Das Family Business gilt als das wahre Erfolgsmodell der Wirtschaft. Längst schon gibt es Fonds, mit denen man gezielt in familiengeführte Börsenkonzerne investieren kann. Und allerlei Studien zum Thema haben aufgezeigt, dass solche Firmen erfolgreicher sind als der Rest (siehe etwa hier, hier und hier).

Warum? Weil besser gemanagt und solider finanziert sind. Weil hier eine längerfristige Perspektive vorherrscht: Dies die bekannten und auch irgendwie naheliegenden Erklärungen. Forscher aus der Schweiz und Frankreich sind der Erfolgsformel nun aber nochmals nachgegangen: Nicolas Eugster, Finanzprofessor an  IESEG School of Management in Lille, und Dusan Isakov, Finanzprofessor an der Uni Freiburg, untersuchten die Performance aller Schweizer Börsenkonzerne von 2003 bis 2013 – und achteten dabei besonders auf jene Unternehmen, die so genannte Familienfirmen sind. Das bedeutet: Die Gründungsfamilie hält noch mindestens 20 Prozent der Stimmrechte.

Etwa ein Drittel der SIX-Konzerne fällt in diese Kategorie, und bekanntlich gehören grosse Namen dazu: Roche, Schindler, Kudelski, Swatch, Sika, Stadler Rail, Bobst, Sonova

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Family Businesses Performance

Entwicklung der Aktien von familiengeführten Unternehmen (blau) und Publikumsgesellschaften (pink), 2006 bis 2019 (2006 = 100). Quelle: Credit Suisse, «CS Family 1000 Report», 2018.

Quelle: Credit Suisse

Die Daten von Eugster und Isakov zeigen: Die familiengeführten Unternehmen schafften tatsächlich eine jährliche Durchschnittsrendite von 11,5 Prozent – das war mehr als doppelt so viel wie beim Rest der Schweizer Börse (5 Prozent). Die Autoren rechneten in einer zweiten Stufe noch jene Aspekte heraus, die allenfalls eine Nebenrolle zugunsten der Familienbetriebe spielen könnten: Etwa dass der Markt dieser Aktien manchmal weniger liquide ist; oder dass sie in gewissen Branchen eher übervertreten sind. Doch auch dann blieb immer noch eine «Overperformance» von 6,4 Prozent pro Jahr.

Die Detailbetrachtung ergab, dass die familiengeführten Konzerne operativ bessere Ergebnisse vorlegten (gemessen an den Return on Assets). Andererseits wurden sie zu Beginn von der Börse dennoch tendenziell eher tief bewertet.

Mehr ao. Einnahmen

Wichtig zur Gesamterklärung war dann ein anderes Ergebnis: Familienbetriebe waren deutlich häufiger für positive Überraschungen gut. Konkret: Der Gewinn pro Aktie lag hier viel öfter über den Konsensus-Erwartungen der Analysten als bei «normalen» Firmen. Auch verkündeten die Familien-Konzerne mit ihren Bilanzzahlen häufiger ausserordentliche Einnahmen oder Gewinne.

Was heisst das? Die Autoren stellen fest, dass es offenbar einen Zusammenhang zu Stimmrechten gibt: Je mächtiger die Rolle der Gründerfamilie, desto besser war die Börsenentwicklung zwischen 2003 und 2013. In Zahlen:

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  • Wo eine Familie mehr als 80 der Stimmrechte hatte, entwickelte sich der Börsenkurs um 12,4 Prozent pro Jahr besser als bei den reinen Publikumskonzernen.
  • Wo der Familien-Anteil zwischen 50 und 80 Prozent lag, erreichte die «Superperformance» noch 4,2 Prozent.

Hier könnte sich wiederum eine Benachteiligung zeigen: Es sei möglich – so eine Interpretation der Finanzprofessoren –, dass die einseitigen Machtverhältnisse interessierte Investoren davon abhielten, bei den Familienkonzernen einzusteigen. Das heisst: Eine gewisse Skepsis führt zu gewissen Benachteiligungen bei der Kursentwicklung.

Was aber dann auf der anderen Seite bedeutet: Hier besteht Aufhol-Potential. Insbesondere bei positiven Überraschungen.

(rap)

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