Der Monat Juli ist für Sparer üblicherweise ein guter. Denn betrachtet man die durchschnittliche Rendite des Aktienmarkts, so liegt diese im Hochsommer am höchsten. 1,6 Prozent legte der breite amerikanische Index S&P 500 seit 1928 in diesem Monat im Schnitt zu. Knapp dahinter liegt der April mit 1,5 Prozent.

Wer sein Investment nun schon am Kalender orientieren möchte, kann das noch weitertreiben und die Renditen nach Wochentagen analysieren. Genau das hat Sven Lehmann vom Vermögensverwalter HQ Trust gemacht – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Durchschnittliche monatliche Renditen des S&P 500 seit 1928 in Prozent.
Quelle: Infografik Welt

Zunächst hat er die täglichen Renditen des S&P 500 seit 1928 betrachtet. Dabei zeigte sich zunächst etwas Erwartbares: Tage mit sehr geringen Renditen gab es zuhauf, an 12,2 Prozent aller Tage lag diese gerade mal zwischen -0,1 und +0,1 Prozent. Seine zweite Erkenntnis: Je höher die Gewinne oder Verluste innerhalb eines Tages ausfielen, desto seltener waren diese Ereignisse.

Unerwartete Veränderungen bei den Aktienkursen

Doch bei genauerem Hinsehen fiel Lehmann dann doch etwas Ungewöhnliches auf. Denn sowohl die Tage mit extrem geringen Veränderungen bei den Aktienkursen als auch die Tage mit extrem starken Veränderungen traten weit häufiger auf, als das ein Mathematiker wie Lehmann bei einer statistischen Normalverteilung erwarten würde.

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Grafik zur Verteilung der Tagesrenditen nach Prozentgruppen seit 1928 in Prozent
Quelle: Infografik Welt

«Tägliche Veränderungen von mehr als fünf Prozent im positiven oder negativen Sinne sollten bei einer Normalverteilung höchstens alle 300 Jahre auftreten», erklärt Lehmann. «Doch innerhalb des Betrachtungszeitraums von nicht einmal 100 Jahren gab es 65 Tage, an denen der Index mehr als fünf Prozent gewann, und 89 Tage, an denen er mehr als fünf Prozent verlor.»

Noch interessanter wird es, wenn man die besten und die schlechtesten Wochentage sucht. Dabei zeigt sich: Eindeutig der schlechteste Tag ist der Montag. Wer seit 1928 sein Geld jeweils am Freitagabend investierte und am Montagabend wieder abzog und dabei mit 100 Dollar begann, hat sein Vermögen bis heute praktisch komplett vernichtet, es blieben nur 50 Cent übrig.

Grafik über die Entwicklung von 100 Dollar seit 1928 wenn sie nur für den jeweiligen Wochentag in den S&P 500 investiert wurde
Quelle: Infografik Welt

Der Montagseffekt

Denn im Schnitt betrug die Montagsrendite -0,116 Prozent. Wer die gleiche Vorgehensweise für den Mittwoch praktizierte, machte aus den 100 Dollar bis heute über 2684 Dollar. Hier betrug die durchschnittliche Rendite 0,07 Prozent – ein kleiner Unterschied mit gigantischer Wirkung.

Der Haken: Wer sein Geld tatsächlich jeweils nur einen Tag lang investiert hätte, der hätte den Effekt durch die Transaktionskosten zunichtegemacht. Denn die sind in den Renditen nicht enthalten. Hinzu kommt, dass sich der Montagseffekt seit den 70er-Jahren verringert hat, er hatte sich in den 90er-Jahren sogar zeitweise umgekehrt.

Grafik zu Montagseffekt mit Anteil der Montage mit Renditen über dem Median.
Quelle: Infografik Welt

Heute ist er nur schwach – aber es gibt ihn noch. Wer also tatsächlich an die Macht des Kalenders glaubt, sollte an einem Mittwoch im Juli investieren. In jedem Fall gilt aber: Noch wichtiger als die Frage, wann jemand Aktien kauft, ist, was er kauft.

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Dieser Artikel erschien zuerst im Bezahlangebot der «Welt» unter dem Titel: «Das ist der beste Wochentag, um Aktien zu kaufen.»