Wie wird sich der Ölpreis entwickeln?
Der Ölpreis wird auf mittlere Sicht von der OPEC reguliert, die die Preisfindung mittels Förderquoten steuert. Der jüngste Anstieg ist eine direkte Konsequenz einer starken Nachfrage insbesondere nach Treibstoff sowie der Tatsache, dass sich die Erdölproduzenten nicht auf eine Erhöhung der Förderquoten einigen konnten. 

Man wird daher davon ausgehen können, dass sich der Ölpreis in den kommenden sechs bis neun Monaten in einer Spanne zwischen 60 und 80 US-Dollar bewegen wird. Das letzte Wort hat, wie seit Langem, Saudi-Arabien, das als einziges Land freie Förderkapazitäten hat. 

 

Borseninterview_Axa_IM_Wenzel_Franz

Franz Wenzel ist Anlagestratege für Institutionelle Kunden bei AXA Investment Manager.

Quelle: Danny Mejia

Die grossen US-Techkonzerne FAANG+M (Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google, Microsoft) führten in den letzten Jahren den Boom an den US-Börsen an. Werden sie auch in Zukunft ein gutes Investment sein? 
Zweifellos haben die genannten Werte substanziell zur Wertentwicklung der globalen Börsen beigetragen. Allerdings zeigt sich auch, dass die sogenannte «Growth-Rallye» lahmen kann. Seit dem vierten Quartal 2020 haben sich klassische zyklische Werte deutlich besser erholt als Wachstumswerte. 

Anzeige

Wir unterstellen, dass Wachstumswerte längerfristig die Nase wieder vorn haben werden und die gewohnte Rangordnung wiederhergestellt werden wird. Da kann dann schon mal der eine oder andere neue Wachstumswert die Börsenticker dominieren. 

Welcher Schwellenländer-Aktienmarkt bietet sich aktuell für Investitionen an? 
Eine individuelle Schwellenländerselektion halten wir nicht für empfehlenswert. Vielmehr sollten sich Investoren auf die Analyse von Marktregionen und entsprechende Investitionen in den Regionen konzentrieren. 

Bei langfristigen Investitionen sollte man auf Wachstum als stabile Grösse setzen. Hier bietet sich Emerging Asia an. 

Wer dagegen eher auf eine weitere Erholung der Rohstoffmärkte setzt, sollte Lateinamerika mit im Blick behalten. 

Welche drei grossen Trends werden das Geschehen an den internationalen Märkten in den nächsten zehn Jahren prägen - und wie sollten Anlegerinnen vorgehen, um davon zu profitieren? In der jüngsten Vergangenheit haben sich insbesondere die folgenden Themen herauskristallisiert: Die Digitalisierung wird weiter zunehmen. Robo-Technologien und Effizienzsteigerungen sind hier die wesentlichen Elemente. Die weiter alternde Bevölkerung wird ein weites Spektrum von medizinischen Neuerungen sowie Altersversorgung erfordern. Ferner wird das Umweltbewusstsein eine zentrale Grösse im Alltag werden. 

Angesichts des weiten Investmentspektrums sollten sich die Anlegerinnen und Anleger für Fondslösungen entscheiden, die die diversen Themen abbilden.  

«Wer auf eine weitere Erholung der Rohstoffmärkte setzt, sollte Lateinamerika mit im Blick behalten.»

Blicken wir auf das allgemeine Börsengeschehen: Wie stark beschäftigt die Corona-Krise noch die Finanzmärkte? 
Im Moment ist die Corona-Krise an den Weltbörsen in den Hintergrund gerückt. Die beeindruckenden Konjunkturdaten sowie die weiter anhaltende Liquiditätsversorgung durch die Zentralbanken und die höhere Inflation sind im Fokus der Investoren. Trotz des zügigen Impftempos in verschiedenen Ländern breitet sich die sogenannte «Delta-Variante» aber stetig aus. Dies könnte im Herbst zu erneuter Unsicherheit an den Weltbörsen führen. 

Anzeige

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln? 
Die kurzfristige Entwicklung der Börsen im Allgemeinen sowie der Schweizer Börse wird von der Sorge um die hohe Inflation und den damit verbundenen Bedenken bezüglich erster Notenbankschritte geprägt sein. Dagegen stützt die zyklische Erholung weiter. In der Summe gehen wir von einer weiter positiven Wertentwicklung der Weltbörsen sowie der Schweizer Börse, verbunden mit einer etwas höheren Volatilität, aus.

Wo steht der SMI in zwölf Monaten? 
Obwohl sich die Weltbörsen sehr positiv entwickelt haben, erwarten wir weitere Kursavancen in den kommenden sechs bis neun Monaten. Die konjunkturelle Erholung, die damit verbundenen soliden Gewinnerwartungen und die nach wie vor sehr expansive Geldpolitik der Zentralbanken die Aktienmärkte stützen. Wir erwarten weitere Kursavancen von 10 %. Allerdings werden innerhalb von zwölf Monaten einige Wolken am Börsenhimmel aufziehen, zumal die US-Notenbank die Märkte auf weniger Liquidität und sogar auf mögliche Zinserhöhungen vorbereitet. 

Anzeige

Franz Wenzel beantwortete die Fragen schriftlich.

Jetzt traden

Eröffnen Sie bei cash.ch ein Trading-Konto für 29 Franken pro Transaktion