Anlegerinnen und Anleger, die 2023 für die Generierung von passiven Einkommen nach guten Dividendenzahlern Ausschau halten, kommen bei der regionalen Diversifizierung am US-Markt nicht vorbei. Eine unkomplizierte Lösung ist ein Investment in ein ETF (Exchange Traded Funds). Für eine Abdeckung der gängigen US-Dividendenaktien ist der «SPDR S&P Dividend ETF» geeignet, der auf eine Ausschüttungsrendite von 2,6 Prozent kommt.

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Doch auch ein Investment in Einzeltitel kann sehr lohnend sein. Unternehmen, die über Jahre grosszügig Dividenden ausschütten, verfügen meist über eine solide Bilanz mit vergleichsweise hohen Eigenkapitalquoten, einer niedrigen Verschuldung und einer guten Cash-Position. Dies wird im gegenwärtigen Umfeld, wo manche Prognostiker eine ausgewachsene Rezession in den USA erwarten, umso wichtiger.

Eine Richtzahl ist die Dividendenrendite. Sie errechnet sich mit der Dividende pro Aktie eines Unternehmens geteilt durch den Kurspreis der Aktie. Ebenso wichtig ist aber, dass Dividenden mit einer gewissen Konstanz gezahlt und langfristig dank eines nachhaltigen Wachstums tendenziell gesteigert werden.

Von den 609 US-Large-Cap-Unternehmen - Marktkapitalisierung von mehr als 10 Milliarden Dollar - wurden daher diejenigen 30 Aktien mit der grössten Dividendenrendite anhand folgender Kriterien ausgewählt: Das Unternehmen zahlt seit mindestens fünf Jahren eine Dividende und hat diese in dieser Zeitspanne gesteigert. Zudem wurden maximal die drei besten Titel aus dem gleichen Segment ausgewählt, da sonst die Anbieter von Energieinfrastruktur die untenstehende Tabelle dominiert hätten.

 
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Investment-Urgestein Carl Icahn bietet die grösste Dividendenrendite

Die grösste Dividendenrendite bietet aktuell Icahn Enterprises (15,1 Prozent), an dem Investment-Urgestein Carl Icahn einen Anteil von knapp 90 Prozent hält - der Streubesitz ist dementsprechend beschränkt. Das Unternehmen hält Investitionen in verschiedenen Branchen, darunter Energie, Automobil, Lebensmittelverpackungen, Metalle, Immobilien und Heimtextilien. Icahn Enterprises kämpfte zuletzt damit, schwarze Zahlen zu schreiben. Die Investmentbank Jefferies empfiehlt den Titel trotzdem mit einem Kursziel von 70 Dollar zum Kauf, was neben der hohen Dividendenrendite einem Aufwärtspotenzial von 32 Prozent entspricht.

Unter den fünf Titeln mit der grössten Dividendenrendite stammen gleich drei aus der Energiewirtschaft. Coterra Energy (11,0 Prozent) fördert Erdgas, Pioneer Natural Resources (9,8 Prozent) Erdöl und MPLX (9,1 Prozent) transportiert, lagert und handelt mit rohen oder raffinierten Erdölprodukten. Während die Erdgas- und Erdölförderer mit der Korrektur bei den Rostoffpreisen wieder zurückgekommen sind, weisen Infrastrukturanbieter wie MPLX, Magellan Midstream Partners (8,0 Prozent) oder Enterprise Products (7,8 Prozent) eine geringere Volatilität auf. Allen gemein ist hingegen, dass die Gewinne, die Dividendenfähigkeit und die Ausschüttungen stark angezogen haben. 

Gerade die Ölförderer könnten dieses Jahr zusätzlich zur hohen Dividende erneut interessant werden. Eben erst prognostizierte die UBS aufgrund der China-Öffnung und weiterbestehenden Problemen der weltweiten Energieversorgung, dass der Preis für die Sorte Brent 2023 auf 110 Dollar und für WTI auf 107 Dollar steigen wird. In diesem Szenario würden die Ölpreise nach der starken Korrektur seit vergangenem Juni wieder um bis zu 35 Prozent zulegen. Hinsichtlich des Kurspotenzials inklusive Dividendenrendite böte sich Devon Energy (8,6 Prozent) als Investment an.

