Wie sind Sie in der Krise mit Ihrem Aktienportfolio umgegangen? Halten, verkaufen oder kaufen?
Birgit Schrowange: Halten, auf jeden Fall. Zusätzlich habe ich meine monatliche Sparrate erhöht und zugekauft. Natürlich, dafür muss man das nötige Kleingeld ­haben.

Werden Sie nicht nervös, wenn die Kurse fallen?
Früher habe ich oft kalte Füsse bekommen, habe hektisch verkauft und mich hinterher sehr geärgert. Mittlerweile behalte ich die Nerven. Denn ich weiss: An der Börse geht es langfristig immer nach oben.

Was hilft Ihnen noch?
Ich investiere ausserdem monatlich in gleichmässigen Beträgen, Kursschwankungen gleichen sich damit auf lange Sicht wieder aus. Im jetzigen Crash habe ich ein paar Blue Chips gekauft, die ich wahrscheinlich noch meinem Sohn vererben werde.

Welche denn?
Ich achte darauf, dass die Unternehmen gut wirtschaften, und wähle Firmen, die ich selbst mag. Zum Beispiel Apple, weil ich selbst ein iPhone verwende. Auch ganz spiessige wie die Deutsche Post, eine Al­lianz oder eine Münchner Rück. Im Crash bot sich jetzt die Gelegenheit, Adidas zu kaufen, deren Kurs mir vorher viel zu hoch war. Allerdings möchte ich warnen …

Wovor?
Ich würde niemandem empfehlen, Einzelaktien zu kaufen. Das mache ich jetzt, da ich schon eine gute Grundlage aufgebaut habe. Mit einem kleinen Teil meines Geldes zocke ich heute gerne ein bisschen. Aber das ist wie im Casino: Ist dieses Geld weg, ist es auch okay. Das Fundament meines Börseninvestments bilden viele unterschiedliche Fonds, aktiv gemanagte und ETF.

«Natürlich hab ich auch schon mal danebengegriffen.»

Wie haben Sie begonnen, Aktien zu kaufen?
Vor mehr als dreissig Jahren hatte ich einen Freund in New York und war darum häufig dort. Ich sah, dass es bei den Amerikanern gang und gäbe ist, Aktien zu kaufen und auf diese Weise auch für die Altersvorsorge zu sparen. Das wollte ich auch. Ich wandte mich an meinen Bankberater in Deutschland, der sagte aber: «Huh, ne, Aktien fass ich nicht an.» Aber er habe einen jungen Kollegen, der sich damit auskenne. Ja, und dieser junge Kollege war mir gleich sym­pathisch und berät mich mittlerweile seit Jahrzehnten bei allen Anlageentschei­dungen.

Sie vertrauen auf einen Bankberater?
Ja, er ist fantastisch, ich vertraue ihm total. Viele fürchten ja, Bankberater seien alle Verbrecher. Das stimmt aber nicht. Natürlich gibt es schwarze Schafe, aber es gibt auch richtig gute.

Nie was schiefgegangen beim Aktienkauf?
Natürlich hab ich auch schon mal danebengegriffen. Am Neuen Markt, als Chips empfohlen wurden wie die des damals gehypten Medienkonzerns EM.TV. Habe ich dann auch gekauft und das Geld voll in den Sand gesetzt.

Wie viel?
Das waren so 10 000, 20 000 D-Mark. Damals verdiente ich noch kein hohes Gehalt – das war für mich richtig, richtig viel Geld. Ich hab mich ja immer viel mit Harald Schmidt ausgetauscht über Aktien.

Erzählen Sie.
Er hatte damals seine «Late Night Show» und ich war häufig bei ihm in der Sendung zu Gast. Da haben wir uns gegenseitig Tipps gegeben.

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Eine lange TV-Karriere

Nach der Mittleren Reife schlug Birgit Schrowange zwar einen grundsoliden Weg ein und liess sich zur Rechtsanwaltsgehilfin ausbilden. Innerlich war sie aber wild entschlossen: Sie wollte zum Fernsehen. Und sie schaffte es: Zuerst als Redaktionsassistentin beim WDR, ab 1983 wurde sie TV-Ansagerin im ZDF. Ihren grossen Durchbruch brachte 1994 der Wechsel zu RTL, wo sie ab der ersten Sendung das Magazin «Extra» übernahm und für 25 Jahre prägte.

