Es wird wieder heftig debattiert. Die Anhänger von Bitcoin nennen die Kunstwährung das «digitale Gold»: Sie sei wie bislang das gelbe Metall ein «safe haven» für den Fall, dass das traditionelle Geld- und Währungssystem zusammenbricht. Oder sie kann den Menschen dazu dienen, sich gegen eine drohende «finanzielle Repression» durch Regierungen und Notenbanken zu schützen.

Akuter wurde die Frage in den letzten Tagen dadurch, dass Tesla einerseits 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin investierte (wobei der Konzern das als ähnliche Absicherungs- und Diversifizierungs-Anlage wie Gold oder Gold-ETF bezeichnete). Auch stiegen weitere institutioneller Anleger in die Kryptowährung ein.

Doch kann das neue Vehikel tatsächlich das traditionelle Gold ersetzen? Oder ist das völlig vermessen?

Das spricht für Gold:

1. Jahrtausendealte Tradition
Schon im vierten Jahrtausend vor Christus hatte das Gold für die Menschen einen besonderen Wert – und das ist seither so geblieben. Hinzu kommt, dass das Edelmetall eine viel tiefere Volatilität hat, das heisst: Wenn man heute 1000 Franken in Gold anlegt, dann weiss man, dass das Metall auch in einem Jahr noch einen ähnlich hohen Wert hat – aber wie ist es beim Bitcoin?

«Der Tag, an dem Queen Elizabeth die fünf Pfund Gold in ihrer Krone gegen Krypto eintauscht, ist der Tag, an dem ich den Kurs ändern werde», bringt es David Rosenberg, Stratege von Merrill Lynch bei Market Insider auf den Punkt

2. Gold ist für alle gleich
Das Edelmetall ist für jeden überall zugänglich, egal welchen wirtschaftlichen Background er hat, aber auch unabhängig vom technologischen Wissen und vom Zugang zum Internet. Der Erwerb von Gold ist weitaus einfacher als der Einstieg in Kryptowährungen. Die digitale Natur einer Kryptowährung schafft andere Voraussetzungen als das physische Edelmetall

3. Gold als eiserne Zentralbank-Reserven
Auch wenn die schwedische Nationalbank in Kürze die E-Kronen einführen möchte, ist und bleibt Gold vorerst eine «Währung» für die Zentralbanken. Auch die wichtigsten Notenbanken haben immer noch Goldreserven – die amerikanische Fed beispielsweise hält immer noch gut 8'000 Tonnen, und auch die Schweizer SNB besitzt gut 1'000 Tonnen des Edelmetalls

4. Gold hat soliden gesetzlichen Rückhalt
Es würde so oder so noch lange dauern, Gold als sicheren Hafen abzulösen. Bitcoin hat zwar ebenfalls den Vorteil, dass es gegenüber den traditionellen Währungen nicht entwertet werden kann. Aber Bitcoin droht Ungemach von den Gesetzgebern – es ist nicht mal auszuschliessen, dass es, wenn es denn zu wichtig würde, einfach verboten wird.

5. Weltweite Anhängerschaft
Die Anleger von Gold wie von Kryptowährungen glauben stark an ihr Produkt, «Goldbugs» wie Krypto-Nerds befassen sich leidenschaftlich damit. Und so lassen sich die Anleger auch einteilen: Gold ist eine traditionsreicher Wert, Bitcoin ist gerade mal zehn Jahre alt. Dementsprechend finden sich auch die Anleger eher den beiden Klassen – mal eher konservativ, mal eher progressiv.

Finanzmärkte im Bitcoin-Rausch: Ist die Kryptowährung das neue Gold?

Das spricht für Bitcoin: 

1. Unternehmen nehmen Bitcoin in ihr Portfolio auf
Inzwischen versuchen grosse Unternehmen, Bitcoin in ihre Bilanzen aufzunehmen, um den Wert zu steigern. Experten wie etwa Anthony Pompliano von Pomp Investments sagen sogar voraus, dass Bitcoin die Marktkapitalisierung von Gold bis 2030 übertreffen könnte.

2. Bitcoin wird noch mehr ein Zahlungsmittel werden
Nun kann man auch den Tesla mit Bitcoin zahle, zumindest teilweise – und viele andere Produkte von namhaften Unternehmen. Der einfachere Austausch und die breitere Verwendung von Bitcoin in der modernen Wirtschaft könnte dafür sorgen, dass die Kryptowährung am Ende agiler ist als Gold. Aktuelles Beispiel: Seit diesem Jahr akzeptiert der Kanton Zug Bitcoin und Ether zur Steuerzahlung - Gold aber immer noch nicht. Das Edelmetall dient eher zur Werterhaltung.

3. Alternative Anlageform
Der Hype um Bitcoin ist inzwischen so gross geworden, dass auch gestandene Unternehmen oder Investoren sich nicht davor verschliessen können und Bitcoin als Alternative in ihrem Portfolio und zur Diversifizierung beimischen. Konkret: Inzwischen sind alle Bitcoin zusammen mehr als eine Billion Dollar wert. Damit kommt man schwerer darum herum.

4. Bitcoin wird zum Mainstream
Während Gold einen klaren Wert und Sicherheit hat, ist das Auf- und Ab von Bitcoin atemberaubend. Die These der Anhänger lautet aber, dass sich das in den nächsten Jahren beruhigen wird. Womit der Bitcoin eben auch besser zur Wertaufbewahrung taugen wird, wie «The Economic Times» schreibt.

5. Die Liquidität steigt und die Handelspreise sinken
Die Transaktionskosten der Kryptowährungen müssen weiter sinken, so dass man bald günstiger in den Handel von Kryptowährungen einsteigen kann. Dazu ist die Liquidität von Bitcoin höher als Gold. Im Gegensatz zu Gold können globale Zahlungen innerhalb von Minuten verbucht werden.