Es lief den Schweizer Bergbahnen prächtig in den letzten Jahren. Nach einer Reihe von schneereichen Wintern schienen die Sorgen um den Klima­wandel vergessen. Der Franken wurde ­wenigstens nicht noch stärker und die ­ausländischen Gäste strömten wieder in grossen Massen in unser Land. Jede Menge Asiaten bevölkerten das Jungfraujoch, den Pilatus oder die Rigi. Die Bergbahnunternehmen eilten von einem Rekordgewinn zum nächsten. Die Aktien dieser Unternehmen erklommen immer neue Kurs-Gipfel.

Doch dann kam Corona. Der Bundesrat legte die Bergbahnen still. Die ausländischen Touristen blieben aus. Die Umsätze brachen ein. Die roten Zahlen häuften sich. Die Aktienkurse gingen in den Sinkflug über.

Bergbahnen in zwei Gruppen aufgeteilt

Jetzt, im Herbst, wo der Lockdown längst aufgehoben ist, teilen sich die Bergbahnunternehmen in zwei Gruppen auf: Die einen, die seit je auf ­inländische Gäste fokussieren, hatten ­einen ziemlich guten Sommer. Denn Herr und Frau Schweizer machten dieses Jahr vor allem im eigenen Land Ferien.

Die anderen, bei denen Deutsche, Briten, Amerikaner und Asiaten den Grossteil der Touristen ausmachen, konnten die Umsatzausfälle bis jetzt nicht kompensieren. Allerdings rechnen sie damit, dass die auslän­dischen Gäste nächstes Jahr allmählich zurückkehren und sich die Situation bis ins Jahr 2022 normalisiert.

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Branchenindex von der BEKB

Investitionen in Aktien von Schweizer Bergbahnen haben sich in den letzten Jahren meist ausbezahlt. Sind sie auch jetzt noch eine gute Wahl? Drei dieser Unternehmen sind ­kotiert und werden an der Schweizer ­Börse SIX gehandelt. Für alle anderen gibt es drei ausserbörsliche Broker: die Berner Kantonalbank, die Zürcher Kantonalbank und die Privatbank Lienhardt & Partner. Die Berner Kantonalbank führt mit OTC-X Berg­bahnen sogar einen Branchenindex.

Den meisten grossen Bergbahnunternehmen geht es trotz der Corona-Krise nicht wirklich schlecht. Viele haben eine hohe Eigenkapitalquote oder sind gar schuldenfrei. In den letzten Jahren konnten sie grosse Reserven bilden. Darum halten die meisten auch an ihren geplanten Grossinvesti­tionen fest.

Jetzt Aktien von Bergbahnen zu kaufen, könnte sich lohnen, sagt André Spillmann von Lienhardt & Partner. «Spätestens wenn es einen Corona-Impfstoff gibt, dürften sich die Aktienkurse erholen.» Auch Björn Zern von schweizeraktien.net, der für die Berner Kantonalbank ausserbörsliche Schweizer Aktien analysiert, sieht Investment-Gelegenheiten. Wichtig sei aber, dass man sich die Bilanzen der entsprechenden Bergbahnunternehmen genau anschaue. «Entscheidend ist, ob in den nächsten Jahren grössere Investi­tionen anstehen und ob diese über die künftigen Cashflows finanziert werden können», so Zern.

Kotierte Aktiengesellschaften

▶︎ BVZ Holding

  • Eigenkapitalquote 2019: 47,8%
  • Enterprise Value / Ebidta: 6,53
  • Dividendenrendite: 1,80%

Hier gehts zum Aktienkurs.

BVZ steht für Brig-Visp-Zermatt-Bahn. Das Walliser Unternehmen betreibt die Bahnlinie Matterhorn-Gotthard zwischen Disentis und Zermatt sowie die Gornergrat-Bahn in Zermatt. Die Gäste stammen zur Hälfte aus dem Ausland, insbesondere aus Deutschland, Grossbritannien, den USA und Asien. Vor Corona lief es der BVZ bestens. 2019 resultierte ein Gewinn von 20 Millionen Franken. Der Aktienwert des Unternehmens hat sich zwischen 2014 und Januar 2020 fast verfünffacht. Doch während des Lockdowns mussten die Gornergrat-Bahn und der Glacier Express ihren Betrieb einstellen. Im ersten Halbjahr resultierte darum ein Verlust von 8,8 Millionen Franken. Dank der soliden finanziellen Basis hält die BVZ aber an den geplanten Investitionen fest, namentlich an 330 Millionen für neues Rollmaterial und neue Triebzüge sowie an der Einführung des 20-Minuten-Taktes für die Gornergrat-Bahn.