Ende 2019 beendete Birgit Schrowange ihre Karriere vor der Kamera. Aber statt dass sie mit ihrem Lebenspartner Frank Spothelfer auf Reisen gehen konnte, kam der Lockdown. Sie verbrachte ihn bei ihrem Partner in Lachen am Zürichsee.

Hoffentlich hat Ihnen nicht Harald Schmidt EM.TV empfohlen?
(Lacht) Nein, das war nicht Harald. Er hat mir zum Beispiel Mannesmann empfohlen. Und ich ihm eine Firma, die Fuss­fesseln herstellte. Denn Verbrecher gibt es immer.

Nicht von der Hand zu weisen … Haben Sie denn für sich Grundregeln, wie Sie Ihr Geld einteilen, wie Sie sparen und ­investieren?
Ich finde es erst mal wichtig, zu sparen. Damit habe ich schon früh begonnen; seit der Ausbildung lege ich im Minimum 10 Prozent meines Einkommens zur Seite.

Ist es gut, früh zu starten?
Definitiv. Man kann auch mit ganz kleinen Summen anfangen, zu sparen. Da reichen schon 25 oder 50 Franken im Monat. Ge­rade wenn man jung beginnt, da entwickelt der Zinseszinseffekt die Kraft einer Lawine. Für meinen Sohn spare ich nur 50 Euro im Monat in einem Aktienfonds. Meine Schwägerin, die ein Angsthase ist, macht das für ihren Sohn konventionell. Ja, mein Sohn hat jetzt doppelt so viel auf dem Konto wie mein Neffe. Es ist doch blöd, Angst zu ­haben.

Die Schweizerinnen und Schweizer halten zu zwei Dritteln am Sparbuch fest, nur ­jeder Fünfte besitzt Aktien. Viele fürchten das Risiko.
Ich sage immer, wer kein Risiko eingeht im Leben, geht das allergrösste Risiko ein. Auf dem Giro- oder Sparkonto verliert das Geld durch die Inflation doch an Wert. Auf grössere Beträge werden Negativzinsen fällig.

«Kaum gibt es eine Gehaltserhöhung, muss das Auto grösser werden, dann die Wohnung. Ich habe es anders gemacht.»

Die Alternative?
Wer sich allein anschaut, wie der grösste Index, der MSCI World, in den vergangenen dreissig Jahren performt hat: Er hat im Durchschnitt 8 Prozent Rendite pro Jahr gemacht. Und bei einem so breit aufgestellten Index, da machen auch mal ein paar faule Eier im Korb nichts, darauf kann man doch ruhigen Gewissens setzen. Viele machen eben einen Fehler.

Welchen?
Ich seh das in meinem Umfeld. Kaum gibt es eine Gehaltserhöhung, muss das Auto grösser werden, dann die Wohnung. Ich habe es anders gemacht, habe Geld verdient, davon meine Verbindlichkeiten bezahlt, dann Geld zur Seite gelegt. Und was dann übrig geblieben ist, davon habe ich konsumiert und mir was Schönes gegönnt. Ich finde es auch wichtig, dass man ein Haushaltsbuch führt, mittlerweile gibt es ja viele gute Apps dafür. Natascha Wegelin alias Madame Moneypenny zum Beispiel gibt hier jungen Frauen wunderbare Tipps.

Was würden Sie jungen Frauen raten?
Ich würde mir wünschen, dass mehr junge Frauen sich Finanztipps anschauen statt nur Schminktipps auf Instagram. Sicher, ich lese auch gern «Gala», «Bunte» oder die «Schweizer Illustrierte». Aber eben auch die Wirtschaftspresse. Und es geht so schnell! Ich war gefühlt vorgestern noch Deutschlands jüngste Fernsehansagerin, jetzt bin ich 62. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste jetzt noch mein Gesicht auf jeder Tankstelleneröffnung vermieten, furchtbar. Wir dürfen nicht vergessen: Armut ist weiblich.

«Ich bekomme noch immer jedes Jahr eine Dankeskarte von meiner Hebamme.»

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Vor allem im Alter. Was aber, wenn ­jemand sich bewusst wird, dass es im Alter knapp werden wird?
Auch für Frauen ab fünfzig ist es nicht zu spät, monatlich eine kleine Summe in einen weltweit anlegenden ETF zu investieren, um damit ein bisschen die Rente aufzubessern. Viele Frauen haben noch eine lange Lebenszeit vor sich – und wenn man sich den einen oder anderen Restaurantbesuch verkneift, kommt da ein hübsches Sümmchen zusammen. In meinem neuen Buch nimmt das Thema «Frauen und Finanzen» einen grossen Platz ein, weil ich es sehr wichtig finde, dass Frauen sich mit dem Thema Geld beschäftigen und eine gewisse finanzielle Intelligenz erwerben, um unabhängig und selbstbestimmt zu leben.

