Der Fall Wegelin brannte sich tief ins Gedächtnis der Privatbankiers. Im Februar 2012 wurde mit Wegelin & Co. erstmals eine offiziell nicht in den Vereinigten Staaten tätige Bank angeklagt. Anfang 2013 bekannte man sich der Beihilfe zur Steuerhinterziehung für schuldig. 74 Millionen Dollar akzeptierte man als Strafe. Drei Monate später, 272 Jahre nach der Gründung, stellte die damals ­älteste bestehende Schweizer Bank das aktive Bankgeschäft ein.

Echte Privatbankiers haften unbegrenzt und solidarisch mit ihrem gesamten Vermögen. Auch wenn sie anders arbeiten, sind Fälle wie Wegelin dennoch ein Schock. Die Auflösung der Privatbank aus St. Gallen hat die ohnehin schon laufende Konsolidierung unter den Privatbankiers noch verstärkt. Mirabaud verabschiedete sich 2013 von der traditionellen Rechtsform. Lombard Odier, Pictet und La Roche folgten 2014.

Seit die Genfer Privatbank Mourgue d’Algue im Sommer durch die Fusion mit Gonet & Cie vom Markt verschwunden ist, lassen sich die echten Schweizer Privatbankiers an einer Hand abzählen. BILANZ hat die letzten fünf ­Aushängeschilder der Schweizer Bankier­tradition aufgespürt und lüftet den Vorhang über deren Anlagepolitik.

Disruption vor 140 Jahren

Bei Rahn + Bodmer liegt die Zäsur schon eine Weile zurück. Eine Disruption machte das Unternehmen im 19. Jahrhundert zu dem, was es heute ist: eine Bank. Durch die Verbreitung des Telegrafen und moderner Transportmittel konnten deutsche Käufer Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Seide direkt in Italien bestellen. Die Dienste eines Schweizer Händlers, als der Rahn + Bodmer bis dahin gewirkt hatte, brauchte man nicht mehr, und die Einnahmen aus dem Seidenhandel brachen weg. Während sich andere Händler vertikal integrierten und in die Produktion von Fäden und Stoffen einstiegen, konzentrierten sich die Zürcher fortan auf Bankgeschäfte.

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Rund 140 Jahre später, 1988, stieg der damals 31-jährige Christian Rahn ins Familienunternehmen ein. Dabei hatte er eine andere Karriere geplant. Er studierte Jura und liess sich zum Anwalt ausbilden. Der Platz als Partner der Bank war für seinen älteren Bruder Peter Rahn vorgesehen. Da die Bank stark wuchs, wurde er als zweiter Partner aus der Familie ins Gremium berufen und haftet seither mit seinem gesamten Privatvermögen. Im Nachhinein eine gute Entscheidung. «In jedem der Partnermeetings gibt es rechtliche Fragen zu beantworten. Partnerschaften ohne Juristen sind heute schwierig», sagt Christian Rahn.

«Weil wir mit unserem privaten Vermögen un­beschränkt haften, fahren wir ein konservativeres Businessmodell»

Christian Rahn

Individuelle Betreuung

Bei Rahn + Bodmer ist man auf dem Boden geblieben – und in Zürich. Allein aus dieser Stadt werden für die Kundschaft rund zwölf Milliarden Franken verwaltet. «Weil wir mit unserem privaten Vermögen un­beschränkt haften, fahren wir ein konservativeres Businessmodell», sagt Christian Rahn.

Das gilt für sämtliche echten Privatbankiers. Statt bei der Kreditvergabe, dem Investment Banking oder Handelsabwicklungen hohe Risiken einzugehen, fokussiert man sich auf die mit wesentlich we­niger Risiken behaftete Verwaltung von Vermögen. Wie alle anderen Privatbankiers setzen auch die Zürcher auf massgeschneiderte Lösungen. «Wir haben nicht fünf Kästen, für die sich die Kundschaft entscheiden kann. Jeder wird individuell betreut. Aus vielen Kundschaftsbeziehungen sind Freundschaften geworden», sagt Rahn, der als Partner selber als Kunden­betreuer tätig ist.

