Sucht man bei Google nach dem Begriff Corona-Virus, spuckt einem die Suchmaschine 1,99 Milliarden Ergebnisse aus. Seit mehr als einem Monat stellt diese Infektion die Welt auf den Kopf – insbesondere in Asien und dort vor allem in China

Die Stadt, in dem das Virus ausgebrochen ist, ist hermetisch abgeriegelt und dort sitzen rund zehn Millionen Menschen fest, die nur alle paar Tage Lebensmittel kaufen dürfen. Ansonsten müssen sie in ihrer Wohnung bleiben.

 

Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus Deutschland, Österreich und der Schweiz spezialisiert. Die jährliche Performance des Musterdepots seit Start im April 2010 beträgt +14,6 Prozent (DAX: +7,8 Prozent).

Transparenzhinweis: Der Autor berät Anlageprodukte. In diesem Beitrag besprochene Aktien können zum Anlageuniversum zählen.

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Corona – die Verlierer…

Wegen Corona-Infektionen dürfen Kreuzfahrtschiffe nicht anlegen und die Passagiere müssen viele Tage in Quarantäne ausharren. Die Auswirkungen lassen sich auch in der Schweiz spüren: Restaurantbesitzer lassen chinesische Reisegruppen nicht mehr ins Lokal aus Angst, die würden andere Gäste infizieren.

Nicht nur Menschen, auch viele Firmen rund um den Globus leiden inzwischen unter dem Virus. Der Smartphone-Konzern Apple verkauft weniger iPhones im Reich der Mitte und die Produktion im Land ist stark gebremst. Das Tech-Unternehmen hat vor wenigen Tagen bekanntgegeben, die Umsatz-Prognose für das erste Quartal zu verfehlen.

Autobauer leiden unter enormen Absatzrückgängen beim roten Riesen, Sportartikelhersteller und Lifesyle-Marken wie Adidas oder Puma berichten über Umsatzeinbrüche in China von bis zu 85 Prozent.

… und die Gewinner

Während die Angst umgeht bei Mensch und Anleger, gibt es aber auch Profiteure des neuen Virus. Die Kurse einiger Firmen sind in den letzten Wochen im Zusammenhang mit Corona deutlich hochgeschossen.

Lakeland Industries (ISIN: US5117951062) ist im Januar um 50 Prozent explodiert, Inovio Pharma (ISIN: US45773H2013) konnte in der zweiten Januar-Hälfte um 60 Prozent zulegen und Alpha Pro Tech (ISIN: US0207721095) sowie Vir Biotech (ISIN: US92764N1028) hatten sich sogar mehr als verdoppelt.

Sind die genannten Unternehmen mit Börsenbewertungen von knapp 100 Millionen bis 1 oder 2 Milliarden Dollar noch relativ klein, so konnten auch grosse Konzerne wie Gilead Sciences (ISIN: US3755581036) oder AbbVie (ISIN: US00287Y1091) seit Anfang Februar teils um 20 Prozent oder mehr zulegen.

Arbeit an einem Corona-Impfstoff

Firmen wie Gilead, AbbVie, Inovio und Vir Bio zählen zur Gruppe der Gewinner, weil sie Medikamente oder Wirkstoffe im Programm haben gegen Grippeviren oder Corona-ähnliche Krankheiten wie MERS, SARS oder auch gegen HIV. Auch Hersteller von Schutzbekleidungen verschiedener Art profitieren – sei es Mund- und Atemschutzmasken oder Schutzbekleidung für Krankenhäuser.

Mund- oder Atemschutzmasken sind in vielen Städten – auch in Europa – inzwischen ausverkauft, bei Ausbruch einer Corona-Pandemie mit 100.000 oder gar Millionen Infizierten könnte das ein ganz grosses Geschäft für die Hersteller werden.

Alpha Pro Tech – kleine Firma, grosser Hebel

Das sehen auch Anleger so. Da wundert es nicht, dass der Hersteller von Mundschutzmasken, Alpha Pro Tech, im Januar so nach oben geschossen ist. Mit einem Börsenwert von etwa 65 Millionen Dollar ist das Unternehmen einerseits zwar klein, bietet aber bei einem möglicherweise wegen Corona explodierenden Markt für Schutzmasken einen enormen Hebel.

Gleiches gilt für Lakeland Industries. Das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat New York ist Anbieter von Schutzbekleidung für Krankenhäuser und bei einem Börsenwert von 90 Millionen Dollar schlummert auch dort im relativ geringen Ausgangswert enormes Steigerungspotential.

Chinas Medizinbehörde fördert Suche nach dem Impfstoff

Neben diesen beiden Firmen, die «Hardware» gegen Corona bieten, haben Anleger gleich mehrere Pharmaunternehmen auf ihrer Watchlist. Gilead Sciences etwa hat mit Remdesivier ein Arzneimittel gegen Corona in der Pipeline. Das Medikament befindet sich zwar noch in der Experimentierphase, hat aber bei Tierversuchen und im Reagenzglas seine Wirksamkeit gegen MERS- und SARS-Vieren – diese zählen ebenfalls zu den Corona-Viren – schon bewiesen.

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Im Januar hat die chinesische Medizinbehörde deshalb auch den Start einer Phase-III-Studie mit Remdesivier – als Wirkstoff für eine Schutzimpfung gegen Corona – an Patienten in Wuhan zugelassen.

Sollte sich da möglicherweise schon in wenigen Monaten ein Erfolg abzeichnen, könnte das die Aktie von Gilead, trotz des enormen Börsengewichts des Unternehmens, – die Marktkapitalisierung beträgt etwa 80 Milliarden Dollar – weiter nach oben schieben. Angesichts eines aktuellen 10er-KGVs bei Gilead warten dort auf Anleger mehr Chancen als Risiken.

Kleinere Firmen sind kurstechnisch interessanter

Ähnliches gilt für AbbVie. In China wird derzeit ein HIV-Medikament des Pharmaunternehmens im Einsatz gegen Corona getestet. Allerdings ist der Pharmakonzern aus Chicago noch einmal eine Nummer grösser als Gilead und die positiven Auswirkungen eines Medikaments gegen Corona hätten dort geringeren Einfluss auf den Gesamtumsatz und Gesamtgewinn.

Kurstechnisch viel interessanter als die beiden Pharma-Riesen, da relativ klein, sind Novavax (ISIN: US6700024010), Inovio und Vir Bio. Novavax hat eine Marktkapitalisierung von nur 250 Millionen Dollar und arbeitet ebenfalls in China an einem https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/roche-mittel-hilft-schwer-erkrankten-coronavirus-patientenhttps://www.handelszeitung.ch/unternehmen/roche-mittel-hilft-schwer-erkrankten-coronavirus-patienten. Bereits in zwei oder drei Monaten sind erste Ergebnisse zu erwarten. Das könnte den Kurs der Aktie noch weiter nach oben treiben.

Etwas Risikofreudigere Anleger greifen deshalb zu den kleineren Titeln, konservative Investoren legen sich dagegen Gilead oder AbbVie ins Depot. Sollte Corona jedoch abflauen, dann sind zwar Kursverluste zu erwarten, aber wenigstens ist dann auch die Infektions-Angst gebannt.

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