Der Wettstreit zwischen Bitcoin und Ether – den beiden populärsten Kryptowährungen – ist so heiss wie lange nicht mehr. In den vergangenen Tagen schneidet Ether an den Kryptobörsen viel besser ab. Es ist die Erwartung auf ein Software-Upgrade, die Ether gerade so stark ansteigen lässt: Durch die Aktualisierung soll der Stromverbrauch der Kryptowährung deutlich sinken. Sprich: Ether soll grüner werden.

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In den letzten sieben Tagen stieg Ether um mehr als 16 Prozent – Bitcoin legte hingegen nur um knapp 8,4 Prozent zu. Noch besser schneidet Ether im langen Vergleich ab: Seit Jahresanfang ist die Währung der Ethereum-Blockchain um 17 Prozent gestiegen, während Bitcoin um 7 Prozent an Wert verloren hat.

Warum ich lieber Ethereum als Bitcoin habe

Das grösste Upgrade der Geschichte

Das Software-Upgrade soll das grösste in der Geschichte von Ether werden. Der Software-«Booster» namens «Merge» wird die Reihenfolge der Transaktionen in Ethereum ändern und dem Netzwerk helfen, weniger Strom zu verbrauchen, also die Effizienz zu steigern. Die Entwickler versprechen das Upgrade schon seit Jahren. Der letzte Test der Software begann am 15. März, und nach einigen anfänglichen Störungen scheint er nun reibungslos zu verlaufen.

Auch am Dienstag setzte sich der Höhenflug von Ether fort:  Der Kurs sprang in Asien um bis zu 4,8 Prozent in die Höhe, Ether erreichte den höchsten Stand seit dem 17. Februar und wurde um kurz nach Mittag in Hongkong mit gut 3 Dollar gehandelt. Auch Bitcoin erholte sich vom Verlust des Vortags und stieg um 4,9 Prozent auf gut 43 Dollar.

Die neue Software wird Ethereum nicht nur für umweltbewusste Investorinnen und Investoren attraktiver machen, sondern könnte auch das Angebot an Ether verringern.

Ein radikaler Wechsel

Nach dem Zusammenschluss wird das Ethereum-Netzwerk nicht mehr Millionen von leistungsstarken Servern, den sogenannten Minern (Schürfern), einsetzen, um Transaktionen auf der Blockchain anzuordnen. 

Stattdessen können die Nutzer und Nutzerinnen ihre Ether in speziellen «Staking Wallets» deponieren, die zur Bestellung von Transaktionen verwendet werden – ein System, das «Proof of Stake» genannt wird. Die sogenannten Staker werden ihre digitalen Münzen nicht herausnehmen können, zumindest bis zu einem weiteren Software-Upgrade, das etwa sechs Monate nach dem Merge erwartet wird. 

Die Staker erhalten wie zuvor die Schürfer neu geprägte digitale Münzen als Belohnung für ihre Tätigkeit. Die Staker dürften aber wahrscheinlich weniger von den Münzen verkaufen als die Schürfer, da sie nicht so hohe Betriebskosten hätten wie die energiehungrigen Schürfer, wie Kyle Samani, Mitbegründer von Multicoin Capital, sagt. Nach dem Merge soll der Energieverbrauch von Ethereum um 99 Prozent sinken.

Der Merge sollte bereits vor Monaten stattfinden, wurde aber verschoben, da die Ethereum-Entwickler sicherstellen wollen, dass alles reibungslos abläuft. Es steht viel auf dem Spiel: Die gesamte Ethereum-Wirtschaft, einschliesslich 349 Millionen Dollar in Ether, sowie Milliarden in dezentralen Finanz-Apps und Non-Fungible Token (NFT) hängen davon ab. 

Wird das Upgrade erneut verschoben?

Die Ethereum Foundation plante den Merge offiziell für das zweite Quartal 2022, sagte aber kürzlich in einem Blog, dass der genaue Zeitpunkt noch nicht feststehe – ein mögliches Zeichen für eine kleine Verzögerung.

«Es bräuchte ein katastrophales Ereignis, damit es nicht in diesem Jahr passiert», sagte Tim Beiko, ein Informatiker, der die Ethereum-Entwickler koordiniert, gegenüber Bloomberg. Dennoch erwarten einige Miner, dass der Merge in den Herbst verschoben wird. 

(bloomberg/mbü)