Am Markt für Kryptowährungen ist es am Mittwoch zu einem Ausverkauf gekommen. Nach dem Boom der letzten Wochen und Monate sind die Kurse fast aller Währungen drastisch gefallen. Am Vormittag fiel der Bitcoin erstmals seit Februar unter die Marke von 40'000 Dollar und sackte am Nachmittag zeitweise bis gegen 30'000 Dollar ab.

Am Mittwochnachmittag fing sich der Kurs der «Krypto-Leitwährung» etwas und notierte auf der Plattform Bitstamp bei rund 36'000 Dollar und damit etwa 18 Prozent tiefer als am Vortag. Es ist das niedrigste Niveau seit Februar. Das Rekordhoch von Mitte April bei knapp 65'000 Dollar ist mittlerweile weit entfernt. Allerdings notiert er noch immer dreimal so hoch wie vor einem Jahr.

Auch am restlichen Kryptomarkt sacken die Notierungen ab. Die meisten der nach Marktkapitalisierung grössten Kryptowährungen verlieren auf Wochensicht teilweise über ein Drittel an Wert. So geriet etwa die zweitgrösste Kryptowährung Ether noch stärker unter Druck. Sie fiel bis am Nachmittag um fast 30 Prozent bis gegen 2000 Dollar zurück - nachdem sie erst vor wenigen Tagen ein Hoch bei rund 4350 Dollar markiert hatte.

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Nach Musk kommt China

Beobachter sprachen von «Panik» am Kryptomarkt. Die Anleger nähmen Reissaus, meinte etwa das deutsche Emden Research. Niemand wolle derzeit ins fallende Messer greifen: «Schnäppchenjäger halten sich weiterhin fern.» Analyst Timo Emden verwies darauf, dass auch die Börsenampeln auf Rot umgeschaltet hätten.

Auslöser der seit einigen Tagen anhaltenden Korrekturbewegung war allerdings Tesla-Chef Elon Musk gewesen. Dieser hatte zuletzt den Rückzug von Bitcoin-Zahlungen bei Tesla aufgrund der schlechten Energiebilanz der Kryptowährung an. Damit sorgte der Elektroautobauer für beträchtliche Unsicherheit am Markt, nachdem Tesla zuvor nicht nur Zahlungen mit der Kryptowährung akzeptierte, sondern auch Bitcoins in die Bilanz aufnahm.

Zusätzlichen Druck spüren die Märkte für Blockchain-Währungen nun durch Aussagen der chinesischen Zentralbank. Diese betonte erneut, dass Digitalwährungen nicht als Zahlungsmittel genutzt werden dürfen. «Die chinesische Position zu Kryptowährungen war von Anfang an klar», schreibt Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst bei der Schweizer Online-Bank Swissquote, in einem Kommentar zur Marktlage.

Wenig Risikoappetit

Die erneute Mahnung der chinesischen Behörden sei daher sicherlich nichts Neues. Die Haut der Krypto-Investoren sei aber nach den jüngsten Negativschlagzeilen dünn geworden und der Markt reagiere empfindlich auf weitere negative Botschaften. Ozkardeskaya erinnert zudem daran, dass der Bitcoin-Preis nach dem letzten Boom vor drei Jahren und einem Hoch von 20'000 Dollar zeitweise auf rund 3000 Dollar zurückgefallen sei.

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«Die Titanic ist aus Eisen, und sie kann sinken», umschreibt der Analyst den volatilen Kryptomarkt. Dies im Hinterkopf zu behalten gelte es umso mehr, weil der globale Risikoappetit momentan sowieso begrenzt sei.

(reuters/awp/gku/mlo)