Sind Sie für andere Frauen ein Vorbild, was den Umgang mit Geld anbelangt?
Ich bin zumindest mit vielen im Gespräch. Einige habe ich dazu gebracht, zu investieren. Manche sind mittlerweile auch bei meinem Bankberater, sogar meine Hebamme von vor zwanzig Jahren. Ich bekomme noch immer jedes Jahr eine Dankeskarte von ihr. Eine Kollegin rief mich neulich an und sagte, jetzt habe sie im März mit zitt­rigen Fingern Aktien und ETF gekauft, sei jetzt 50 Prozent im Plus und total geflasht. Da freue ich mich. Eben, es macht doch Spass, seinem Portfolio beim Wachsen zuzuschauen.

Frauen kümmern sich selten um das ­Thema Geld, überlassen die Finanzen oft ihrem Ehemann. Warum ist das so?
Frauen sind leider wenig mutig, was Geld anbelangt. Ich habe Freundinnen, die sind gebildet, die haben studiert – und die fassen keine Aktien an. Immer wieder treffe ich Frauen, die sich allen Argumenten verschliessen. «Davon hab ich keine Ahnung», sagen sie dann. Ich bekomme da Schnappatmung, versuche, zu missionieren. Denn im Grunde ist es ja wirklich nicht so schwer. Natürlich wurzelt diese Zurückhaltung auch in unserer Erziehung, vor allem in meiner Generation. Da wurde noch gesagt, du heiratest ja sowieso, sei mal bescheiden und nimm dich nicht so wichtig. Warum verdienen denn Frauen immer noch we­niger als Männer?

Ja, warum?
Weil sie es nicht einfordern. Weil sie es sich nicht von den Männern abgucken. Weil sie nicht sagen: «Ich bin super, ich hab das verdient.» Sie drucksen herum und sagen sich Glaubenssätze wie «Geld ist nicht wichtig. Geld macht doch nicht glücklich. Ich mach den Job ja auch nicht wegen des Geldes.» Ich sage: Geld ist wichtig. Geld macht glücklich. Und die Scheinchen sollen zu mir kommen, bei mir haben sie es gut.

Frauen müssten also einfach mutiger ­werden?
Natürlich spielt auch das Umfeld eine Rolle. Ganz ehrlich: Mein Freund (Unternehmer Frank Spothelfer, Anm. der Redak­tion) und ich wollten ja heiraten. Aber da ist mir angesichts der Schweizer Steuergesetze der Mund offenstehen geblieben.

Was hat Sie entsetzt?
Die Heiratsstrafe in der Schweiz: Paare, bei denen beide Partner gut verdienen, werden hier ja bestraft. Frank hätte deutlich mehr Steuern bezahlt, wenn wir heiraten. Da habe ich gesagt, das machen wir im Moment auf keinen Fall. Ganz ehrlich, in einem solchen Rahmen wird es Frauen auch ein Stück weit schwer gemacht, zu arbeiten. Die Schweiz setzt schon viel da­ran, dass die Frauen zu Hause bleiben oder maximal Teilzeit arbeiten.

Wie haben Sie es gelöst, als Ihr Sohn ­Laurin noch klein war?
Es kam gar nicht infrage, dass ich nicht arbeite. Aber ich bin natürlich privilegiert. Ich hatte immer eine Haushaltshilfe und ein Kindermädchen. Ich konnte meinen Sohn mitnehmen zu Dreharbeiten. Bin mit der Milchpumpe durch die Gegend gereist, mein Kindermädchen im Schlepptau. Das kann man nicht, wenn man einen anderen, weniger flexiblen Beruf hat. Trotzdem würde ich immer arbeiten und dafür die Kita-Gebühren zahlen, auch wenn sie so hoch sind wie in der Schweiz. Klar, manchmal wäre ich auch lieber zu Hause geblieben. Wenn das Kind nachts nicht geschlafen hat und eines zum anderen kommt, und dann muss man vor die Kamera. Ich wusste manchmal nicht, wo mir der Kopf steht. Aber ich wäre nicht zu Hause geblieben. Ich würde mich nie abhängig machen von einem Mann.

