Die Corona-Krise führt zu neuen Börsentrends, verstärkt bestehende und gibt ihnen teilweise eine neue Richtung. Was heisst das konkret? Experten der US-Investmentgesellschaft Columbia Threadneedle haben neun Megatrends identifiziert und daraus Anlageziele und -chancen abgeleitet. 

1. Die Globalisierung hat wohl ihren Höhepunkt überschritten:

In vielen Länder wird vermehrt über die Herkunft von Produkten nachgedacht und über Abhängigkeiten. Darum dürfte es zu einer Rückverlagerung von Produktionsprozessen aus Billig- in Hochlohnländer kommen. Das bedingt, dass die Produktion automatisiert wird.

  • Profiteure: Davon dürfte etwa die japanische Firma Keyence profitieren, die sich auf Automation und Robotik spezialisiert hat. Auch beim Design wird die Automation fortschreiten. Das wird etwa Design-Software-Firmen wie Autodesk und Ansys helfen.

Der US-Vermögensverwalter Columbia Threadneedle mit Hauptsitz in Boston verwaltet rund eine halbe Billion Franken. Die Firma beschäftigt rund 400 Investmentanalysten und Portfolio Manager.

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2. Der Übergang von Bar- zu Kartenzahlungen gewinnt an Fahrt

Im Zuge der Krise sind mehr Menschen gezwungen, ihre Einkäufe über das Internet anstatt im Geschäft zu erledigen. Stationäre Läden nehmen aus Hygienegründen vielerorts keine Barzahlungen mehr an. Dadurch könnte sich der Übergang von Bar- zu Kartenzahlungen beschleunigen.

  • Profiteure: Das dürfte sich längerfristig positiv auf die Kreditkartenfirmen Mastercard und Visa auswirken. Auch Firmen, die Plattformen für digitale Transaktionen anbieten, werden dabei wohl gewinnen, darunter etwa Worldline und Square.

3. Gesundheits- und Hygienevorschriften werden sich wohl verschärfen

Dies dürfte insbesondere für China gelten, wo das Virus offenbar seinen Ursprung hat.  Der Druck auf das Land dürfte zunehmen, seine Lebensmittelindustrie besser zu überwachen. Aber auch in anderen Ländern wird dieser Trend wohl spürbar.

  • Profiteure: Dazu gehört etwa die Firma Ecolab. Sie bietet Hygienelösungen für Unternehmen. Auf der Konsumenten profitieren Unternehmen wie Reckitt Benckiser, zu deren wichtigsten Marken Dettol- und Lysol-Desinfektionsprodukte gehören. Vielleicht profitieren auch Unternehmen, deren Produkte zur Verbesserung der Tiergesundheit beitragen, beispielsweise Zoetis in den USA, die Arzneimittel und Impfstoffe für die Tiergesundheit entwickelt.

4. Fortschritte in der Medizin nehmen an Tempo zu

Es ist erstaunlich, wie schnell die Corona-Forschung vorankommt, wie rasch klinische Studien Ergebnisse liefern. Mitte Januar wurde das Genom der Krankheit entschlüsselt. Bereits im März wurde der Wirkungsmechanismus der Proteinbindung identifiziert, und das Virus in einem kanadischen Labor nachgebaut, und das US-Biotech-Unternehmen Moderna testete einen Impfstoff. Im Vergleich zu «früheren Zeiten», als solche Studien Jahre statt Monate in Anspruch genommen hätten, ist das atemberaubend schnell.

  • Profiteure: Von diesem Trend würden Biowissenschafts- und Diagnostikunternehmen wie Illumina und Thermo Fisher profitieren. In den USA wird zudem wahrscheinlich die der Versicherer Centene zu den Gewinnern gehören, der von einer verstärkten Zusammenarbeit mit dem US-Gesundheitsfürsorgeprogramm Medicaid profitieren würde.

5. Intelligenteres Home Office wird stärker akzeptiert

In der Corona-Krise war Home Office plötzlich möglich.  Diese Arbeitsform dürfte nun mehr Akzeptanz finden. Das wirkt sich auf Investitionen in die Cloud und ähnliche Technologien aus, und es beschleunigt die Abkehr von alter IT-Infrastruktur.

  • Profiteure: Cloud-Plattformen und Services von Microsoft, Amazon, Google, Equinix und Ringcentral.
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6. Die Widerstände gegen die grossen Tech-Konzerne sinken, das sie jetzt wie Versorger angesehen werden

Die Phase der Isolation hat uns vor Augen geführt, wie stark wir auf Technologieplattformen und soziale Medien angewiesen sind. Kurzfristig könnten Online-Plattformen wie Google, YouTube und Facebook beziehungsweise Instagram zwar Werbeeinnahmen wegbrechen. Auf längere Sicht werden diese Plattformen allerdings vom stärkeren Anstieg der Nutzerzahlen und vom zunehmenden Interesse profitieren. Nutzer, die den Plattformen wegen Datenschutz-Bedenken den Rücken gekehrt hatten, kommen jetzt vielleicht zurück. Und Staaten gehen angesichts der Schlüsselrolle, welche Tech-Konzerne in der Krise bei der Unterstützung der Gesellschaft gespielt haben, womöglich weniger scharf gegen sie vor.

  • Profiteure: Facebook, Google, Amazon

7. Der Online-Konsum steigt

Ob beim Kauf von Lebensmitteln, im Bildungsbereich oder im Einzelhandel allgemein – der Online-Konsum hat im Zuge der Krise zugelegt. Inzwischen ist ein grösserer Nutzerkreis mit der Inanspruchnahme dieser Dienstleistungen vertraut als zuvor. Was für viele aus der Notwendigkeit heraus begann, kann vielleicht zur Norm werden. Vor diesem Hintergrund werden wohl auch klassische Detailhändler und Dienstleister verstärkt ins Online-Geschäft investieren.

  • Profiteure: Google, Facebook, Amazon, Alibaba.

8. Der Trend zur Künstlichen Intelligenz beschleunigt sich

Künstliche Intelligenz-Fabriken eignen sich gut für eine Welt mit weniger zwischenmenschlichen Kontakten und könnten, Investitionen in öffentliche Clouds beschleunigen.

  • Profiteure: Nvidia, deren Grafikprozessoren sehr gut in Anwendungsgebieten der Künstlichen Intelligenz einsetzbar sind. TSMC als Hauptlieferant für Hochleistungschips.

9. Die «grüne Agenda» erlebt einen Aufstieg:

Einige Länder erleben gerade, welche Vorzüge sauberere Luft und Gewässer haben. In den Kanälen von Venedig zum Beispiel ist das Wasser so klar geworden, dass man dort jetzt Fischschwärme sehen kann. Dies führt vielleicht zum Wunsch, diese Errungenschaften auch nach der Krise zu bewahren. Mithilfe steuerlicher Fördermassnahmen könnten Umweltthemen in der Agenda nach oben rücken. Dies dürfte mehr Investitionen in erneuerbare Energien, Infrastruktur für Elektrofahrzeuge und ähnliche Projekte lenken.

  • Profiteure: Orstead, ein dänischer Entwickler von Offhore-Windfarmen. Wenn mehr elektrische Fahrzeuge auf den Strassen fahren, werden auch mehr Batterien benötigt. Das könnte Batteriehersteller wie Samsung SDI helfen. Zudem dürften hier auch Firmen profitieren, die Energieeffizienz fördern, wie etwas Trane Technologies und Kingspan.

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