Der Börsenwert von Apple stieg am Montag zum ersten Mal über die Schwelle von drei Billionen US-Dollar. So hoch wurde noch nie ein US-Unternehmen am Aktienmarkt bewertet. Apple ist damit auch teuerstes Unternehmen weltweit. Erst im August 2020 hatte die Marktkapitalisierung von Apple die Marke von zwei Billionen Dollar überschritten.

Der iPhone-Hersteller widerspiegelt in überdeutlicher Weise den Anstieg der Börsen seit dem Corona-Einbruch im März 2020. Seither hat auch der Swiss Market Index 59 Prozent zugelegt. Im letzten Jahr betrug das Plus 20,3 Prozent.

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Nestle
Quelle: Cash.ch

Nestlé bleibt mit einer Börsenkapitalisierung von fast 363 Milliarden Franken das wertvollste und in der Schweiz kotierte Unternehmen. Würde jemand den Nahrungsmittelgiganten übernehmen wollen, müsste dafür wahrscheinlich schon ein Preis von rund 440 Milliarden Franken bezahlt werden. Grundlage dafür ist ein historischer Übernahme-Aufpreis von etwa 21 Prozent zum Börsenwert eines Unternehmens.

Bei attraktiven Pharmafirmen beträgt diese Prämie derzeit sogar bis 40 Prozent. Insofern würde sich für das zweitwertvollste Schweizer Unternehmen, den Pharmakonzern Roche, ein (theoretischer) Übernahmepreis von rund 460 Milliarden Franken errechnen - wahrscheinlich doppelt soviel wie für den Lokalrivalen Novartis, dessen Aktienkurs heute rund 10 Prozent unter dem Stand von Mitte 2015 notiert. Für Roche steht für den gleichen Zeitraum ein Plus von 36 Prozent zu Buche.

Nicht eingeschlossen in der Tabelle der teuersten Schweizer Firmen unten sind Schweizer Unternehmen, die nicht kotiert sind oder ihre Aktien im Ausland gelistet haben. Zu ersteren gehören die umsatzmässig grossen Rohstoffunternehmen wie Trafigura. In der zweite Gruppe ist zum Beispiel die Zuger Glencore mit Kotierung in London.

Mit einer Kapitalisierung von umgerechnet rund 63 Milliarden Franken ist das Rohstoffunternehmen leicht «teurer» als die UBS. Nicht in die Top 20 der wertvollsten Schweizer Firmen käme On Running (Kotierung: New York) mit einem Börsenwert von umgerechnet 11 Milliarden Franken.

Die meisten Schweizer Firmen haben an der Börse vom Aufschwung der letzten fast zwei Jahre profitiert. Allerdings nicht alle im selben Mass. Es gibt auch deutliche Absteiger.

Die Aufsteiger bei den wertvollsten Schweizer Firmen

Es mag überraschen, dass der Uhren- und Schmuckhersteller Richemont derzeit viergrösste Schweizer Firma nach Börsenwert ist, noch vor ABB, der UBS und Zurich Insurance. Richemont ist mittlerweile fast fünfmal so wertvoll wie Konkurrentin Swatch, die noch eine Kapitalisierung von rund 15 Milliarden Franken aufweist.

Die Richemont-Aktie hat im letzten Jahr 73 Prozent zugelegt, der mit Abstand grösste Zuwachs bei den SMI-Mitgliedern. Die Aktie hat noch Raum nach oben: Die globalen Reiseaktivitäten, die wichtig sind für das Geschäft von Richemont, sind noch lange nicht auf dem Vor-Corona-Niveau. Eine wachsende Zahl von Investoren betrachtet Luxusuhren und Schmuck zudem als Inflationsschutz. Ein Risiko stellt allerdings der unberechenbar gewordene Markt China dar. Um Richemont ranken sich seit rund zwei Jahren Übernahmespekulationen.

Allerdings beweist der Konzern derzeit, dass es zum Takeover-Schutz ein traditionell sehr wirksames Mittel gibt: Ein möglichst hoher Aktienkurs. Richemont würde derzeit wohl mindestens 100 Milliarden Franken kosten. 

Börsen-Aufsteiger ist auch eine Gruppe bestehend aus SikaLonza und Partners Group. Der Vermögensverwalter profitiert nach wie vor vom Tiefzinsumfeld, da Investoren in den letzten Jahren vermehrt Private-Equity-Anlagen gesucht haben, auf die sich Partners Group spezialisiert hat. Das Unternehmen ist mit seinen rund 40 Milliarden Franken mittlerweile fast doppelt so viel Wert wie die Grossbank Credit Suisse.