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Rahn + Bodmer Co.

Gründungsjahr: 1750
Generation: Die fünf Partner der drei Familien Rahn, Bodmer und Bidermann vertreten ihre Familien in der 3. und 4. Generation
Sitz: Zürich
Mitarbeiter: 194
Anzahl Kundenberater: 35
Anzahl Mitarbeiter Research: 10
Schwerpunkte im Asset Management (AM): ­Schweizer Small und Mid Caps sowie ­nachhaltige Anlagen
Anzahl Kunden: K.A.
Assets under Management: Rund 12 Mrd. Fr.
Mindestanlage: Keine; individuelle, aktive, ­diversifizierte Anlagestrategie ab 350 000 Fr.
Anlagen:
Roche: «Dank der sehr vollen Pipeline trotz des negativen Marktsentiments einer der günstigsten Pharmatitel»
Conzzeta: «In drei Geschäftsbereichen sollen in den nächsten Jahren mit gezielten Massnahmen die Margen gesteigert werden»
VAT: «Nach der deutlichen Korrektur des ­Aktienkurses über die letzten sechs Monate ­interessante Einstiegskurse»

Privatbankier. Christian Rahn von der Privatbank Rah & Bodmer Co in Zuerich ist noch einer der letzten Privatbankers der Schweiz. Aufgenommen am 10.10.2018 in Zuerich. Bild © Remo Naegeli

Rahn + Bodmer Co.: Christian Rahn, unbeschränkt haftender Partner.

Quelle: Remo Naegeli

Stark ist das Know-how bei Schweizer Aktien. Der Anteil in den Kundendepots ist überdurchschnittlich hoch. Zu wenig diversifiziert sieht man sich dennoch nicht. Da der überwiegende Teil der börsen­kotierten Schweizer Unternehmen vom Exportgeschäft lebt, hole sich ein Anleger, der auf Schweizer Titel setzt, laut Rahn «ganz automatisch Internationalität ins Depot». Besonders gut gefallen kleinere Werte. «Viele haben Familien- oder Ankeraktionäre, die dafür sorgen, dass nicht kurzfristig gedacht wird. Das gefällt uns», so Rahn. Ausserdem sei bei kleineren Firmen eine zehnprozentige Umsatzsteigerung viel einfacher zu bewerkstelligen als bei Blue Chips wie Nestlé.

Anders als viele Konkurrenten bringt Rahn + Bodmer keine eigenen Produkte auf den Markt. «Wir wollen auch uns selbst gegenüber unabhängig bleiben. Wir verzichten gerne auf diesen zusätzlichen Ertrag. Die Kundschaft schätzt das», sagt Christian Rahn.

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Letzter Vertreter aus Genf

Nachdem er den Verkauf der französischen Kolonie Louisiana an die USA aus­gehandelt hatte, wurde der Genfer Albert Gallatin Finanzminister der Vereinigten Staaten. George Prevost, dessen Vater ein aus Genf stammender Oberstleutnant der britischen Armee war, wurde Generalgouverneur Kanadas. Genfer Privatbankiers hat man schon seit je viel Vertrauen entgegengebracht. Doch trotz der langen Tradition sind die persönlich haftenden Bankiers auch in Genf nahezu verschwunden. Heute gibt es nur noch Bordier & Cie, die sich als echte Privatbank bezeichnen kann.

Bordier wurde vor 174 Jahren gegründet und ist damit die zweitälteste echte Privatbank der Schweiz. Das Stereotyp des konservativen, etwas verstaubten Instituts passt keineswegs. Bordier ist global unterwegs. «Wir sind eine internationale Gruppe mit drei Banken, einer in der Schweiz, ­einer auf den Turks- und Caicos­inseln in der Karibik und einer in Singapur», sagt Managing Partner Michel Juvet. Ausserdem gibt es in der Gruppe zwei Vermögensverwaltungsgesellschaften in Paris und London sowie eine Vermögensberatung in Montevideo.