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▶︎ Titlis-Bahnen*

  • Eigenkapitalquote 2019: 88,2%
  • Enterprise Value / Ebidta: 4,97
  • Dividendenrendite: 4,40%

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Der Titlis in der Zentralschweiz ist eine der beliebtesten Destinationen von ausländischen Touristen, insbesondere aus Asien. In der Saison 2018/19 beförderte die Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis AG (Titlis-Bahnen) 1,24 Millionen Personen auf den Titlis, was einen neuen Rekord bedeutete. Die Aktie stieg in ihrem Wert zwischen 2008 und 2018 sogar um das Siebenfache, danach ging es aber tendenziell eher wieder abwärts. Die Corona-Krise hat die Titlis-Bahnen hart getroffen, denn auch nach dem Ende des Lockdowns kommen viel weniger Gäste als zuvor. Das Unternehmen musste Kurzarbeit einführen und verkündete im August, dass es im Herbst zu einem Stellenabbau und eventuell auch zu Entlassungen kommt. Wie geplant durchgezogen werden soll aber der Ausbau der Bergstation Titlis 3020 für 110 Millionen Franken, zusammen mit den Stararchitekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron aus Basel.

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▶︎ Jungfraubahn

  • Eigenkapitalquote 2019: 79,0%
  • Enterprise Value / Ebidta: 7,93
  • Dividendenrendite: 0%

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Vor Corona eilte die Jungfraubahn mit ihrer Topdestination Jungfraujoch von Rekord zu Rekord. In den letzten Jahren konnte regelmässig mehr als eine Million Gäste auf das Joch befördert werden. Auch 2019 stieg der Gewinn wieder, um 11,5 Prozent auf 53 Millionen Franken. Bei der Aktie resultierte bis Anfang dieses Jahres fast eine Verfünffachung des Wertes seit 2009. Der Lockdown hatte grosse Auswirkungen auf das Unternehmen, brach doch die Zahl der Jungfraujoch- Touristen und -Touristinnen, die zu 70 Prozent aus Asien kommen, um 80 Prozent ein. Es resultierte mit 11,5 Millionen Franken der erste Halbjahresverlust in der Geschichte der Jungfraubahn. An der Eröffnung der V-Bahn für 470 Millionen Franken im Dezember wird aber festgehalten. Sie besteht aus je einer Seilbahn von Grindelwald auf den Männlichen und zum Eigergletscher und verkürzt die Reisezeit auf das Joch um 45 Minuten.

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Nichtkotierte Akteingesellschaften

▶︎ Weisse Arena Gruppe**

  • Eigenkapitalquote 2019: 34,3%
  • Enterprise Value / Ebidta: 11,21
  • Dividendenrendite: 0%

Bis zum Lockdown war man im bündnerischen Laax im Geschäftsjahr 2019/20 auf Rekordkurs. Die Zahl der Gäste hatte bis dahin um 2 Prozent gegenüber dem bereits starken Vorjahr zugenommen. Es resultierte dann aber wegen des frühen Saisonendes ein überschaubarer Verlust von etwas über 6 Millionen Franken. Die Liquidität des Unternehmens, das auch Hotelbetten unterhält, konnte dank guter Zusammenarbeit mit dem Kanton und den Banken gesichert werden. Die Sommersaison habe sich dank zusätzlichen Gästen aus der Schweiz positiv entwickelt, heisst es bei Weisse Arena. Investieren will man in Laax in eine neue Pendelbahn, die ins Gebiet Cassons führt, das zum Unesco-Welterbe Sardona gehört. Bis 2023 sollen dafür bis zu 80 Millionen Franken fliessen.

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▶︎ Zermatt Bergbahnen**

  • Eigenkapitalquote 2019: 32,8%
  • Enterprise Value / Ebidta: 7,33
  • Dividendenrendite: 0%

Die Bergbahnen rund um das Klein Matterhorn transportieren zu 60 Prozent ausländische Gäste und machen zwischen 70 und 75 Prozent ihres Umsatzes im Winter. Im Geschäftsjahr 2019/20 war man bis zum Lockdown ebenfalls auf Rekordkurs. Es resultierte schliesslich ein Rückgang des Umsatzes um 15 Prozent. In Zermatt erhofft man sich eine Normalisierung der Gästezahlen bis in ein bis zwei Jahren. An den beiden Grossinvestitionen für insgesamt 60 Millionen Franken hält man fest. Es handelt sich zum einen um die neue Pendelbahn von Testa Grigia zum Klein Matterhorn, die 2022 eröffnet wird. So soll eine Fussgängerverbindung nach Italien geschaffen werden – die höchste Querung der Alpen. Zudem soll die neue Gondelbahn Kumme auf das Unterrothorn gebaut werden.

