Ende 2018 war es der Handelskrieg zwischen USA und China. Anfang 2015 der Franken-Schock mit dem Aus des Mindestkurses zum Euro. 2011 die Katastrophe im japanischen Atomreaktor Fukushima infolge Tsunami und auch die Euro-Schuldenkrise. Anfang 2003 war es der Irak-Krieg: Ganz viele Krisen und Katastrophen – und immer das gleiche Chartmuster: Bricht solch ein Ereignis aus, dann rauschen die Börsen in den Keller. Oft dauert es dann aber gar nicht lange und die Kurse zieht es wieder steil nach oben.

So ein V-förmiger Kursverlauf, der sich nicht selten in wenigen Wochen oder nur ein paar Monaten abläuft, ist die normale Reaktion. Denn egal welcher Schock – früher oder später kehrt Normalität zurück und die Geschäfte laufen wie gewohnt.

Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus Deutschland, Österreich und der Schweiz spezialisiert. Die jährliche Performance des Musterdepots seit Start im April 2010 beträgt +14,6 Prozent (DAX: +7,8 Prozent).

Transparenzhinweis: Der Autor berät Anlageprodukte. In diesem Beitrag besprochene Aktien können zum Anlageuniversum zählen.

V-förmig läuft es deshalb auch in der Konjunktur. Auf einen Schock mit steilem Rückgang der Wirtschaftsleistung folgt schon bald ein ebenso rascher Wiederaufstieg. Beispiel Finanzmarktkrise 2008 und 2009. Damals rauschte das Wirtschaftswachstum in den meisten Industriestaaten in den negativen Bereich. Legte beispielsweise die Volkswirtschaft in der Schweiz in 2007 noch um 4,1 Prozent zu, so kam es 2009 infolge der Banken- und Finanzkrise zu einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung, einer Rezession, um 2,2 Prozent. 2010 dann kam die rasante Erholung aus dem Tief mit einem Wachstumsplus von 3,0 Prozent.

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Zahlenaffine Anleger rechnen nach: Zuerst ein Minus von 2,2 Prozent und dann ein Anstieg um 3,0 Prozent – per Saldo war die Wirtschaftsleistung dann in 2009 und 2010 gestiegen. Zwar nur ganz leicht um knapp 0,1 Prozent, aber Plus ist Plus. In der Wachstumsstatistik zeigt sich damit auch eine ganz klare V-Form. Erst ein steiler Einbruch, dann der steile Aufschwung.

Corona-Virus – China-Aktien leiden stark…

Jetzt ist der Corona-Virus unterwegs. Insbesondere die chinesische Wirtschaft leidet. Es gibt zahlreiche Produktionsausfälle etwa bei den Autobauern. So hat beispielsweise BMW seine Werksferien zum chinesischen Neujahrsfest verlängert und will erst in einigen Tagen wieder zur normalen Produktion zurück. Bei Hyundai und VW ruht die Fertigung ebenso wie auch beim Autozulieferer Autoneum aus Winterthur.

Menschen in Wuhan – eine Stadt immerhin mit 11,1 Millionen Einwohnern, deutlich mehr als in der Schweiz – sind von der Aussenwelt abgeschnitten und natürlich wird das in diesem Jahr in Chinas Wachstumssaldo Spuren hinterlassen. Die Börse hat das schon vorweggenommen. So rutschte der Shanghai A-Index vom Vierjahreshoch Mitte Januar bis Anfang Februar um bis zu 15 Prozent nach unten. Eine erste V-förmige Erholung zeichnet sich dort aber bereits ab. Zum Zwölfmonatstief konnte der Index in den letzten Tagen schon wieder rund fünf Prozent zulegen.

…Anleger setzen auf die V-Formation bei Momo

Niemand weiss, wie lange der Corona-Virus noch wüten wird und ein Impfstoff wird erst für Mitte 2021 erwartet. Börsianer aber scheinen sich mit dem Schicksal bereits abzufinden und denken an die V-Form. Da werden Unternehmen, die in den ersten Corona-Tagen am stärksten gefallen sind als V-Form-Gewinner interessant.

Nach dem Ausbruch von Corona und den ersten Schockwellen an den Börsen Chinas richtig abgeschmiert ist die chinesische Social Network-Plattform Momo (ISIN: US60879B1070). In den ersten beiden Corona-Wochen ging es mit der Aktie um 25 Prozent nach unten. Mit einem geschätzten 10er-KGV ist die Social-Aktie aber nicht einmal halb so hoch bewertet wie eine Facebook und kostet in Relation nur ein Viertel von Twitter. Eine V-förmige Erholungsrallye verspricht bei Momo Kursgewinne von 30 Prozent und mehr. Und zwar schnell.

Baidu hat noch Aufholpotential, Tencent könnte ein Profiteur von Corona sein

Baidu (ISIN: US0567521085) ist ebenfalls nach Ausbruch von Corona um rund 15 Prozent eingebrochen, hat inzwischen aber schon wieder die Hälfte des Verlusts wettgemacht. Mit einem einstelligen KGV ist die Suchmaschine – unter anderem für Mp3-Dateien – aber noch nicht teuer. Dreiviertel aller Analysten stufen die Aktie als «Kauf» ein.

Ein Profiteuer von Corona könnte Tencent (ISIN: KYG875721634) sein. Die Aktie des Betreibers des Kurzmitteilungsdienstes – das Portal von Tencent ist ähnlich Whatsapp – ging zwar in den ersten Corona-Tagen ebenfalls nach unten. Aber der Rückgang war mit rund fünf Prozent relativ moderat und inzwischen notiert Tencent sogar über dem Ausgangslevel von Mitte Januar. Gerade in der durch die Regierung Chinas im Corona-Fieber verordnete Isolation von hunderten von Millionen Menschen sind Meldungen und zwischenmenschliche Kontakte gefragt, ein Rettungsanker, wie selten. Die Aktie ist nach oben ausgebrochen und notiert nun auf dem höchsten Stand seit zwei Jahren.

Alibaba – eine sichere Bank und Meituan der Geheimtipp

Kursverluste infolge des Virus gab es zwar anfänglich auch bei Alibaba (ISIN: US01609W1027). Aber inzwischen ist der Rückschlag dort auch schon zu mehr als der Hälfte wieder wett gemacht und die Aktie hat das Allzeithoch vom Januar fast wieder erreicht. Das Potential im Reich der Mitte im Online-Handel ist noch ganz ganz lange nicht ausgeschöpft! Kaufen und liegen lassen!

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Im Vergleich zu Alibaba, Baidu oder Tencent fast ein Geheimtipp ist Meituan Dianping (ISIN: KYG596691041). Das Online-Portal des Unternehmens bietet einen Lieferservice für Konsumgüter und Detailhandel und ist erst seit 2018 an der Börse. Analysten trauen dem E-Commerce-Betreiber im nächsten Jahr die Vervierfachung beim Ergebnis zu. Mit einem 25er-KGV wäre die Aktie dann nicht unbedingt teuer. Der Kursrückgang im Januar infolge Corona könnte eine gute Gelegenheit zum Einstieg sein. Immerhin notiert Meituan immer noch knapp zehn Prozent unter dem Januar- und gleichzeitig seinem Allzeithoch.