Ein Drittel der verwalteten Vermögen stammt aus der Schweiz, der Rest von überall auf der Welt. In Zürich werden vorwiegend osteuropäische Kunden betreut. Insgesamt werden 12,5 Milliarden Franken verwaltet, 51 Prozent in Form von Mandaten. Eine Mindestanlage gibt es nicht. Der durchschnittliche Kunde bringt ein Vermögen von drei bis fünf Millionen Franken mit. «In den kommenden Jahren geht es in Richtung fünf bis zehn Millionen», sagt Juvet.

Bordier & Cie

Gründungsjahr: 1844
Generation: 5.
Sitz: Genf, Filialen in 11 Städten in 6 Ländern
Mitarbeiter: 265 (Schweiz: 164)
Anzahl Kundenberater: 86
Anzahl Mitarbeiter Research: 17
Schwerpunkte im AM: Core Portfolio aus 20 Unternehmen
Anzahl Kunden: 4800
Assets under Management: 12,5 Mrd. Fr.
Mindestanlage: Keine; Zielgrösse 5 bis 10 Mio. Fr.
Anlagen:
Auf Sechs-Monats-Sicht Erdölzertifikat oder Fonds, um vom Rebound des Ölpreises zu profitieren
ab Mitte 2019 zehnjährige US-Staatsanleihen als Schutz vor einer Rezession
ab Mitte 2019 Gold – der sinkende US-Dollar sollte die Nachfrage stützen

Michel Juvet, managing partner de la banque privÈe Bordier & Cie. GenËve, 16 octobre 2018.

Bordier & Cie: Michel Juvet, unbeschränkt haftender Partner.

Quelle: ©FranÁois Wavre | Lundi13
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«100 Prozent der Performance gehen auf die richtige Auswahl der Aktien zurück.»

Michel Juvet

Die Kunden versucht man nicht zuletzt mit Leistung zu beeindrucken. «100 Prozent der Performance gehen auf die richtige Auswahl der Aktien zurück», betont ­Juvet. In den vergangenen vier Jahren hat man bei Bordier eine Methode entwickelt, um die rund 20 vielversprechendsten Aktien – die Core Holdings – zu selektieren. Diese zeichnen sich durch starke Bilanzen, schwer zu ersetzende Produkte, Widerstandsfähigkeit, hohe Transparenz und attraktive Einstiegskurse aus.

Gemeinsam mit der Banque Pâris Bertrand Sturdza sowie Reyl & Cie gründete Bordier die Gesellschaft Hermance Capital Partners. Bis anhin wurden von ihr zwei Fonds kreiert. 2019 soll ein Global Private Equity Fund mit einem Volumen von 100 Millionen Dollar folgen.

Derzeit sieht Michel Juvet ein starkes Momentum in Erdölinvestments. Doch er sieht das Ende der Hausse kommen. Beim weiteren Blick in die Zukunft verdüstern sich die Prognosen aus Genf. Mitte des kommenden Jahres sei es an der Zeit, das Portfolio abzusichern. Denn geht es nach Juvet, steht 2020 eine neue Krise bevor. Diese werde durch eine Rezession in den USA und die hohen Schulden ausgelöst. Da die Märkte solche Ereignisse gewöhnlich ein halbes Jahr vorwegnehmen, sei es Mitte 2019 an der Zeit, verstärkt in sehr defensive Anlagen wie zehnjährige US-­Treasuries oder Gold zu investieren. «Man muss vorausblicken und bereit sein, wenn der Markt dreht», mahnt Juvet.

Für den Namen gekämpft

Mehr als zwei Jahre hat Matthias Preiswerk für den Namen seiner Bank gekämpft. Da sich der letzte Vertreter der Familie Baumann 2013 als Teilhaber zurückzog, hätte Baumann & Cie wie schon zweimal in ihrer bald 100-jährigen Geschichte den Namen ändern müssen. Um das zu vermeiden, brachte Preiswerk eine parlamentarische Initiative ein, der vor eineinhalb Jahren stattgegeben wurde. Seither müssen nicht nur persönlich haftende Privatbankiers, sondern alle Personengesellschaften in der Schweiz den Geschäftsführer nicht mehr im Firmennamen führen. «Damit wird die Bank nicht mehr anders heissen als Baumann & Cie», freut sich Preiswerk.

