Wirtschaftliche und geopolitische Krisen zogen sich durch das laufende Jahr wie ein roter Faden. Wenig überraschend ging die M&A-Tätigkeit zurück. Nichtsdestotrotz wurden nach wie vor mehr Transaktionen abgewickelt als noch vor der Pandemie.

Dieser Abwärtstrend dürfte so schnell nicht umkehren: Der Oaklins M&A-Index ist auf den drittniedrigsten Stand seit der ersten Erhebung Anfang 2015 gesunken. In den kommenden zwölf Monaten dürften also weniger Übernahmen und Zusammenschlüsse über die Bühne gehen – unter anderem, da die unsichere wirtschaftliche Lage die Risikobereitschaft potenzieller Investoren senkt.

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Höhere Zinsen verschlechtern das Finanzierungsumfeld

Aktuell gehen 15 Prozent der rund 100 befragten M&A-Experten und Entscheidungsträger der Schweizer Wirtschaft von einer eher guten oder guten Konjunkturentwicklung aus. Vor sechs Monaten waren es noch gut doppelt so viele. Zu dieser pessimistischeren Einschätzung trägt neben der Inflation, den Energiepreisen und den Lieferkettenschwierigkeiten auch die geringe politische Unterstützung für den Schweizer Industriestandort bei.

Trotzdem ziehen 58 Prozent der Befragten in den kommenden zwölf Monaten eine Übernahme in Betracht. Dieser Wert liegt im langjährigen Durchschnitt. Zudem überlegt sich knapp ein Drittel den Verkauf von Unternehmensteilen. Dies, um einerseits Nachfolgelösungen zu finden, aber auch um flüssige Mittel freizusetzen, die beim Navigieren durch unsichere Zeiten behilflich sein sollen.

Über den Autor

Jürg Stucker ist Partner von Oaklins Switzerland, einem Unternehmen, das auf den Bereich Mergers and Acquisitions (M&A) und Corporate Finance spezialisiert ist. Er leitet das Oaklins Robotics Team und hat einen Fokus in den Branchen Industrial Machinery & Components, TMT and Business Support Services. 

Unverändert liegt der Fokus für Übernahmen in erster Linie auf der Schweiz, Deutschland und dem übrigen Europa. Die Attraktivität von asiatischen Unternehmen hingegen geht weiter zurück. Das hat insbesondere damit zu tun, dass die Bedingungen für ausländische Firmen in China immer schwieriger werden. Einerseits hat die inzwischen etwas gelockerte Zero-Covid-Politik immer wieder zu Verwerfungen bei den Lieferketten geführt, andererseits belastet auch der chinesisch-amerikanische Handelskonflikt die Investitionsbedingungen.

Die veränderten Bedingungen an den Kapitalmärkten hinterlassen Spuren: Die Befragten schätzen die Verfügbarkeit von Fremdkapital weit weniger gut ein als noch vor sechs Monaten. Das ist nicht zuletzt auf die gestiegenen Zinsen zurückzuführen, die die Finanzierung von Übernahmen teurer und damit auch riskanter machen. Ebenfalls – wenn auch nicht im selben Ausmass – hat sich die Situation bei den flüssigen Mitteln eingetrübt.

Tiefere Preise und weniger Transaktionen mit Schweizer Beteiligung

Vor diesem Hintergrund sinken die bezahlten Preise bei Akquisitionen denn auch bereits. Das letzte Mal war das im Jahr 2015 der Fall. In vielen Sektoren ist daher ein Wandel von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt beobachtbar. Doch Firmen, die solide aufgestellt sind, bleiben nach wie vor gesucht und können trotz schwieriger Finanzierungsbedingungen gute Preise erzielen.