So viel verlor Bitcoin seit sieben Jahren nicht mehr an einem Tag. Und noch nie war der anschliessende Steigflug so massiv in so kurzer Zeit. Minus 39 Prozent. Dann plus 44 Prozent vom Tiefpunkt innerhalb von Stunden.

Ein Eldorado für Trader mit kühlem Kopf. Weniger erfreulich für jene, die auf Bitcoin gesetzt haben als sicheren Hafen in Zeiten von Turbulenzen an den übrigen Weltbörsen. Aktuell ist ein Bitcoin weniger wert als Anfang Jahr. Stand am Freitagabend: gut 5'500 Dollar.

Digitales Gold

Dabei ist die grösste Kryptowährung ihrem Ruf als digitales Gold sogar ansatzweise gerecht geworden. Gold verlor an dem denkwürdigen 12. März 2020 ebenfalls mehrere Prozent. Kurz: In diesem allgemeinen Risk-off-Umfeld leiden praktisch alle Assets, auch Bitcoin. Klar ist damit aber auch: Zur Zeit gilt die Digitalwährung als risikoreiche Anlage.

Im Interview erklärt Alain Kunz von Obolus die aktuelle Situation. Obolus ist spezialisiert auf die Beratung sowie die sichere und versicherte Aufbewahrung von Kryptowährungen.

Bitcoin ist im aktuellen Crash seinem Ruf als sicherer Hafen bei Turbulenzen nicht gerecht geworden. Warum nicht?

Der Bitcoin-Kurs ist in den letzten Tagen eingebrochen, wie alle Assets auf globaler Ebene. Wenn wir den Horizont erweitern, sehen wir jedoch ein anderes Bild: Vor einem Jahr, am 12. März 2019, hatten wir keine Pandemie und die Wirtschaft schien in guter Verfassung. Die gesamten Kryptoanlagen hatten einen Marktwert von 68,7 Milliarden Dollar, und der Bitcoin-Kurs stand bei 3'900 Dollar. Am 12. März 2020, mit einer globalen Pandemie, einer globalen Wirtschaftskrise und einer globalen Panik stand der Bitcoin auf 4'970 Dollar, und Kryptos hatten einen Marktwert von 90,8 Milliarden Dollar. Bitcoin ist mit einem einjährigen Horizont in der Tat ein sicherer Hafen als fast jede andere Anlage.

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Was heisst das im Vergleich zu anderen Assets?Gleichzeitig war in den letzten Tagen auch ein Bruch in typischen Korrelationen zwischen Assets zu sehen. Bonds, Aktien, Gold, Bitcoin – alles wurde verkauft. Was verschiedene Hypothesen zulässt, zum Beispiel die Liquidation eines grösseren Macro-Hedge-Funds. Gleichzeitig wurde zu Beginn der Woche ein chinesischer Krypto-Betrug namens Token Plus liquidiert, was zusätzlichen Stress im System verursachte.

«Bitcoin ist mit einem einjährigen Horizont in der Tat ein sicherer Hafen als fast jede andere Anlage.»

«Cash is King», scheint zu gelten, da in allen Assets Ausverkauf herrscht. Momentan ist nichts sicher. Die Stimmung des Marktes ist im Augenblick gebrochen, und solange diese nicht wiederhergestellt wird, ist mit Einbrüchen zu rechnen. Es wird sich auch die Frage stellen, ob fiskalpolitische- und geldpolitische Massnahmen noch funktionieren, um die Stimmung wiederherzustellen. Oder ob direkte Eingriffe nötig werden wie in Hong Kong, wo den Bürgern direkt Geld gegeben wurde.

Ist der Markt noch zu klein, so dass einzelne grosse Investoren die Kurse massiv in die eine oder andere Richtung bewegen können?

Der Kryptomarkt steckt noch in den Kinderschuhen, und kann durch grössere Volumen in die eine oder andere Richtung bewegt werden. Dies ist auch dem kürzlichen SEC-Statement zu der Zurückweisung des letzten Zulassungsgesuchs für eine Bitcoin-ETF zu entnehmen: Es wurde festgehalten, dass der Kryptomarkt noch nicht die gleiche Robustheit hat wie traditionelle Anlagen (Aktien und Bonds), was Manipulation betrifft. Deshalb könne bei der aktuellen Marktreife ein ETF als Produkt für Retailkunden nicht zugelassen werden. 

Was kommt jetzt?

Wir haben im Mai das Bitcoin Halving. Von da an werden weniger Bitcoins neu geschaffen, was zu einem Preisanstieg führen könnte, und zwar aufgrund der Wirtschaftssituation der Miners, die das Netzwerk unterhalten. Gleichzeitig können wir als Reaktion auf die aktuelle Krise (Öl, Coronavirus) mit staatlichen Stimuli rechnen; was schlussendlich nichts anderes als Geldentwertung durch Drucken bedeutet. Somit erhält die ursprüngliche Bitcoin-These Aufschwung. Letztlich wird der Ausblick durch die Reaktion der Staaten auf die Coronakrise geprägt sein. Bitcoin wie auch andere solide Assets offerieren attraktive Einstiegspreise für langfristig orientierte Anleger.

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