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Seit 16 Jahren ist Preiswerk Teilhaber und haftet mit seinem Privatvermögen. «Man muss schon unternehmerisch unterwegs sein», sagt er. Immer weniger wollen das und sind auch nicht bereit, das Risiko zu tragen. Auch Baumann hatte Geschäfte in den USA und sah sich plötzlich unberechenbaren Risiken gegenüber. Wegen der Haftung sei es ganz wesentlich, auch Nein sagen zu können und gewisse Geschäfte einfach nicht zu machen.
Preiswerk sieht sich und seine 60 Mit­arbeitenden in einer wachsenden Nische positioniert.

Da sich die Finanzbranche industrialisiere und generalisiere, sei eine persönliche, massgeschneiderte Betreuung besonders gefragt. Eine Mindest­anlage gibt es nicht. Denn auch ein 30-jähriger Anwalt mit wenig Kapital kann sich mit- ­tel- bis langfristig zu einem interessanten Kunden entwickeln. Die Klientel kann sich gleich an der Bank beteiligen, genau genommen an der Kommanditärin AVAG Anlage und Verwaltungs AG. Sie partizipiert am Gesamtergebnis der Bank. Das ergibt sich aus dem Kerngeschäft der Vermögensverwaltung, dem Ergebnis der ­Trafina Privatbank, zwei Immobilienunternehmen und einer Beteiligungsgesellschaft, die beispielsweise Anteile an Start-ups hält. Jährlich wird eine Dividende ausgeschüttet. Zuletzt lag sie bei 3,2 Prozent.

E. Gutzwiller & Cie

Gründungsdatum: 1886
Generation: 4.
Sitz: Basel, Filialen in Genf und Zürich
Mitarbeiter: 85
Anzahl Kundenberater: 25–30
Anzahl Mitarbeiter Research: 4
Schwerpunkte im AM: ­Unternehmerisch geführte Anlagen
Anzahl Kunden: K.A.
Assets under Management: K.A.
Mindestanlage: Keine; mittelfristige Zielgrösse: 500 000 Fr.
Anlagen:
Nestlé:«Der neue CEO macht alles richtig – eine überzeugende Unternehmerfigur»
LVMH: «Die Firma überzeugt aufgrund der Risikostreuung. Die ­Übernahme von Rimowa wird ein riesiger Erfolg»
Berkshire Hathaway: «Starkes ­unternehmerisches Denken. Nachfolgeproblem wird überschätzt»

Peter Handschin

E. Gutzwiller & Cie: Peter Handschin, unbeschränkt haftender Partner.

Quelle: ZVG
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Das Geld der Kunden investiert man bevorzugt in Unternehmen, die wie die Bank selbst von Familien geprägt sind. Firmen mit identifizierbaren Aktionären seien gesünder geführt. Langfristig wirke sich das positiv auf den Aktienkurs aus.

Die Geburt miterlebt

Kennen manche Privatbankiers die Gründer ihrer Institute nur von alten Ölgemälden, hat die Führungsriege von Reichmuth & Co die Geburtsstunde der jüngsten Schweizer Privatbank hautnah miterlebt.

1996 löste sich Karl Reichmuth von der Luzerner Kantonalbank und gründete mit 56 Jahren – in einem Alter also, in dem sich andere bereits auf den Ruhestand vor­bereiten – die eigene Privatbank. Karls ­ältester Sohn Christof Reichmuth (50) stiess von der Credit Suisse dazu. Zu fünft legte man los. Heute beschäftigen die Reichmuths am Hauptsitz Luzern und den Standorten Zürich und St. Gallen mehr als 100 Mitarbeiter.

