Hauptgrund für das sinkende Vertrauen der vom diesjährigen Raiffeisen-Vorsorgebarometer Befragten in die zweite Säule ist die zunehmende Rechtsunsicherheit für Versicherte. Sie hat viele Facetten. Eine ist die gesetzlich nicht geregelte Festlegung des Umwandlungssatzes im überobligatorischen Teil.

Wer jährlich bis 85 320 Franken verdient, ist häufig nur im Rahmen des Obligatoriums versichert. Er erhält im Alter eine Rente auf Basis des gesetzlichen Umwandlungssatzes von bisher 6,8 Prozent. Für 100 000 Franken Altersguthaben ergibt das eine 6800-Franken-Jahresrente.

Fragen, wohin der Einkauf wandert

Was inzwischen im überobligatorischen Teil passieren kann, zeigt das Beispiel von Karl Egli (Name geändert). Von seinen 150 000 Franken Altersguthaben gelten 50 000 Franken als obligatorisch. 50 000 Franken hat er freiwillig einbezahlt. Letztere bringen ihm ein Plus von 1000 Franken pro Jahr, was einer Rendite von lediglich 2 Prozent entspricht.

Insgesamt erhält er eine Jahrespension von 7800 Franken. Herr Egli hatte noch Glück. Hätte er nämlich nur 20 000 Franken im Überobligatorium gehabt, wären diese laut dem entsprechenden PK-Reglement bei der Pensionierung komplett verschwunden. Sie wären ihm de facto von seiner Pensionskasse gestohlen worden.

Lohnt es sich unter solchen Vorzeichen vor allem für gut und besser Verdienende überhaupt noch, freiwillig in ihre zweite Säule einzuzahlen? «Man sollte immer vorgängig abklären, in welchen Teil der PK-Einkauf fliesst und welche Bedingungen für den Umwandlungssatz und die Verzinsung im Obligatorium und Überobligatorium gelten», fasst Florian Schubiger vom Beratungsunternehmen Vermögenspartner in Zürich zusammen.

Wichtig sei auch in Erfahrung zu bringen, von welchem Teil ein allfälliger späterer Bezug «genommen» werde. «Im schlechtesten Fall fliessen die Einkäufe in den überobligatorischen Teil und die Bezüge werden vom obligatorischen Teil ‹genommen›», so Schubiger. Ebenfalls könne es sich lohnen zu wissen, ob Risikoleistungen wie Invaliditätsrente oder Hinterbliebenenleistungen vom Einkauf positiv betroffen wären.

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Pensionskassen
Quelle: Handelszeitung

Prüfung ab dem fünfzigsten Lebensjahr

Genau hinschauen ist auch die Grundaussage von Yannik Primus. «Die Rendite des Pensionskasseneinkaufs nach sämtlichen Steuerfolgen ist der Rendite einer Alternativanlage im freien Vermögen gegenüberzustellen», kommentiert der Sprecher von Swisscanto und der Zürcher Kantonalbank. Aufgrund der Gebundenheit der Einkaufsbeträge empfehle sich in der Regel die Prüfung eines Einkaufs ungefähr ab dem fünfzigsten Lebensjahr.

Tatsächlich ist neben einer gründlichen Renditeabwägung für einen sinnvollen PK-Einkauf auch der Zeitpunkt wichtig. «10 bis 15 Jahre oder weniger vor der geplanten Pensionierung machen Sinn, denn die Rechtslage und Parameter wie Umwandlungssätze oder steuerliche Betrachtungen beim Bezug können sich noch ändern, wenn die Zeitspanne vom Einkauf bis zur Pensionierung zu lange ist», empfiehlt Schubiger von Vermögenspartner. Zudem sollte ein Wechsel des Arbeitgebers wenn möglich nicht mehr geplant sein, weil sich dann die Bedingungen wieder ändern könnten.

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Nachteile überwiegen massiv

Was bleiben also als Vorteile einer freiwilligen Einzahlung, ausser potenziell massiven Steuerabzügen im Einkaufsjahr und einer möglichen, aber zunehmend unsicheren Rentenerhöhung? Bei Lichte betrachtet überwiegen die Nachteile immer stärker.

«Bei gesetzlichen Änderungen oder Anpassungen im PK-Reglement wie zum Beispiel einer Senkung des Umwandlungssatzes ist man voll ausgeliefert. Eine Besitzstandswahrung ist nicht garantiert», stellt Florian Schubiger nüchtern fest. Auch gesetzliche Änderungen ausserhalb des PK-Reglements wie Steuergesetze oder Verordnungen könnten Folgen haben.

Schubigers Fazit: PK-Einkäufe bleiben interessant, vor allem aus steuerlicher Sicht. Es sei aber vermehrt darauf zu achten, dass Änderungen bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen nachteilige Auswirkungen auf die Nachsteuerrendite haben könnten. «Diese Dynamik hat zugenommen, was die Planbarkeit erschwert», erklärt der Vorsorgespezialist.

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