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▶︎ Rigi Bahnen

  • Eigenkapitalquote 2019: 55,5%
  • Enterprise Value / Ebidta: 8,47
  • Dividendenrendite: 1,25%

Die älteste Bergbahn Europas feiert nächstes Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. 2018 und 2019 waren Rekordjahre. Letztes Jahr beförderte das Unternehmen rund 900 000 Passagiere auf die Rigi, der Gewinn stieg um 25 Prozent (auch wegen einer neuen Rechnungslegung, die vom Bund vorgegeben ist). Vor dem Corona-Lockdown stammten rund 40 Prozent der Gäste aus dem Ausland. Jetzt muss man sich vorläufig auf den Heimmarkt Schweiz beschränken. So schlecht läuft das aber nicht: Mit etwas Wetterglück werde man «mit einem blauen Auge» davonkommen, heisst es bei den Bahnen. Im Herbst sollen sechs neue Triebwagen der Firma Stadler Rail in Betrieb genommen werden. Insgesamt belaufen sich die Investitionen in den nächsten fünf Jahren auf 75 bis 90 Millionen Franken.

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Fakten zum Thema

  • 3454 Meter über Meer liegt die Station Jungfraujoch, die höchste Eisenbahn-Station Europas.
  • 48 Prozent beträgt die maximale Steigung der Pilatus-Bahn, der steilsten Zahnradbahn der Welt.
  • 500 Unternehmen: So gross ist etwa die Zahl der Seilbahnunternehmen in der Schweiz. Sie betreiben total rund 2400 Anlagen.
  • 3 Kotierte Firmen: Es gibt drei an der SIX kotierte Bergbahnunternehmen: die BVZ Holding, die Titlis-Bahnen und die Jungfraubahn.

▶︎ Schilthornbahn

  • Eigenkapitalquote 2019: 48,9%
  • Enterprise Value / Ebidta: 8,31
  • Dividendenrendite: 0%

Das Schilthorn im Berner Oberland geniesst seit dem legendären «James Bond»-Dreh Kultstatus unter den Schweizer Bergdestinationen. Bis 2019 verzeichnete das Unternehmen acht unternehmerische Rekordjahre hintereinander. Nur ein Drittel der Gäste stammte dabei aus der Schweiz, entsprechend stark wirkte sich die Corona-Krise aus. Im Juni, nach dem Lockdown, verzeichnete man lediglich 35 Prozent der Gästezahl vom letzten Jahr, im Sommer waren es aber dank zusätzlichen Besucherinnen und Besuchern aus der Schweiz bereits wieder 65 Prozent. Unverändert geht es mit dem grossen Investitionsvorhaben des Unternehmens voran, dem kompletten Neubau der Schilthornbahn von Stechelberg über Mürren und Birg zum Schilthorn für insgesamt 90 Millionen Franken.

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▶︎ Davos Klosters Bergbahnen**

  • Eigenkapitalquote: 28,1%
  • Enterprise Value / Ebidta: 5,23
  • Dividendenrendite: 0%

Das World Economic Forum wird definitiv nicht im nächsten Januar durchgeführt. Es ist ein Ersatzanlass für den Frühsommer vorgesehen, der allerdings nicht in Davos stattfindet. Bei den Davos Klosters Bergbahnen blickt man sowieso mit einer gewissen Sorge auf den kommenden Winter. Bis jetzt ist man allerdings ziemlich gut durch die Corona-Krise gekommen. Für das Geschäftsjahr 2019/20 resultierte trotz Lockdown ein Cashflow von 25 Millionen Franken, etwa gleich viel wie im Vorjahr. Es sprang ein Gewinn von 2 Millionen Franken heraus. Und in diesem Sommer lief das Geschäft sogar besser als im Vorjahr. In Davos-Klosters lässt man aber Vorsicht walten und hat das Investitionsvolumen für das Geschäftsjahr 2020/21 von 20 auf 15 Millionen Franken reduziert.

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▶︎ Pilatus-Bahnen

  • Eigenkapitalquote 2019: 13,7%
  • Enterprise Value / Ebidta: 3,64
  • Dividendenrendite: 1,70%

Die Pilatus-Bahnen mit der weltweit steilsten Zahnradbahn auf den Hausberg von Luzern sind eines der profitabelsten Bergbahnunternehmen der Schweiz. Man ist schuldenfrei und konnte in den letzten Jahren dank gutem Geschäftsgang grosse Reserven anhäufen. 2019 beförderten die Pilatus- Bahnen erstmals über 600 000 Passagiere auf den Gipfel. Man verzeichnete einen Rekordumsatz von 37,8 Millionen Franken. Durch die Corona-Krise kam das Unternehmen bis jetzt ganz passabel, dank zusätzlichen Gästen aus dem Heimmarkt. Nicht gerüttelt wird an der geplanten Neukonzeption der Zahnradbahn für insgesamt 55 Millionen Franken. Dabei geht es unter anderem um den Ersatz der zehn Triebwagen der Zahnradbahn. Die entsprechenden Rückstellungen sind bereits gemacht.

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