empfangende Person muss die Zahlungen nicht versteuern. Keinen Unterstützungsabzug kennen die beiden Appenzell, Genf, Schwyz und St. Gallen.

6 Einelternfamilien (Alleinerziehende) profitieren in sieben Kantonen von einem speziellen Sozialabzug. Andere Kantone kennen dafür verschiedene Splitting-Modelle.

7 Rund die Hälfte aller Kantone gewährt einen Spezialabzug für Rentner und Arbeitsunfähige. Sie gehen bis 17'600 Franken (Waadt).

8 Versicherungsprämien und Sparzinsen darf man abziehen. Die Höhe der Abzüge unterscheidet sich kantonal und reicht für Alleinstehende mit Pensionskasse der Säule 3a von 1500 (Schaffhausen) bis 5200 Franken (Tessin). Ohne PK und 3a liegen die Abzüge in vielen Kantonen etwas höher (Tabelle oben).

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9 Als Gegenstück zum Pauschalabzug für Eigenheimbesitzer dürfen die Steuerpflichtigen in den Kantonen Waadt und Zug einen Mietzinsabzug vornehmen.

10 Wer seine Kinder auf eine Privatschule schickt, muss die Kosten dafür vollumfänglich selber tragen, ein Steuerabzug ist nicht zulässig. Einzelne Kantone ermöglichen aber, dass der Arbeitgeber die Schulkosten von Expats übernimmt, ohne dass dies zu einer Aufrechnung als Einkommen führt. Einige Kantone gestatten zudem Abzüge für die Rudolf-Steiner-Schule.

Beruf

11 Beim Bund und in den meisten Kantonen ist der Pauschalabzug für Berufsauslagen auf 4000 Franken begrenzt. In Baselland beträgt der Abzug nur 500 Franken, Nidwalden lässt pauschale Berufsabzüge bis 7000 Franken zu.

12 Doppelverdiener dürfen bei der Bundessteuer vom tieferen Einkommen bis zu 13'400 Franken abziehen, mindestens 8300 Franken. Bei den Kantonen schwanken die Abzüge zwischen 500 (Freiburg) und 10'000 Franken (Glarus). Nur der Kanton Thurgau kennt diesen Abzug nicht.

13 Kosten für den Abzug des Privatautos (70 Rappen pro Kilometer) darf man nur abziehen, wenn für den Arbeitsweg keine zumutbaren öffentlichen Verkehrsmittel verfügbar sind. Kriterien: Zeitersparnis pro Tag mehr als 1 Stunde (Baselland: 2,5 Stunden), nächste Haltestelle mehr als 1 Kilometer entfernt.

14 Der Pendlerabzug für Fahrten im Privatauto ist beim Bund und in vielen Kantonen begrenzt; beim Bund und in Basel-Stadt beispielsweise auf 3000 Franken jährlich. In Genf sind es lediglich 500 Franken, in allen anderen Kantonen liegt die Limite höher, in Zürich beispielsweise bei 5000 und in Bern bei 6700 Franken. Elf Kantone verzichten auf eine Begrenzung.

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15 Beim Bund und in den meisten Kantonen ist die Anzahl Arbeitstage pro Jahr auf 220 festgelegt. In Schaffhausen und Zürich sind es 240, in den beiden Appenzell und St. Gallen 230, in Glarus 228 und im Thurgau 225 Tage. Entsprechend darf man dort höhere Abzüge für den Arbeitsweg oder die auswärtige Verpflegung vornehmen.

16 Für einen Nebenverdienst darf man üblicherweise 20 Prozent der Nebeneinkünfte als Berufsauslagen abziehen, maximal 2400 Franken. Nicht aber in Schwyz; im Tessin sind sie auf 800 Franken begrenzt.

▶ 17 Schaffhausen, St. Gallen und Zürich gewähren einen pauschalen Weiterbildungsabzug von 400 beziehungsweise 500 (Zürich) Franken.

18 Der Abzug für ein Arbeitszimmer ist nur möglich, wenn man regelmässig auch abends und am Wochenende zu Hause arbeiten muss. Wie hoch der Abzug ist, berechnen die Kantone unterschiedlich. Der Bund und die meisten Kantone rechnen mit den Mietkosten beziehungsweise dem Eigenmietwert geteilt durch die Anzahl Zimmer plus 2. Sieben Kantone, darunter Zürich, teilen durch die Anzahl Zimmer plus 1.

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19 Selbstständige dürfen Verluste aus den Vorjahren vom Gewinn in Abzug bringen. Je nach Kanton ist es so möglich, den Gewinn für drei bis sieben Jahre zu reduzieren.

Immobilien

20 Wer den pauschalen Abzug für den Gebäudeunterhalt wählt, darf in den meisten Kantonen 10 (bei Liegenschaften, die weniger als zehn Jahre alt sind) beziehungsweise 20 Prozent (über zehn Jahre) abziehen. Einzelne Kantone gewähren aber höhere Pauschalabzüge, Schaffhausen beispielsweise 15 beziehungsweise 25 Prozent, Baselland 20 beziehungsweise 25 Prozent und St. Gallen sowie Zürich gewähren auch für Liegenschaften unter zehn Jahren schon 20 Prozent.

21 In vielen Kantonen gelten Prämien für die Gebäudeversicherung sowie weitere Versicherungen und Anschlussgebühren zum Unterhalt.

22 Wer nur einen Teil seines Eigenheims nutzt, muss in einigen Kantonen wegen «Unternutzung» nur einen Teil des Eigenmietwerts versteuern. Dies betrifft neben dem Bund zehn Kantone, darunter Zürich und der Thurgau, nicht aber Basel-Stadt und Bern.

Sonstiges

23 Bund und Kantone gestatten gegen Beleg einen Abzug für Spenden an gemeinnützige Organisationen. Beim Bund können maximal 20 Prozent des steuerbaren Einkommens abgezogen werden, bei den Kantonen zwischen 5 und 20 Prozent. Nur Baselland kennt keine Begrenzung.

24 Die Kosten für die Vermögensverwaltung – etwa Depotgebühren und Bankspesen oder Gebühren für Steuerausweise – darf man gegen Nachweis abziehen, nicht aber die Gebühren für die externe Vermögensverwaltung oder für Börsengeschäfte. Einige Kantone gewähren Pauschalabzüge zwischen 0,5 und 3 Promille auf das Bar- und Wertschriftenvermögen, in Zürich sind es beispielsweise 3 Promille.

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