Sika (mit einem Aktienzuwachs von fast 60 Prozent allein im 2021) und Lonza kommen mit ihren Marktbewertungen von je rund 55 Milliarden Franken der UBS schon bedrohlich nahe.

Eine heterogen zusammengestellte Gruppe mit den Nicht-SMI-Mitgliedern Kühne + NagelStraumann und Lindt & Sprüngli hat sich auf die Plätze 13 bis 15 geschoben. Aus diesem Dreier-Trupp wird der SMI wohl auch Nachwuchs rekrutieren. Mit einem Zuwachs von 88 Prozent war der Dentalimplantatehersetller Straumann im letzten Jahr die siebtbeste Aktie am Schweizer Markt überhaupt.

Die Aktie hat sich seit dem Coronatiefstand gar vervierfacht. Dass Straumann nun Position 14 bei den wertvollsten Schweizer Unternehmen einnimmt, ist wohl eine der bemerkenswertesten Entwicklungen in der Schweizer Firmenlandschaft der letzten zwei Jahre.

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Obwohl die Aktie von Kühne + Nagel im zweiten Halbjahr 2021 um fast ein Drittel eingebrochen war, profitiert das Unternehmen nach wie vor von der steigenden Nachfrage nach Transportdienstleistungen, vor allem auf dem Landweg. Sowohl bei Kühne wie bei Straumann rechnen Experten mit einem kräftigen Anstieg der Dividende. In einer eigenen Liga spielt der Schokoladeproduzent Lindt & Sprüngli. Die Aktie hat in den letzten zehn Monaten 50 Prozent dazugewonnen und steht heute bei 122'000 Franken.

Die Absteiger bei den wertvollsten Schweizer Firmen

Der grösste Absteiger bleibt die Credit Suisse (CS), die Gründe dafür sind bekannt. Der Marktwert der Bank steht noch bei 24,3 Milliarden Franken. Fast überflüssig zu erwähnen, dass dies nicht mehr für die Top 20 der wertvollsten Schweizer Unternehmen reicht. Die CS ist derzeit etwa gleich viel Wert wie der Spezialchemiekonzern Ems-Chemie, der Warenprüfer SGS oder der Hörgerätehersteller Sonova

Der CS-Aktienkurs hat Mitte Dezember mit 8,32 Franken den tiefsten Stand seit 17 Monaten erreicht. Theoretisch ist die CS bei dieser Bewertung ein Übernahmeziel. Wer die Bank überhaupt als Ganzes im derzeitigen Zustand kaufen will, ist allerdings fraglich. 

Die traditionsreichen SMI-Unternehmen Swiss Re und Holcim sind ebenfalls klare Verlierer punkto Wertentwicklung. Swiss Re, einst nicht unter den Top 5 der teuersten Schweizer Unternehmen wegzudenken, ist auf Position 16 abgerutscht. Der Rückversicherer aus Zürich ist nun gar 2 Milliarden Franken weniger Wert als die Implantatefirma Straumann aus Basel.

Obwohl Swiss Re 2021 das weltweit viertteuerste Schadenjahr der Geschichte zu verkraften hatte, gab das Unternehmen nach neun Monaten 2021 einen überraschend hohen Gewinn bekannt. Zwar reagierte die Aktie mit einem Kurssprung. Doch die Investoren-Sicht auf die Rückversicherungsbranche hat sich in den letzten Jahren verändert - nicht hin zum Positiven.

Noch immer notiert die Swiss-Re-Aktie über 20 Prozent unter dem Wert vor Corona. Und zum Rekordstand von 207 Franken aus dem Jahr 1999 fehlt mehr als das Doppelte des derzeitigen Kurses.

Die Megafusion im Jahr 2015 zwischen Holcim und Lafarge hätte laut Holcim-Grossaktionär Thomas Schmidheiny zu einer deutlichen Wertsteigerung des Aktienkurses führen sollen. «Wir sollten relativ zügig einen Aktienkurs von 100 Franken erreichen», sagte Schmidheiny in einem Interview mit der «Handelszeitung» damals. Eingetreten ist das Gegenteil.

Der Kurs stand 2015 bei 74 Franken, heute sind es 47 Franken. Nachhaltig über 60 Franken ist der Kurs seit sechs Jahren nicht mehr geklettert. Neuderdings hat Holcim auch einen «ESG-Malus»: Die CO2-Belastung in der Baustoffherstellung schreckt klimabewusste Investoren ab. Die Geduld bei den Investorinnen und Investoren ist überstrapaziert.