Pascal Mathis ist ein erfolgreicher Gründer und kennt die Sorgen und Nöte junger Startup-Firmen nur zu gut. Als ETH-Student und Co-Gründer von Getyourguide musste er in frühen Tagen des Touren-Portals erleben, wie es ist, wenn kein Business Angel und kein Sponsor in Sichtweite war: «Damals mussten wir unsere Eltern anpumpen», sagt der Ex-Google-Mann und Mitgründer von Wingman Ventures. Die Venture-Capital-Firma verwaltet einen 80-Millionen-Dollar-Fonds und investiert gezielt in Schweizer Jungfirmen.

Mathis weiss daher genau, wie schwer es ist, als Startup-Unternehmer in der ganz frühen Phase an Geld zu kommen. Deshalb will Wingman nun direkt an Schweizer Universitäten loslegen.

An drei Unis je fünf Investitionen à 20'000 Franken

Die Idee: An drei Unis in der Schweiz – HSG St. Gallen, ETH Zürich und EFPL Lausanne – bekommen studentische Gründerinnen und Gründer 20’000 Franken. Pro Uni soll es fünf Investment-Cases geben, das macht also 100’000 Franken pro Uni. Name der Operation: Wingman Campus Fund.

Das Konzept, dass Venture-Capital-Firmen wie Wingman direkt an die Uni gehen, gibt es im Ausland schon längst, so etwa in den USA, Kanada und in Israel. In den USA heisst solch ein Anbieter «Dorm Room Fund». In dieser Art will Wingman auch hierzulande aktiv werden. 

Junge Talente aufspüren 

Wingman «will helfen, frühzeitig talentierte Startups zu finden und ihnen Geld und Mentoring zu bieten», wie Pascal Mathis sagt. Doch klar ist auch, dass Wingman damit bei vielversprechenden Jungfirmen frühzeitig einen Fuss in der Tür hat. Nach dem Motto: Ist der nächste Mark Zuckerberg in St. Gallen, Zürich oder Lausanne aktiv, soll er nicht zu einem grossen Arbeitgeber wie Google, Facebook oder Siemens abwandern, sondern seine Idee vorantreiben und eng mit Wingman verbunden bleiben.

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Pascal Mathis, Investor Wingman Ventures

Pascal Mathis, Co-Gründer von Getyourguide: Will als Investor Studierende in der Frühphase der Gründung unterstützen. 

Quelle: ZVG

Konkret zieht Wingmans Campus-Fond mit sogenannten «Convertible Notes» ins Feld. Mit diesen Wandelanleihen ist Wingman schon von Beginn weg mit einem Engagement drin bei vielversprechenden Jungfirmen. Genau wie Studis, die einfach mal loslegen mit ihren Ideen, geht auch Wingman ans Werk.

Explizit informiert habe man die Universitäten, die oft auch selber Förderprogramme betreiben, nicht. Eher unüblich im Vergleich zur typischen Schweizer Herangehensweise, bei der in der Regel früh schon alle Player mit ins Boot genommen werden.

«An den wichtigsten Schweizer Unis hat es nach wie vor doppelt so viele gute Ideen und Teams wie Fördergelder.»

Nicolas Berg, Investor

In diesem Fall sei das unproblematisch, sagt Nicolas Berg. Der zwölffache Schweizer Startup-Gründer (zum Beispiel Borsalino) und Investor (Xing) begrüsst Wingmans Campus-Offensive grundsätzlich: «Jeder neue Fonds ist gut fürs Schweizer Startup-Ökosystem. An den wichtigsten Schweizer Unis hat es nach wie vor doppelt so viele gute Ideen und Teams wie Fördergelder.»

Berg, der auch als Startup-Coach und Kursleiter an der ETH Zürich tätig ist, weiss um das Wesen des Earlybird-Monitorings in der Welt des Jungunternehmertums: «Früherkennung ist extrem wichtig bei Startups. Da lohnt es sich, dranzubleiben und die Entwicklung von Teams und deren Ideen zu verfolgen.» Zur Höhe der Finanzspritzen von 20’000 Franken sagt Berg: «Das finde ich persönlich für einen Fonds wie Wingman eher am unteren Ende des Idealen.» 

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Mehr als nur Geld

Das ficht Edouard Treccani an. Der Romand ist Head of Partnerships bei Wingman Ventures und in dieser Position für das neue Campus-Programm zuständig: «Die Unterstützung hört nicht bei den 20’000 Franken auf», so Treccani, «sondern wir bieten den Startups in ihrer Frühphase auch beratende Unterstützung an.»

Schon im April werde das Programm starten; man werde dazu mit Trendscouts an den drei Unis zusammenarbeiten. Für Startup-Gründerinnen und -Gründer werde es dabei zwei Möglichkeiten geben, auf den Schirm von Wingman zu geraten, sagt Treccani: «Entweder sie melden sich auf unserer Website. Oder aber – was wahrscheinlicher ist – sie werden von unseren Startup-Scouts entdeckt.»

Wenn die Idee der Bonsai-Frühfinanzierung an Schweizer Unis erfolgreich verlaufe, so Mathis, könnte die Massnahme auch skaliert werden. Etwa zusätzlich auch an Schweizer Fachhochschulen oder gar im Ausland: «Damit könnten wir im Erfolgsfalle auch in Europa expandieren.» 

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