Sie haben schon öfters zum Thema Airbnb publiziert. Waren Sie selber auch schon Gast?
Martin Neff: Schon mehrere Male, etwa im Bündnerland, in Neuenburg und in Barcelona. Das war grundsätzlich immer mit guten Erlebnissen verbunden. Airbnb ist definitiv eine Alternative zu den üblichen kommerziellen Ferienanbietern.

Ausgerechnet in der touristischen Baisse strebt Airbnb nun an die Börse. Weil Investoren und Angestellte endlich Cash für ihre Anteile sehen wollen?
Das mag mit ein Grund sein. Der wichtigere Grund scheint mir aber, dass das Timing stimmt. Die Börsen sind derzeit freundlich gestimmt, alle wollen jetzt die grosse Welle reiten. Kommt dazu, dass auch die Aussichten für eine Erholung des weltweiten Tourismus und damit für das Airbnb-Geschäftsmodell vielversprechend aussehen. Klar, auch Airbnb musste einen Covid-19-Taucher einstecken. Aber der fiel geringer aus als bei vielen Hotelgesellschaften und Online-Portalen.

Wenn es also gut aussieht für die Zukunft: Sollte man Airbnb-Aktien kaufen?
Das hängt natürlich stark von der Bewertung ab. Grundsätzlich gibt es bei solchen Börsengängen immer die Tendenz, dass zunächst einmal sehr viel Euphorie in den Kursen drin ist. Da kann es eine gute Idee sein, mit einem Engagement zumindest einmal eine bis zwei Wochen abzuwarten.

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Wer bei Airbnb einsteigt, setzt sich Risiken aus. Zieht der Städtetourismus an, werden auch Proteste gegen Airbnb wieder lauter. Weil die Plattform den Wohnraum der lokalen Bevölkerung verknappe.
Fragen der Reputation sind da ganz sicher drin. Airbnb ist immer noch ein relativ neues Geschäftsmodell, das sich da und dort in Grauzonen bewegt. Gut möglich also, dass das Thema der Regulierung wichtiger wird, was auf die Margen drücken könnte. Das muss man als Anlegerin oder Anleger natürlich von Anfang an wissen.

Airbnb startet an der Börse: Heisse Luft oder heisser Trend?

Mitten in der globalen Tourismus-Baisse geht Airbnb an die Börse. Sollte man Aktien des Online-Portals kaufen? HZ beantwortet hier zehn offene Fragen.

Airbnb sieht sich zunehmend der Konkurrenz von Online-Plattformen wie Booking.com ausgesetzt. Auch diese verstärken das Thema Apartment-Vermittlung.
Diese Bewegung läuft, ganz klar. Aber diese Konkurrenten kommen von der klassischen Hotelvermittlung her, das Thema Apartments und Ferienwohnungen kennen sie weniger gut. Was bedeutet: Airbnb dürfte es besser gelingen, hier Skaleneffekte zu nutzen.

Sehen Sie in Airbnb einen neuen Touristikriesen heranwachsen, der dereinst komplette Reisen anbietet, mit Flügen, Kreuzfahrten und Pauschalpaketen?
Daran glaube ich weniger. Die Kernkompetenz von Airbnb sehe ich eher im Immobilienbereich. Hier ist dem Unternehmen noch einiges zuzutrauen. Wenn sich etwa die Situation des stationären Detailhandels weiter anspannt, würde ich es nicht ausschliessen, dass Airbnb hier mit Angeboten in die Bresche springen könnte.

Ein Airbnb an der Shopping-Strasse?
Möglich ist alles.

Was raten Sie Leuten, die sich als Airbnb-Gastgeber versuchen möchten?
Je nach Angebot, Lage und Preis kann das weiterhin eine gute Idee sein. Im optimalen Falle lässt sich Airbnb als Erwerbsquelle nutzen, was eine Jahresrendite von 2 bis 4 Prozent möglich machen sollte. Bedingung dafür ist aber, dass man zunächst sauber rechnet. Als Airbnb-Gastgeber fallen natürlich auch Kapitalkosten, Aufwände für Reinigung und weitere Kosten an. Zweitens ist es wichtig, dass man sauber abrechnet. Man muss sich kundig machen über steuerliche Aspekte und Themen wie Kurtaxen.

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