Bei den Versicherungskonzernen ist der Lack angekratzt. Kursrückgänge von fast 30 Prozent wie bei Swiss Re oder fast 15 Prozent wie bei Zurich – damit erwies sich 2020 für die Aktionärinnen und Aktionäre der beiden Weltkonzerne bis jetzt als ziemlich unerfreulich. In einem Punkt aber sind beide SMI-Mitglieder immer noch vorne: bei der Dividende. Gegenwärtig würden die Anteilseigner der Swiss Re mit der letzten bekannten Dividendenzahlung 7,9 Prozent des Aktienkurses erhalten. Bei der Zurich-Versicherungsgruppe beträgt diese Dividendenrendite 5,9 Prozent.

Zwar sind die Dividendenaussichten mit der Coronaviruskrise trüber geworden: Rund zehn Prozent der im SPI gelisteten Unternehmen haben die Dividende vor der letzten Auszahlungssaison gestrichen. Auch angesichts von Kritik an den Gewinnausschüttungen haben aber gerade Finanzunternehmen betont, an ihren Ausschüttungsplänen festzuhalten.

Eine Frage der Ehre

Für die Zurich ist die Beibehaltung der seit Jahren sehr anlegerfreundlichen Politik schon fast eine Frage der Ehre: Eine Kürzung der Dividende wird weiter als unwahrscheinlich gesehen. Die Swiss Re wiederum sitzt auf viel Eigenkapital und kann sich eine gewisse Grosszügigkeit leisten. 

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Bei Swiss Re oder Zurich oder auch dem Dividenden-Evergreen Swisscom (4,4 Prozent Rendite) sind Investoren gut aufgehoben. 4,5 bis fast 8 Prozent Rendite ist unglaublich viel mehr als die Mini-Renditen, die sich mit Obligationen erzielen lassen – wenn diese nicht sowieso negativ rentieren. 

Bei den Kursaussichten dürften Anleger angesichts der volatilen Börsenlage aber nicht allzuviele Erwartungen hegen: Diese Woche wurde beispielsweise mitgeteilt, dass die grossen Rückversicherer – darunter die Swiss Re – zehn Milliarden Euro Verluste durch die Coronakrise erleiden werden.

Anlegerinnen und Anleger sollten bei Dividendenüberlegungen aber auch nach Titeln Ausschau halten, die Kursgewinne versprechen: Diese müssen – im Gegensatz zu den Dividenden – nicht als Einkommen versteuert werden. Der Kauf einer guten Dividendenaktie lohnt sich also noch viel mehr, wenn sich ihr Wert steigert. 

Dividende oder Kurs als Argument?

Tiefe Kurse haben auch die beiden Winterthurer Industriegruppe Rieter (5,6 Prozent) und Sulzer (4,9 Prozent) in die Top-Ränge der Dividendenzahler gehievt. Der deutlich konjunkturanfällige Textilmaschinenbauer Rieter steht selten auf dem Kauf-Zettel der Analysten - zudem wurde im März die Dividende gekürzt. Dafür trauen die Experten dem mit üppigen Barmitteln ausgestatteten Anlagenbauer Sulzer mehr zu. Dies vor allem dann, wenn sich der Ölpreis für den Pumpenhersteller günstig entwickeln sollte. 

Zu den besten Dividendenzahlern am Schweizer Markt mit einem tiefen Kurs gehört die Valiant-Regionalbankengruppe aus dem Schweizer Mittelland: 5,9 Prozent Rendite, aber ein im Vergleich zum Jahresanfang um 14 Prozent gesunkener Kurs. Dies hat seinen Grund: Die Valiant ist eine solide Regionalbankengruppe, aber es fehlen Kurstreiber. Wenn, dann kauft man diese Aktie im Moment tatsächlich dank der guten Dividende

Corona-Knick

Noch Potential hat hingegen die seit langem als Dividendenaktie geschätzte Cembra Money Bank (4,5 Prozent), die ihren Corona-Knick noch nicht ausgeglichen hat. Anleger sollten sich aber durchaus auch mit dem Finanzbroker Compagnie Financière Tradition (4,3 Prozent) befassen. Die Aktie ist zwar auf Allzeithoch. Die volatile Börsenlage bringt dem Broker, der unter anderem derivative Finanzinstrumente vertreibt, zusätzliche Geschäfte. 

Trotz weltweiten Rezessionserscheinungen bliebt auch LafargeHolcim (4,7 Prozent) aus Sicht vieler Experten ein Aktie mit Potential. Risikofreudigere Anleger dürfen es auch durchaus mit der UBS-Aktie (3 Prozent) probieren. Der Chefwechsel von Sergio Ermotti zu Ralph Hamers im November könnte etwas Kursfantasien entstehen lassen. Offenbar hat die Bank ihre Kreditrisiken auch besser im Griff als befürchtet.

Kaufen, um zu verkaufen

Bei der schwankungsanfälligen Grossbank-Aktie allerdings gilt noch immer: Kaufen, aber auch merken, wann man wieder verkaufen muss. Die als 3 Prozent verzeichnete Dividendenrendite sind übrigens eine etwas irreführende Information: Auf öffentlichen Druck hin hat die Bank im Frühling nur die Hälfte ihrer geplanten 0,73 Dollar Dividende pro Aktie weitergegeben. Über die Auszahlung der zweiten Hälfte als Spezialdividende soll im November entschieden werden. 

Ein weiterer Vorteil bietet sich bei der UBS- wie auch der LafargeHolcim-Aktie: Die Dividende könnte weiterhin zumindest teilweise ohne Verrechnungssteuerpflicht ausgeschüttet werden. Lange orientierten sich Anleger an «steuerfreien» Dividenden. Aktionären kam jahrelang zu Gute, dass Unternehmen die Ausschüttung als «steuerbefreite Rückzahlung aus der Kapitaleinlagenreserve» - wie es offiziell heisst -  ausrichten konnten. Die dritte Unternehmenssteuerreform des Schweizer Staates schränkt diese Praxis seit diesem Jahr aber wieder ein.

Steuerfreie Dividenden aus der Kapitalreserve sind auch nur möglich, wenn ein Unternehmen über solche Reserven verfügt. Einige Schweizer Konzerne - darunter Credit Suisse und Lonza - haben, Stand Anfang 2020, noch die Möglichkeit, für viele Jahre die Dividende teilweise steuerfrei auszubezahlen. Bei den derzeitigen Top-Rendite-Aktien im SPI hat nur die UBS noch solche Reserven für mehrere Jahre. 

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