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Fast 20 Jahre lang färbte sich Birgit Schrowange ihre Haare, bis sie 2017 die Typveränderung wagte und ihr silbernes Haar der Öffentlichkeit präsentierte.

Quelle: Dominik Sommerfeld

Ihr Sohn ist jetzt erwachsen – was alles würden Sie noch einmal genauso machen?
Ich habe ihn früh zur Selbstständigkeit erzogen. Habe ihn bereits mit zwölf Jahren auch mal einen Tag zu Hause gelassen, er hat sich dann zum Beispiel selbst Nudeln gekocht. Geht alles. Mir fällt auf, dass Kinder heute manchmal sehr verwöhnt werden.

Vielleicht fürchten viele, es als Eltern nicht gut genug zu machen?
Ach, dieses Kreisen um den Nachwuchs, diese Helikoptereltern, das tut einem Kind überhaupt nicht gut. Ich hab im Leben noch keinen Kuchen gebacken für die Kita oder die Schule. Ich hab einen Kuchen gekauft und ein bisschen daran herumgezupft, damit er «selbst gebacken» aussieht. Wissen Sie, was Kindern guttut?

Sagen Sie es mir.
Eine gesunde Vernachlässigung. Kinder können so viel, wir dürfen ihnen viel zutrauen. Die ängstlichen Mütter auf dem Spielplatz, die ihre Kinder beim Klettern zurückhalten. Das hab ich meinem Sohn nie vermittelt. Der ist bis ganz oben hinaufgeklettert auf so ein Klettergerüst, da war der noch ganz klein. Ich hab gesagt: «Laurin, du kannst das schon.»

Haben Sie ihm auch den Umgang mit Geld vermittelt?
Das hab ich ihm früh beigebracht. Ich hab ihm gesagt, überleg mal, wie du dir etwas verdienen könntest. Er hatte so einen Zauberkasten, mit dem konnte er unheimlich gut zaubern. Da ist er in der Nachbarschaft umhergegangen und hat sich Geld verdient mit seinen Zaubertricks. Fand ich mega. Der hat auch lange nicht alles bekommen.

Wo haben Sie eine Grenze gesetzt?
Ich habe immer Verträge mit ihm gemacht. Zum Beispiel habe ich gesagt: Entweder bekommst du einen Nintendo – oder ich kaufe dir jedes Buch, das du möchtest. Er hat sich für die Bücher entschieden, da war ich megastolz. Ich hab ihn auch nicht in die Schule gefahren, er musste da schon mit Bus und Bahn hin. Natürlich, ich hab ihn auch mal verwöhnt. Aber zum Beispiel auch ein Smartphone hat er erst spät bekommen.

Für viele Eltern ist es ein grosses Thema, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist.
Ich wollte ihm ein iPhone kaufen. Mein Sohn ist ein ziemlicher Computernerd und meinte dann: «iPhone, nein danke. Das bau ich dir für 50 Euro selber zusammen. Ich hätte lieber die Aktie.» Da hab ich gedacht: mein Sohn! Jetzt kauf ich ihm zum Geburtstag oder zu Weihnachten immer Aktien für Jungs, also Apple, Nvidia ...

Und das Smartphone?
Da hat er dann ein günstiges von einer ­anderen Marke bekommen. Aber kein iPhone.

Können Sie sich eigentlich vorstellen, ­komplett in die Schweiz zu ziehen?
Ich fühle mich sehr wohl in der Schweiz. Wir leben ja in Lachen, dort war ich jetzt auch während der gesamten Zeit des ­Corona-Lockdowns. Toll, diese Natur, die Luft. Ich bin immer nur schockiert über die hohen Preise, wenn ich aus Deutschland komme. Eine Avocado für 3 Franken? Meine Güte!

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«Ungeschminkt»

In ihrem dritten Buch «Ungeschminkt. Vom Leben gelernt» schaut Birgit Schrowange zurück auf fast vierzig Jahre vor der Kamera und auf ihr Leben jenseits der Scheinwerfer. Sie berichtet, wie sie nach der Trennung von TV-Moderator Markus Lanz ihren Sohn grosszog und wie sie spät ihre grosse Liebe fand. Ein Kapitel gilt ihrem Herzensthema: Was Frauen tun können, um finanziell unabhängig zu werden. (ZS Verlag, 208 Seiten)