In den letzten Jahren hat Unternehmensgründer Karl die Führung nach und nach aus der Hand gegeben. 2015 trat er als Präsident des Verwaltungsrates zurück. Anfang des Jahres hat der mit 42 Jahren jüngste Sohn Remy Reichmuth die Rolle des persönlich haftenden Gesellschafters von seinem ­Vater übernommen. «Den Schritt habe ich mit meiner Frau besprochen. Sie trägt die Verantwortung indirekt mit», sagt Reichmuth. Und diese ist inzwischen ­beträchtlich.

Rund 6000 Kunden haben den Reichmuths Anlagen in der Höhe von rund zehn Milliarden Franken anvertraut. Viele von ihnen kommen aus dem Vorsorgebereich. In den 1990er Jahren war man als Mitgründer der PensExpert dabei. In den Augen der Reichmuths gibt es dort Lösungen ­gegen den Einheitsbrei in der Vorsorge. Neue Angebote, etwas abseits des Alltäglichen, sind für die Luzerner Privatbankiers typisch. «Wir bringen immer wieder mal ­Innovationen», sagt Remy Reichmuth.

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Baumann & Cie

Gründungsjahr: 1920
Generation: Gehört der aktiven Generation
Sitz: Basel, 2 Filialen
Mitarbeiter: 60
Anzahl Kundenberater: 14
Anzahl Mitarbeiter Research: 5
Schwerpunkte im AM: Einfach verständliche, nachvoll­ziehbare, pointierte Anlagen
Anzahl Kunden: 1400 AUM: K.A.
Mindestanlage: Keine; Immovision I: 500 000 Fr., Immovision II: 50 000 Fr.
Anlagen:
Für Bankkunden die AVAG, die Kommanditärin der Bank. Sie ist am Gesamtergebnis der Bank beteiligt;
Edelweiss-Excellence-Zertifikat* – Beteiligung an Schweizer KMUs
Immovision II – Schweizer Wohnimmos für qualifizierte ­Anleger, Mindestanlage 50 000 Fr.

* Investments des Edelweiss-Excellence-Zertifikats in Schweizer Small/Mid Caps werden von Baumann getätigt, Immovision I und II sind hauseigene Produkte.

Privatbankier. Matthias Preiswerk von der Privatbank Baumann & Cie in Basel ist noch einer der letzten Privatbankers der Schweiz. Aufgenommen am 08.10.2018 in Basel. Bild © Remo Naegeli

Baumann & Cie: Matthias Preiswerk, unbeschränkt haftender Teilhaber.

Quelle: Remo Naegeli

Zwei echte Privatbanken aus Basel

Basel ist die einzige Stadt mit zwei echten Privatbanken. 900 Meter von Baumann & Cie residiert die 1886 gegründete Gutzwiller & Cie. Bereits bald 30 Jahre sitzen dort die vier persönlich haftenden Teilhaber Peter Handschin, Stéphane Gutzwiller, François Gutzwiller und Lorenz Habsburg-Lothringen, wie auch in Anwaltskanzleien üblich, im selben Büro. «Wir führen diese Bank als vier Freunde», sagt Handschin. Er kam von aussen. Im Jahr 1990 wechselte er von Sarasin zu Gutzwiller. Jetzt bereitet man sich auf seine Pensionierung vor. In seine Fussstapfen wird wohl Amedeo Habsburg-Lothringen, der Sohn von Lorenz, steigen. Der 32-Jährige dürfte in zwei Jahren zum persönlich haftenden Teilhaber gekürt werden – vorausgesetzt, er wird nicht König. Er befindet sich auf Platz sechs der belgischen Thronfolge.

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Bei Gutzwiller sieht man sich als Fami­lienvermögensverwaltungsbank. Ob dabei wie im Falle der echten Privatbankiers eine Personengesellschaft oder eine Aktiengesellschaft dahintersteht, ist für Peter Handschin egal. «Wichtig ist, dass eine unternehmerisch denkende Familie hinter den Geschäften steht.»