Viele Unternehmen schütten aus der Substanz aus

Wichtig ist neben der absoluten Höhe der Dividendenrendite auch die Ausschüttungsquote. Diese sollte tendenziell nicht über zwei Drittel des Nettogewinnes liegen, da ansonsten im Falle eines Gewinnrückgangs das Risiko einer Dividendenkürzung besteht. In dieser Hinsicht mit einer Auschüttungsquote von mehr als 100 Prozent am deutlichsten gefährdet sind der Energieinfrasturkturbetreiber MPLX, der Tabakkonzern Altria Group, die Immobilieninvestmenttrusts Boston Properties, Gaming and Leisure Properties und W. P. Carey, der Informationsmanagementdienstleister Iron Mountain Incorporated, das Aussenwerbungs-Unternehmen Lamar Advertising Company und der Technologiekonzern IBM.

Insbesondere lässt aufhorchen, dass IBM seit 2020 die Dividende teilweise aus der eigenen Substanz bezahlt. Das IT-Urgestein gilt als Dividendenaristokrat und hat beim Aktienkurs innerhalb eines Jahres entgegen dem Markttrend 7 Prozent zugelegt. 

Um in die Liga der Dividenden-Aristokraten aufzusteigen, muss eine Aktie drei Kriterien erfüllen: Das Unternehmen muss seit mindestens 25 Jahren eine Dividende zahlen, die Ausschüttung jedes Jahr erhöhen und ein Teil des S&P 500 Index sein – und dabei eine Marktkapitalisation von mindestens 3 Milliarden Dollar aufweisen.

 
 

Diese Dividendenfähigkeit macht die Unternehmen zu so etwas wie dem Nonplusultra unter den Qualitätsaktien, die Betrachtung der Kennzahlen ist aber eine Sicht auf die Vergangenheit. So könnte IBM den 2021 erlangten «Adelstitel» auch schnell wieder abgeben.

In dieser Hinsicht mehr Sicherheit erhalten Anlegerinnen und Anleger bei den Aristokraten 3M, VF Corporation und Walgreens Boots Alliance. Die Titel haben auf Jahressicht um zwischen 30 und 57 Prozent korrigiert, was auch die hohen Dividenden erklärt. Mit grossen Kurssprüngen rechnen die von Bloomberg befragten Analysten hier nicht.

Versicherer und Telekommunikation als Dividenden-Klassiker

Wer einen guten Dividendenzahler sucht, der wie IBM vom Megatrend Digitalisierung profitiert, aber mehr Fantasie und Volatilität bietet, ist bei Digital Realty (4,6 Prozent) richtig. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Bereitstellung von Rechenzentren, Colocation- und Interconnection-Lösungen und bedient die Branchen künstliche Intelligenz, Netzwerke, Cloud, digitale Medien, Mobile, Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen und Gaming.

Auch der Chipspezialist Intel (5,2 Prozent) ist eher etwas für mutige: Es gibt immer wieder Probleme bei der Umstellung auf die neueste Chipgeneration. Nun sollen Kostensenkungen für bessere Zahlen sorgen - bis Ende 2025 will man jährlich acht bis zehn Milliarden Dollar einsparen. 

Für defensiver gestimmte Gemüter eignet sich hingegen das Versicherungs- und Finanzunternehmen Prudential Financial. Dieses dürfte vom Langfristtrend «Alternde Bevölkerung» profitieren, da steigende Lebenserwartungen die öffentlichen Rentensysteme wohl langfristig überfordern und die Nachfrage nach privaten Vorsorgeprodukten steigt. Bullish sind die von Bloomberg befragten Analysten zudem beim Versicherer Metlife, das es mit einer Dividendenrendite von 2,9 Prozent nicht auf obenstehende Liste geschafft hat.

Auch der zweitgrösste US-Telekommunikationskonzern Verizon Communications bleibt trotz letztjährig scharfer Korrektur beim Aktienkurs – die Zahlen zum dritten Quartal enttäuschten – interessant. Laut Morgan Stanley besteht wegen der guten Marktposition trotz hartem Wettbewerb auf dem US-Markt eine grosse Chance auf eine bessere operative Leistung im Jahr 2023. Der US-Branchenprimus AT&T wurde trotz einer Dividendenrendite von 5,8 Prozent nicht berücksichtigt, da in den letzten 5 Jahren die Ausschüttungssumme deutlich geschrumpft ist.