Die Politik sei gefordert, «endlich etwas für die Altersvorsorge zu tun»: Dies sagt Baloise-Chef Gert De Winter im Interview mit der «Handelszeitung». «Es geht so nicht mehr weiter. Eine Lösung für die Altersvorsorge ist zwingend und dringend.» Dabei warnt er davor, im Pensionskassenbereich eine Lösung wie in der AHV anzustreben, «die nur auf höheren Beiträgen basiert».

Zur Gefahr, dass ein Grossteil der Stimmbevölkerung eine Revision mit Blick auf die eigene Pensionierung ablehnen könnte, sagt De Winter: Er hoffe auf die Solidarität der Generationen. Und präzisiert, für einmal sei die Solidarität der Alten mit den Jungen gefragt. «Ich kann mir nicht vorstellen, aus reinem Eigennutz für einen Aufschub der Reformen zu plädieren. Meine Kinder und Grosskinder müssten dafür bezahlen.»

Der Umwandlungssatz müsse sicher sinken, so der Baloise-CEO. «Und es muss möglich sein, Prämien zur Finanzierung der Umwandlungsverluste einzuziehen. Aber eine Lösung wie bei der AHV-Reform, die nur auf höheren Beiträgen basiert, ist nicht hilfreich.»

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Expansion für Online-Versicherungen

Die Baloise bleibe jedenfalls dabei: Sie biete auch künftig die Vollversicherung für Pensionskassengelder an. «Das ist nicht nur fürs Image, denn die Nachfrage bei den KMU nach der Vollversicherung ist gross.»

Die Baloise könnte künftig wieder vermehrt ausserhalb ihrer derzeit bewirtschafteten Marktgebiete tätig werden, verrät De Winter im Interview weiter. Die Digitalisierung biete hierzu neue Möglichkeiten, da man nicht mehr zwingend auf eine «kritische Grösse» angewiesen sei. «Expansionspläne für die Online-Versicherungen Friday und Mobly sind durchaus denkbar», so der Belgier, der seit 2016 an der Spitze der Baloise steht. «Im kommenden Jahr werden wir wohl mehr wissen. Auch, welche Märkte dafür infrage kommen. Dabei können auch Länder auf dem Radar sein, in denen wir derzeit nicht tätig sind.»

(hec)