Leichtfertigkeit verloren

Durch die Regulierung sind die Geschäfte für Handschin und seine Kollegen einfacher geworden. «Heute ist man für alles verantwortlich. Die Compliance ist riesengross geworden. Die Leichtfertigkeit ist verloren gegangen. Aber man muss es als Herausforderung nehmen, nicht als Last», so Handschin. Noch ist die Internationa­lität der Kundschaft gross. Da sich durch die Regulierungen die Anforderungen für ­jedes Land erhöhen, wird man sich auf weniger Nationen konzentrieren. Auch hat man sich bei Gutzwiller auf massgeschneiderte Vermögensverwaltung fokussiert. «Kunden wollen nicht in einen Topf geworfen werden, das ist unsere grosse Chance», sagt Handschin.

Reichmuth & Co

Gründungsdatum: 1996
Generation: 2.
Sitz: Luzern, 4 Filialen
Mitarbeiter: 106
Anzahl Kundenberater: 49
Anzahl Mitarbeiter Research: 17
Schwerpunkte im AM: U.a. Aktien: Nebenwerte Schweiz, ­Infrastruktur: Schweiz und Europa
Anzahl Kunden: 6357
Assets under Management: 10 Mrd. Fr.
Mindestanlage: KGK Fonds 250 000 Fr., InRoll* ab 1 Mio. Fr.
Anlagen:
Asiatische Aktien, z.B. der börsengehandelte Closed-End Fund Vietnam Enterprise Investments (ISIN: KYG9361H1092)
Schweizer Nebenwerte wie Interroll, Kardex oder Bobst, die von Amazons Erfolg profitieren
Realwerte mit stabilen Cashflows und hohen Ausschüttungen wie InRoll mit Mindestanlage 250 000 Fr.
* Die InRoll AG wurde von Reichmuth gegründet.

Privatbankier. Remy Reichmuth von der Privatbank Reichmuth & Co in Luzern ist noch einer der letzten Privatbankers der Schweiz. Aufgenommen am 10.10.2018 in Zuerich. Bild © Remo Naegeli

Reichmuth & Co: Remy Reichmuth ungeschränkt haftender Gesellschafter.

Quelle: Remo Naegeli
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Dazu zählt ein zwölf Jahre laufender, geschlossener Infrastrukturfonds. Seit 2015 wurden vor allem von Pensionskassen 250 Millionen in das Produkt investiert. Dieser Fonds zeichnet sich wie alle Infrastrukturprodukte der Reichmuths durch einen direkten Zugriff auf Realwerte und möglichst stabile, berechenbare Cashflows aus. Konkrete Beispiele sind Beteiligungen an Wasserkraftwerken oder der Kauf von Lokomotiven. Der Preis, den man dafür zahlt, ist eine eingeschränkte Liquidität. Im Frühjahr 2019 wird ein weiterer Infrastrukturfonds aufgelegt. Die minimale Anlagesumme liegt bei einer Million Franken.

Risiken im Griff

Ebenso an realen Werten orientiert ist die von den Reichmuths gegründete InRoll, über die man sich an Güterwagen beteiligen kann. Mehr als 300 Millionen Franken sind in rund 3000 Güterwagen investiert. Diese werden langfristig vermietet, was verlässliche, stabile Cashflows bringt. Die Mindestanlage liegt bei 250 000 Franken. Das Kapital ist so zwar langfristig gebunden, dafür wird man, gemessen am aktuellen Zinsniveau, fürstlich entlohnt. Jährlich werden rund sieben Prozent ausgeschüttet. Den operativen Betrieb überlässt man einem Profi.

Da sich Reichmuth im Unterschied zu den grossen Spielern auf sogenannte «Brownfield-Projekte» fokussiert, ist das Rendite-Risiko-Profil tiefer. «Greenfield-Projekte», etwa ein Tunnelbau, haben die Aussicht auf höhere Renditen, bringen aber auch deutlich grössere Risiken mit sich. Und bei den letzten echten Privatbankiers hat man die Risiken – anders als bei Wegelin – im Griff.

Dieser Text erschien in der November-Ausgabe 11/2018 der BILANZ.

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