Bundesrat Ueli Maurer wählte kurz vor Jahresende klare Worte, als er sich zu Libra äusserte und erklärte, die Schweiz könne ­die von Facebook initiierte Währung in der vorliegenden Form nicht bewilligen. Zuvor hatte der internationale Druck vor allem von Finanzministern und Notenbankern auf das umstrittene Projekt mit Standort Genf zugenommen.

Trotz allen kritischen Stimmen hält Libra an der Schweiz fest. «Wir geben ein klares Bekenntnis zur Schweiz ab», sagt Dante Disparte, Chef des politischen Stabs bei der Libra Association. Man stehe ­weiter in Kontakt mit den interessierten Stellen.

Facebook zieht sich schrittweise zurück

Die Libra Association war letztes Jahr von Facebook in Genf ins Leben gerufen worden als jener Verein, der die Oberaufsicht über das neue Bezahlsystem mit der neuen Währung Libra innehaben wird. Facebook selber zieht sich aus der Association sukzessive zurück und soll letztlich nur noch ein Vereinsmitglied neben anderen sein, welche das Projekt unterstützen. Hauptzweck von Libra ist es in einer ersten Phase, grenzüberschreitende Transaktionen zu verbilligen.

Der Verein muss nun vorderhand die Entwicklung des neuen Bezahl-Netzwerks koordinieren und die entsprechende Infrastruktur aufbauen. 

Zwei Firmen mit Fokus auf Finanzaktivitäten gehören bis heute zum Genfer ­Firmengeflecht der Libra ­Association. Wie viele Leute bereits heute in Genf arbeiten, gibt der Verein nicht ­bekannt, doch ein Ausbau ist geplant. «Dieses Jahr ist enorm wichtig», sagt Dis­parte, der in diesen Tagen am Worldwebforum in Zürich auftritt. «Man sollte also auch die Personalzahlen wachsen sehen.» Auch in Genf.

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«Nicht unmöglich»

Andere Firmen und Blockchain-Pro­jekte haben in der Schweiz ganze Forschungs- und Entwicklungszentren aufgebaut. Dazu gehört etwa Dfinity, das letztlich eine effiziente Cloud-Lösung anbieten will und in Zürich vierzig Leute beschäftigt. Der Messengerdienst Telegram erwog letzten Herbst, für sein eigenes Bezahlsystem seine Forscher in die Schweiz zu bringen, hat dies aber bisher nicht umgesetzt.

Dante Disparte Libra Association

«Man sollte auch die Personalzahlen wachsen sehen»: Dante Disparte, Chef Politik bei Libra – hier in einem Interview mit CNBC. 

Quelle: CNBC | Screenshot

«Es ist nicht unmöglich», sagt Disparte. Ein Forschungszentrum in der Schweiz könnte dereinst eine Erweiterung sein, habe allerdings bisher nicht auf der Agenda gestanden. Vorderhand gehe es eher darum, Kernfähigkeiten rund um Finanzrisiken und Compliance aufzubauen.

Libra gilt als sogenannter Stable Coin. Das sind Währungen, die im Wert wenig schwanken. Um dies zu erreichen, wird ­Libra mit Dollar, Euro oder anderen harten Währungen oder entsprechenden Schuldpapieren unterlegt. Jeder Libra soll so zum Beispiel durch 1 Dollar gedeckt sein. Welche Währungen am Schluss zum Zuge kommen, ist noch nicht festgelegt. Auch nicht, wo die Vermögenswerte gelagert werden, welche Libra unterlegt sind. «Die Aufbewahrer werden hoch regulierte und gut kapitalisierte Institutionen sein. Da können potenziell auch Schweizer Banken dabei sein», so Disparte. Das sei allerdings noch offen.

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Zuerst die Zustimmung der Behörden

Die Association hält daran fest, das Projekt wie angekündigt umzusetzen: «Die Libra Association will 2020 an die Startlinie gehen», sagt Disparte. Etwas Arbeit braucht es allerdings bis dahin, damit Aussagen wie jene von Maurer – oder auch von anderen europäischen Finanzministern – nicht wieder Schlagzeilen machen. Jedenfalls sucht Libra eindeutig stärker als zu Beginn, die Bedenken zu zerstreuen.

So sei man damit einverstanden, dass die Souveränität der Zentralbanken in Geldfragen geschützt bleibe, verlautet nun immer öfter. Auch baue Libra ein Geldsystem, mit dem Risiken wie Geld­wäscherei und Terrorfinanzierung gehandhabt werden können. «Viele frühe Kryptowährungsprojekte sind gestartet, um danach um Vergebung zu bitten», sagt Disparte.

Bei Libra herrsche die Überzeugung vor, man solle starten mit gleich­zeitiger Klarheit und regulatorischer Zu­stimmung.

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