Die Aktienmärkte haben sich im November trotz weltweit steigender Corona-Fallzahlen als äusserst robust erwiesen. Es läuft sogar ein regelrechter Bullenmarkt, der in den USA letzte Woche in einem Allzeithoch im Dow Jones mündete. Der wichtigste Aktien-Index der Welt knackte sogar erstmals die Marke von 30'000 Dollar. In Deutschland schafft der Börsenindex Dax mit einem Plus von rund 15 Prozent den besten November seiner Geschichte. In der Schweiz bewegen sich die Werte seit Wochen immerhin auf stabilem Niveau: Der Swiss Market Index SMI hält sich seit Monaten robust um die Marke von 10'500 Punkten. Den Durchhänger vom Oktober konnte der Leitindex in der ersten Novemberhälfte durch ein starkes Comeback ausgleichen.

Vor allem die Politik der Notenbanken sowie die Euphorie um die Wirksamkeit einiger Corona-Impfstoff-Kandidaten sorgen für gute Stimmung an den Märkten. Mohamed El-Erian, der Ex-CEO des Investmentriesen Pimco und heutige Chef-Wirtschaftsberater beim Versicherungskonzern Allianz, traut der starken Performance an den Aktienmärkten aber nicht. «Ich kann nachvollziehen, dass sich die Märkte zuletzt vor dem Hintergrund eines besseren Umfelds positiv entwickelt haben», sagte El-Erian in einem Interview mit «Yahoo Finance». 

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Die US-Notenbank Fed sei schliesslich gewillt, die Märkte ohne Wenn und Aber zu stützen. Zudem sei durch den Corona-Impfstoff ein Ende der Pandemie in Sichtweite gerückt. Aber: «Wir haben noch immer eine holprige Reise vor uns», schränkte El-Erian dann ein: «In den nächsten Monaten werden Teile der Wirtschaft stark unter Druck geraten.»

Auch wenn der Markt dank den Notenbanken und Impfstoff-Entwicklern weiter im «Risk-On»-Modus bleibe, bleibe ein Risiko, vor dem diese beiden Stützen keinen Schutz bieten: Firmeninsolvenzen. Diese aber sind laut El-Erian in Zukunft unvermeidbar.

«Wer jetzt nach mehr Rendite strebt, muss ein hohes Ausfallrisiko in Kauf nehmen.»

Für ihn ist klar: «Wer jetzt nach mehr Rendite strebt, muss ein hohes Ausfallrisiko in Form von Firmeninsolvenzen in Kauf nehmen. Und davor können Notenbanken Anleger nicht schützen.»

El-Erian moniert ausserdem die immer weiter fortschreitende Entkopplung der Aktienmärkte von der Realwirtschaft. «Die Kluft zwischen 'Main Street' und 'Wall Street' ist riesig und wird immer grösser.» Das sei auf lange Sicht weder gesund für die Gesellschaft noch für die Märkte, so der Allianz-Wirtschaftsberater. «Anleger sollten auf der Hut sein, vor allem dann, wenn sich die Wirtschaft nicht so schnell erholt, wie es der Markt derzeit einpreist.»

Mohamed A. El-Erian war von 2007 bis 2014 CEO bei Pimco, einem der grössten Obligationen-Vermögensverwalter der Welt. Es wurde über einen Streit mit Pimco-Gründer Bill Gross spekuliert. El-Erian schmiss nach eigenen Angaben seinen gut bezahlten Job aber, weil ihm seine damals zehnjährige Tochter auf einem Zettel 22 Ereignisse in ihrem Leben aufgeschrieben hatte, die er als Vater verpasst habe.

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Vor seiner Zeit bei Pimco – von 2004 bis 2007 – hatte El-Erian die Harvard Management Company geleitet, die das Stiftungsvermögen der Harvard-Universität verwaltet. Seit 2019 amtiert er auch als Präsident des Queens' College der Universität Cambridge.

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